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Das grüne Ungeheuer (Der grüne Pabst) von Wolfgang Schreyer
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Preis E-Book:
8.99 €
Preis:
8.97 € (Film)
Veröffentl.:
29.12.2011
ISBN:
978-3-86394-090-4 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 533 Seiten, Film: 372 Min., 3 DVD
Kategorien:
Belletristik/Thriller/Spannung, Belletristik/Thriller/Spionage, Belletristik/Thriller/Militär, Belletristik/Thriller/Politik, Belletristik/Action und Abenteuer, Belletristik/Liebesroman/Geschichte/20. Jahrhundert, Belletristik/Liebesroman/Militär, Belletristik/Geschichte, Belletristik/Krieg & Militär, Belletristik/Politik
Abenteuerromane, Spionagethriller, Historischer Roman, Belletristik: Themen, Stoffe, Motive: Politik, Thriller / Spannung, Kriegsromane, Politthriller/Justizthriller, Liebesromane, 20. Jahrhundert (1900 bis 1999 n. Chr.)
Guatemala, CIA, Militärputsch, Kuba, Mexiko, Honduras, Trujillo, Karibik
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Reyes setzte das Glas ab. Ohne meinen Gruß zu erwidern, antwortete er: "Auf Sie, Capitán, haben wir gerade gewartet. Ihren Fall werden wir auch gleich klären. Sie werfen unsere kostbaren Bomben nach Gutdünken ab, nicht wahr?"

Er wusste es also schon. Auch bei ihm hatte man mich denunziert, und anders als Mendoza glaubte er mir nicht. Dass Vorgänge innerhalb der Luftwaffe gleichfalls in seinen Geschäftsbereich fielen, war mir neu. Doch pflegen Sicherheitsbeauftragte ihre Kontrolle gern über Ressortgrenzen hinaus auszudehnen. Pflichteifer, Ehrgeiz und Misstrauen verleiten sie dazu, ihre Nase möglichst in jeden Brei zu stecken. Bestrebt, viele Fäden in ihrer Hand zu vereinen, um sie zum Knoten unumschränkter Macht zu schürzen oder Feinden daraus einen Strick zu drehen, sind sie genötigt, eine stattliche Spitzelschar zu beschäftigen. Solche Vertrauensmänner nannte man hierzulande "Soplón de policía".

Herr von Hardenberg murmelte eine Entschuldigung, er ließ uns allein; mit derart heiklen Dingen wollte er nichts zu tun haben. Ich setzte mich auf seinen Platz und blickte dem bullenhaften Reyes fest in die Augen. Er starrte zurück. Ich sagte: "Haben Sie sich extra deshalb herbemüht?" in der schwachen Hoffnung, er habe Chabelita nur meinetwegen vernommen, nicht aber wiedererkannt. Ich war ziemlich ratlos. Mit jeder Minute verschlimmerte sich meine Lage. Denn sobald ihm berichtet wurde, dass ich diesmal die Bomben sogar wieder mitgebracht hatte, würde er mich festnehmen lassen.

Unvermittelt stand er auf, schüttete mir den Rest seines Weins ins Gesicht und sagte: "Kommen Sie mit. Wir werden Ihnen was zeigen."

Ich folgte ihm ohne Widerspruch. Hinter mir ging der Soldat, seine Stiefel tappten über das Pflaster, die Waffe hielt er im Anschlag. Wir passierten das Tor in der rückwärtigen Mauer des Patio und gelangten auf den Wirtschaftshof.

"Ihr Dragoneante beantwortete unsere Fragen nicht", erklärte er mir. "Wir wollen sehen, ob 'er' jetzt den Mund auftut." Dabei stapfte er auf jene Tür zu, die zu den Stallungen und der Autogarage führte. Sein Leibwächter hielt sich weiter in meinem Rücken. Ich konnte hören, wie er an seinem Schießeisen manipulierte.

"Sie fürchten sich wohl mit mir allein?", fragte ich.

Er lachte kurz auf, musterte mich von Kopf bis Fuß und wies den Mann an, im zweiten Hof Posten zu fassen. Wir kamen nun in den dritten. Ich hatte ihn noch nie betreten. Unauffällig riegelte ich hinter mir ab, sah aber gleich, warum Reyes seinen Wachmann leichten Herzens zurückgelassen hatte. Neben dem Misthaufen nämlich stand ein weiterer Aufpasser, wenn auch ohne geschulterte Maschinenpistole. Ihm gehörte ein Karabiner, und der diente jetzt einem anderen Zweck: Zu seinen Füßen lag in der prallen Sonne Chabelita - ein Bündel aus khakibraunem Uniformtuch.

Ich kann nicht behaupten, dass dieser Anblick mich entsetzt oder gar rasend gemacht hätte. Gefühlsausbrüche verleiten zur Unbesonnenheit, und ich befand mich schon so im Nachteil, dass ich haushalten musste mit meiner Kraft. Die Wut kommt bei mir immer erst hinterher. Ich musste etwas tun, und die Wahrheit ist, dass ich bis zur letzten Sekunde nicht wusste, was. Da lag sie zusammengerollt, Fliegen umschwärmten sie, Mücken saßen auf ihrem Gesicht. Das Gewehr steckte zwischen Kniekehlen und Armbeugen, wie ich das in Esquipulas schon öfter gesehen hatte. Luis Reyes hatte ihr den "Cepo de campaña" verordnet.

"Damit Sie keinen Unfug machen", sagte der Major, "los, geben Sie Ihren Revolver her." Bei diesen Worten hielt er den eigenen schon in der Hand, der Lauf zielte auf meinen Magen. Natürlich nahm er an, dieses Mädchen sei meine Geliebte. Für ihn war es selbstverständlich, dass ich nun versuchen würde, mich auf ihn zu stürzen. Mich dazu herauszufordern und dann wie einen tollen Hund abzuknallen wird ihm im Sinn gelegen haben.

Ob dem wirklich so war, ist nicht mehr festzustellen. Ich schnallte das leere Pistolenfutteral ab, reichte es ihm mit der Linken und schoss im selben Moment aus der Rocktasche. Denn es hatte gar keinen Zweck, sich mit ihm in ein Handgemenge einzulassen. Er war viel kräftiger als ich, und ich hatte keine Lust, mich auf dem Misthaufen von ihm verdreschen zu lassen. Nun fiel er hin, und eine Handbreit unterhalb des Halsansatzes erschien auf seiner Uniform ein dunkler Fleck.

 

Das grüne Ungeheuer (Der grüne Pabst) von Wolfgang Schreyer: TextAuszug