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Späher der Witbooi-Krieger von Dietmar Beetz
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Preis E-Book:
8.99 €
Veröffentl.:
29.11.2014
ISBN:
978-3-95655-183-3 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 432 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Action und Abenteuer, Belletristik/Krieg & Militär, Belletristik/Geschichte
Horrorliteratur und Übernatürliches, Historischer Roman, Kriegsromane
Deutsch-Südwestafrika, Witbooi, Herero, Windhuk, Theodor Leutwein, Bastard, Namib
12 - 99 Jahre
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Zwar riss der Major sofort sein Pferd herum und ritt zum letzten Wagen, aber der Baas hatte sich schon wieder gesetzt, und er erhob sich nicht einmal, während er in die Runde wies und offenbar erklärte, das hier sei der beste Platz für die Nacht.

Ohnehin spannen die Tauleiter bereits aus, und das Brüllen, das Blöken und Wiehern schwillt an wie immer zu Beginn einer Rast, und so lässt sich Pieter von dieser Woge gleichsam überrollen, taucht in dem Durcheinander unter, bückt sich nach ein paar Schritten, packt den Splint und zieht.

Und wundert sich, als er den Eisendorn in der Hand hält, erschrickt jetzt erst und lässt den fingerlangen Stachel fallen, tritt darauf und begräbt ihn mit der Sohle im Sand und blickt dabei aus aufgerissenen Augen um sich.

Keiner, der herschaut! Gott sei Dank! Offenbar ahnt niemand, was eben geschehen ist, was der Treiber und Bastard, der Späher Koopgaard vollbracht hat.

Geschafft! denkt er noch, als das Abendbrot bereits verzehrt ist und der Durst gelöscht und die Sonne verschwunden im Westen hinter dem Bergwall; und als endlich die Dunkelheit anbricht, atmet er auf und sagt sich, redet sich erneut ein: Geschafft! Nun kann keiner sehn, dass der Splint fehlt, und es müsste schon mit dem Teufel zugehn, wenn morgen früh ...

Abermals stockt er in Gedanken und beginnt zu grübeln und beschwichtigt sich selbst und versucht, wiederum zu frohlocken, und weiß doch, dass nur ein Anfang gemacht und noch gar nichts vollbracht ist.

Morgen früh muss sich ein Rad lösen, muss die Achse brechen, muss ein Teil der Kolonne allein weiterziehn mit der Hälfte der Bewachung, damit im Engpass von Horebis, kurz vor Tsaobis ...

An dieser Stelle schiebt sich gleichsam eine Wand vor seine Gedanken - heute Abend im Gegensatz zu gestern und zu den Tagen und Abenden zuvor.

Was dann? fragt er sich. Wenn alles klappt, selbst wenn dir bei dem Überfall nichts passiert und vorher nichts - was danach?

So nah die Entscheidung ist, so fern und unwahrscheinlich dunkt ihn plötzlich die Erlösung. Eben war er noch überzeugt, mit dem ersten Schuss im Engpass von Horebis werde er wieder zum Krieger Pieter Koopgaard, frei und offen zum Verbündeten der Witboois; nun zweifelt er selbst daran, bezweifelt, dass irgendetwas morgen glückt.

Und liegt, gehüllt in seine Pferdedecke, schlaflos, lange, und bedrückt, nachdem die Schwüle des Tages, die dumpfe, vom Rauch des schwelenden Feuers beschwerte Luft hier im Talkessel längst verdrängt ist von nächtlicher Kühle, versucht, jenen Abend, den letzten in Hoornkrans, zu beschwören: die Wärme, die Geborgenheit und Marias erregenden, verheißungsvollen Blick, versucht es verzweifelt, vergebens, grübelt noch, als die beiden Doppelposten bereits beginnen, vor Kälte die Stiefel zusammenzuschlagen.

Dieses Klopfen und der Hall ihrer Schritte rings um das Lager und manchmal das Klirren von Metall auf Stein - das alles könnte morgen schon Vergangenheit sein, Erinnerung wie an einen Albtraum, überstanden, vorbei.

 

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