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Ein berühmtes Medizinbuch, ein erschütterndes Kriegs-Tagebuch und ein Ausflug in die Antike - Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

(Pinnow 04.04.2025) – Der Schriftsteller Friedrich Wolf war in seinem ersten Beruf Mediziner und praktizierte als „Arzt für Homöopathie und Naturheilkunde“. Und er engagierte sich auch in der Gesundheitserziehung und Gesundheitsaufklärung. So sprach er zum Beispiel Mitte der 1920er im Stuttgarter Rundfunk nicht nur über literarische Themen, sondern auch über Themen der Volksgesundheit. Genau zu dieser Thematik hat er auch ein noch heute beachtenswertes medizinisches Fachbuch für die breite Bevölkerung geschrieben, das zu den insgesamt fünf aktuellen digitalen Sonderangeboten dieses Newsletters gehört, die sieben Tage lang zum Sonderpreis im E-Book-Shop www.edition-digital.de (Freitag, 04.04. 2025 bis Freitag, 11.04. 2025) zu haben sind.

Nach reiflicher Überlegung hatte Friedrich Wolf das Angebot der Deutschen Verlagsanstalt angenommen, ein medinisches Handbuch im Sinn der Naturheilkunde zu schreiben und machte dafür sogar ein Jahr Praxis-Pause: Zwischen 1926 und 1927 entstand in völliger bergiger Einsamkeit sein großes Arztbuch „Die Natur als Arzt und Helfer“, für die Wolf sogar die Mehrzahl der Fotos beisteuerte. Und dieses Buch wurde ein großer, nicht zuletzt ökonomischer Erfolg, machte seinen Namen nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Arzt weithin bekannt.

Dem jetzt bei EDITION digital erschienenen E-Book „Dr. med. Friedrich Wolf. Die Natur als Arzt und Helfer. Das naturärztliche Hausbuch. Erstausgabe: Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, Berlin 1928“ liegt die Ausgabe von 1932 zugrunde.

Das umfangreiche Werk ist ein einzigartiges naturärztliches Hausbuch, das die Grundlagen der Naturheilkunde mit praktischen Anleitungen zur ganzheitlichen Gesundheit verbindet. In dieser umfassenden Abhandlung führt der Arzt, Naturheilkundler und Schriftsteller durch ein weites Spektrum an Themen - von der Anatomie und Funktionsweise des Körpers über natürliche Heilverfahren wie Hydrotherapie, Heilpflanzen, Ernährung, Bewegung und Atmung bis hin zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten.

Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine natürliche Lebensweise, die sich auf die Kräfte der Natur stützt und die Selbstheilungskräfte des Körpers fördert. Mit einem klaren Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse vor knapp 100 Jahren und bewährte Hausmittel bietet Wolf ein für den Laien leicht verständliches Standardwerk für alle, die sich bewusst und nachhaltig um ihre Gesundheit kümmern möchten.

Allerdings weist der Verlag auch darauf hin, dass sich die Medizin in den fast 100 Jahren seit der Erstveröffentlichung dieses Buches weiterentwickelt hat und dass die moderne Wissenschaft einige Auffassungen dieses Buches nicht mehr mitträgt. Deshalb sollte man (s)eine Ärztin oder (s)einen Arzt konsultieren, bevor Rezepte aus „Die Natur als Arzt und Helfer“ übernommen werden.

Auch die anderen vier Sonderangebote des heutigen Newsletters stammen von Friedrich Wolf, dem Arzt und Schriftsteller.

1942 schrieb er die Erzählung „Mir kommt das Grauen“, in dem Friedrich Wolf von einem deutschen Unteroffizier berichtet, der inmitten des barbarischen Ostfeldzuges des Zweiten Weltkriegs Tagebuch führt. Anfangs noch voller Pflichtbewusstsein, wird sein Schreiben bald zum verstörenden Zeugnis eines jungen Mannes, der die grausame Realität des Krieges im Osten erkennt. Mit jeder Seite rückt er näher an den Abgrund, bis er am 23. Dezember 1941 den erschütternden Satz schreibt: „Mir kommt das Grauen.“

Sehr gern schrieb Friedrich Wolf über Tiere. Sehr gern schrieb Friedrich Wolf für Kinder. Beides zusammen findet sich zum Beispiel in seinem erstmals 1946 veröffentlichten Buch für Kinder ab 6 Jahren „Märchen für große und kleine Kinder“. Darin steht auch die Erzählung „Das Osterhasenfell“. Deren Hauptrolle spielt der mutige Osterhase Purzel. Als seine Familie krank wird und das Osterfest vor der Tür steht, bleibt alle Arbeit an dem kleinen Hasen hängen. Purzel muss die Ostereier holen, färben und verstecken - und das ganz allein! Doch der Hof des grimmigen Bauern Schluckebier und seines furchterregenden Wolfshundes Lux macht die Aufgabe besonders gefährlich. Was soll und was kann Purzel tun? Wird ihm am Ende alles gelingen?

Einen spannenden Ausflug in die Antike unternahm der Schriftsteller in „Das Heldenepos des Alten Bundes aufgespürt und in deutschen Worten von Friedrich Wolf“, dessen Erstausgabe 1925 in der Deutschen Verlagsanstalt Stuttgart, Berlin und Leipzig erschien. In diesem Buch wagt sich Friedrich Wolf tief in die Ursprünge der Bibel. Er entwirrt die verschütteten Fragmente eines gewaltigen Heldenliedes, das von mythischen Recken, Riesen und Königen erzählt. Inmitten von Priesterkodizes, Gesetzestexten und Prophetenworten schlummern archaische Erzählungen über Simson, Gideon und David, über epische Schlachten, himmlische Boten und titanische Kämpfe. Wolf entfaltet die vergessene Saga der alten Stämme Israels mit literarischem Feingefühl und historischer Akribie. Dieses Werk ist mehr als eine Deutung - es ist eine Wiederbelebung des Ursprungsmythos.

„Das Heldenepos des Alten Bundes“ ist ein Buch für alle, die den alten Texten auf den Grund gehen wollen und die Bibel nicht nur als religiöses, sondern auch als literarisches Monument begreifen. Es handelt von der archaischen Welt des Alten Testaments, als Helden noch gegen Götter kämpften und das Schicksal eines Volkes auf dem Spiel stand.

Und damit sind wir wieder beim aktuellen Beitrag der Rubrik Fridays for Future angelangt. Jede Woche wird an dieser Stelle jeweils ein Buch vorgestellt, das im weitesten Sinne mit den Themen Klima, Umwelt und Frieden zu tun hat – also mit den ganz großen Themen der Erde und dieser Zeit. Wieder einmal legt ein Buch Zeugnis ab von Helden des Großen Vaterländischen Krieges, die die Sowjetunion gegen die faschistischen Aggressoren verteidigen – aus Liebe zu ihrer Heimat, aus Liebe zu ihren Familien und aus Liebe zu den Völkern der Welt. Und manche von ihnen waren noch ganz jung …

1942 entstand die Erzählung „KOSTJA, der achtzehnjährige Scharfschütze im Skibataillon“ - eine packende Geschichte von Mut, Entschlossenheit und unerbittlichem Überlebenswillen im Angesicht des Zweiten Weltkriegs. Kostja, ein junger Mann aus Moskau, meldet sich freiwillig als Scharfschütze, um seine Heimat gegen die einmarschierende Hitlerarmee zu verteidigen. Diese Geschichte nimmt den Leser mit in die eisigen Schlachten vor Moskau, wo Kostja sich nicht nur den Feinden, sondern auch der unerbittlichen Kälte stellen muss. Friedrich Wolf zeigt persönliche Schicksale und den unerschütterlichen Zusammenhalt, der in den dunkelsten Stunden des Krieges neue Hoffnung und menschliche Wärme hervorbringt. Eine inspirierende Erzählung über die Kraft des Willens und die Liebe zur Heimat, die in einem der grausamsten Kriege der Geschichte geboren wurde. Und so lernt der Leser zu Beginn der Erzählung den jungen Helden Kostja kennen – zunächst zumindest indirekt:

„Wenn man in einen anderen Bau des großen Feldlazaretts vor Moskau käme und fragte: „Bitte, wo liegt Kostja?“ – So würde die Schwester vom Tagesdienst mit Recht die Gegenfrage stellen: „Welcher Kostja?“ Im Bau I aber antwortet sie ohne Zögern, als gäbe es überhaupt nur einen Kostja auf der Welt: „Kostja … hier, Parterre, im zweiten Zimmer rechts!“

Die Menschen lieben gerade heute, im Zeitalter der Technik und der mechanisierten Divisionen, jene kleinen, an Wunder grenzenden Episoden. Und zweifellos gehört der Fall des jungen Konstantin S. zu den wunderbaren und liebenswerten Episoden in diesem unerbittlichsten aller bisherigen Kriege.

An einem der letzten grauen Oktoberabende des Jahres 1941 trifft die Familie des Ingenieurs S. sich noch einmal zu dritt in ihrer Moskauer Wohnung, und schon in der Frühe des nächsten Morgens fährt der Vater als Militäringenieur nach dem Fernen Osten, die Mutter als Bataillonsärztin in ein Frontlazarett nach Westen, wo gerade die Winterschlacht um Moskau beginnt, der siebzehnjährige Kostja aber – das einzige Kind der beiden als freiwilliger Scharfschütze eines Skibataillons irgendwohin in eine  Bereitschaftsstellung.

Man muss noch einmal an jene schweren Spätherbsttage zurückdenken, da die Hitlerarmee zum Entscheidungsschlag gegen Moskau ausholte. Jeder wusste, was von den nächsten Tagen abhing. Auch auf der Familie S. lasteten die Gedanken an das Schicksal der Stadt und des Landes. Dazu noch die Frage: Wird man sich jemals wiedersehen? In diesem Leben, das man mit solcher Mühe sich aufgebaut hat, das gerade in einem rechten Glück sich entfaltete und das durch den räuberischen Überfall der Hitlerarmee jetzt zerstört werden sollte? Dunkle, undurchdringliche, schwere Stunden.“

Mit bitterem Witz und scharfem Blick schildert Friedrich Wolf in „Mir kommt das Grauen“ den absurden Alltag eines deutschen Unteroffiziers an der Front. Zwischen Schikanen durch Vorgesetzte, dem verzweifelten Versuch, Ordnung in seine zahlreichen Liebesverhältnisse zu bringen, und dem immer näher rückenden Kriegsgeschehen entfaltet sich ein beklemmendes Bild seelischer Zerrüttung. Die folgende Passage zeigt eindringlich, wie der scheinbare Kleinkrieg im Quartier und an der Heimatfront urplötzlich vom realen Grauen des Krieges überlagert wird. Weihnachten rückt näher – doch statt Frieden naht das Feuer.

Der Unteroffizier hat einen mannigfachen Kleinkrieg in seinem zukünftigen Winterquartier zu führen. Da ist vor allem der Hauptfeldwebel, der ihn und seine Gruppe aus dem gerade eingerichteten Quartier hinauswirft. Es heißt da: „Bei der Auseinandersetzung bedroht mich der Hauptfeldwebel mit der Waffe. Man muss schon seine Nerven nicht verlieren, die sowieso hier restlos kaputtgehen.“ – Noch aufreibender scheint der Fernkampf mit den verschiedenen Bräuten in der Heimat zu sein. Da ist eine Christa Müller, eine Ruth Mannewitz, eine Frieda Leonhardt, eine Rosa Lentz und vor allem „Schnucki“. Alle warten sehnsüchtig, dass ihr Held um Weihnachten auf Urlaub kommt. Denn er ist der erste und „bisher einzige, der mich innerlich voll und ganz ausfüllen kann“. Dem Unteroffizier ist es nicht ganz wohl bei dieser Kesselschlacht, die ihm in Deutschland droht, da jede der etwa zehn Bräute mindestens „eine gute Woche“ des zweiwöchigen Urlaubs „voll und ganz“ für sich beansprucht. Aber vorläufig – so stellt der Unteroffizier aufatmend fest – „ist der Urlaub noch in ziemlicher Ferne“. Aber die Briefkanonade und die Vorpostengefechte der Bräute zur Einkesselung des fernen Helden verstärken sich von Tag zu Tag.

Und plötzlich auch die wirklichen Gefechte. „Der Russe meldet sich.“ Da steht der kurze Satz: „Der Russe schießt bereits mit seinen MG ins Dorf.“

Es geht auf Weihnachten.

Mit viel Charme und einem feinen Gespür für kindliche Abenteuerlust erzählt Friedrich Wolf die Geschichte vom mutigen Häschen Purzel, das trotz Krankheit und großer Gefahr das Osterfest retten will. Zwischen Frühlingsblumen, Familienchaos und einem furchteinflößenden Wolfshund zeigt sich, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn man noch klein ist. Die folgende Szene aus „Das Osterhasenfell“ führt uns mitten hinein in Purzels erste große Mutprobe.

Der Frühling war über die Erde gekommen, ein leuchtender, sonniger, bunter Frühling. Die Kinder erwarteten das Osterfest. Für die Osterhasen begannen harte Arbeitstage. Man musste Ostereier sammeln, sie färben und in den Büschen für die Kinder verstecken.

In der Familie des Osterhasen Weißfell herrschte große Aufregung. Ein Teil der Familie war während des Aprilregens am Schnupfen erkrankt. Der alte Vater Weißfell litt an Rheuma, und das ist für einen Hasen eine besonders peinliche Sache. Mutter Weißfell musste dem Alten mit Huflattichblättern Kompressen machen. So blieb die ganze Arbeit, die Ostereier zu beschaffen, an dem Jüngsten der Familie Weißfell hängen, an dem Häschen Purzel.

Die Mutter Weißfell war anfangs dagegen, Purzel allein die Sache ausführen sollte; denn das Ganze war nicht ungefährlich. Man musste sich nachts in den Hof des Großbauern Schluckebier schleichen, dort trotz des Hundes die Eier aus dem Nest der Hennen nehmen, sie zum Hasenbau zurückbringen, färben und dann wieder als Ostereier ganz früh am Ostermorgen für die Kinder in einem Garten verstecken.

Der alte Weißfell krümmte sich auf seinem Lager und stöhnte, dass es einen Stein erweichen konnte. Die jungen Hasen husteten, krächzten und niesten, dass abends die Sterne am Himmel zu wackeln begannen. Auch dem Häschen Purzel kratzte es furchtbar im Halse. Aber es hasste die Krankheit. Es wollte einfach nicht krank sein. Und gerade weil die Sache schwierig war, wollte es sie machen … auch ganz allein. Es wollte ins Freie, unter den Sternenhimmel, in die Sonne, zu den Blumen, zu den Farben. Das gefiel ihm sehr. Und was ihm so sehr gefiel, das wollte er auch tun. Das war doch ganz einfach.

So hopste denn das Häschen Purzel zwei Nächte vor Ostern zu dem Hof des Großbauern Schluckebier. Vor dem Stall lag an einer langen Eisenkette der Wolfshund Lux. Kaum war Purzel im Hof, so fing Lux furchtbar an zu knurren. In diesem Moment trat gerade der Mond aus den Wolken hervor. Purzel stand vor dem riesigen Wolfshund. „Solch eine Frechheit habe ich in meinem langen, zehnjährigen Leben noch nicht gesehen!“, knurrte Lux grimmig. „Da rollt so ein winziges weißes Fellknäuel nachts in meinen Hof! Hoho, auf dich habe ich grade gewartet als Dessert zu meinem Abendessen! Für dich ist grade noch Platz in meinem rechten hohlen Backenzahn! “ Dabei drehte der mächtige Wolfshund seine Augen im Kreise herum wie zwei Mühlräder und sperrte sein Maul auf wie ein Scheunentor, in dem die Zähne wie scharfe Sensen blitzten. „Sprich schnell dein letztes Gebet, und dann lass dich fressen!“

In eindringlich-poetischer Sprache interpretiert Friedrich Wolf die alttestamentlichen Geschichten als kraftvolle Mythen über Menschenschicksale, Schuld, Strafe und die Hoffnung auf einen Neuanfang. Seine freie Nachdichtung bringt den archaischen Ernst der Sintfluterzählung ebenso zur Geltung wie das tröstliche Zeichen des Friedens, das sich im Regenbogen spiegelt. Die folgenden Passagen aus „Das Heldenepos des Alten Bundes aufgespürt und in deutschen Worten von Friedrich Wolf“ zeigen den dramatischen Wendepunkt der biblischen Urgeschichte – den Zorn Jahwes und den ersten großen Bund mit der Menschheit.

Beginn der Sintflut

1. Mos. 6,5–8

Jahwe sagt dem Riesengeschlecht – von Engeln und Menschen erzeugt – den Kampf an

Da aber Jahwe sah, dass die Gewalt der Menschen zunahm auf Erden,

Und all ihr Tun und Treiben Gewalttat war,

Da reute es ihn, dass er den Menschen geschaffen auf Erden,

Und Sorge ergriff ihn.

Und Jahwe sprach: So will ich den Menschen, den ich schuf,

Ausrotten wieder von der Erde.

Denn mich reut's, dass ich ihn schuf.

Nur Noah fand Gnade vor Jahwe.

Das Zeichen des Alten Bundes

1. Mos. 9,8–15

Jahwe stellt seinen Kriegsbogen fort in die Wolke und schließt Frieden mit dem Menschen

Und Jahwe sprach zu Noah und zu seinen Söhnen mit ihm:

Sehet! einen Bund errichte ich mit euch und mit eurem Samen nach euch,

Und mit allem Leben an Vogel, Vieh und jedem Getier der Erde,

Mit allem Lebendigen, das noch west und aus der Arche kam,

Meinen Bund richte ich auf mit euch also:

Nie wieder soll vertilgt sein jed Fleisch durch die Wasserflut,

Nie wieder stürz eine Flut, die Erde zu tilgen!

Und Jahwe sprach: Das sei das Zeichen, das ich aufrichte

Zwischen mir und euch und all eurem Leben auf ewige Zeit:

Meinen Bogen* stelle ich in die Wolke,

Er sei das Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde!

Und wann wieder ich die Wolke türme über der Erde,

Und ihr meinen Bogen sehet im Gewölk,

So will ich meines Bunds gedenken

Zwischen mir und euch und allem Fleisch der Erde:

Nie wieder soll vertilgt sein jed Fleisch durch die Wasserflut!

 

(* Das Wort Kescheth bedeutet stets den „Kriegsbogen“; sein Weglegen ist das Zeichen des Sieges und Friedens. So ist der Regenbogen die Waffe des alten Gewittergottes, mit dem er die Blitze als Pfeile abschießt.)

Auch wenn wir diesen heutigen Newsletter bereits mit dem Hinweis auf das berühmte Arztbuch von Friedrich Wolf begonnen haben, möchten wir auch zum Schluss noch einmal auf „Die Natur als Arzt und Helfer“ hinweisen. Zur Einstimmung in die Lektüre ein kleiner Ausschnitt vom Anfang des Buches, in dem Friedrich Wolf auf seine Prinzipien der neuen, „fassadenlosen“ Heilkunst zu sprechen kommt und sich auf eine Erkenntnis eines berühmten Mannes und Universalgelehrten beruft:

Weniger ist mehr! Schluss mit der Fassade!

Trotz aller Verfeinerungen der Technik, der Mensch der kommenden Zeit drängt nach Vereinfachung. Sichtbarster Ausdruck ist das neue Bauen. Das neue Haus hat nicht mehr ein Dutzend Türmchen, Erkerchen und Nischen mit Florabüsten, es ist eine klare, sinngegliederte Wohneinheit, auf Licht, Luft und leichte Reinigung gestellt. Auch die Innenräume sind keine Plüschmuseen mehr mit Dornausziehern, Tonmöpsen und Schlummerrollen. Weniger ist mehr!

Zum ersten Mal in unserer Zeit ward hier klar und mutig Schluss gemacht mit der „Fassade“, aber auch mit verstaubten Gewohnheiten, mit einer Scheingefühlswelt, die der Wirklichkeit unserer neuen Arbeits- und Geisteswelt in keiner Weise mehr entsprach. Vereinfachung, Klarheit, Wahrhaftigkeit!

Was das neue Bauen nach dem Chaos des Scheinbarocks und der Gründerzeit jetzt zu schaffen beginnt, genau das erstrebt in der Heilkunst die Naturheilkunde. Im Grunde der gleiche Drang nach Vereinfachung aus dem Wust barocken Spezialistentums, aus einer pompösen Fassadenwissenschaft, der gleiche Drang, aus den Dutzenden Methoden künstlicher Bestrahlungen, Serumtherapien und mehr oder weniger giftiger Arzneimoden auf die einfachen großen Heilkräfte der Natur, auf Licht, Luft, Erde, Wasser, Gymnastik, Diät zurückzugreifen. Auch hier – gleich dem zierratlosen Bau – ein Verzicht auf imponierende Mammutröhren und Apparate, auch hier scheint alles oft „zu einfach“, etwa: gegen schwere Verstopfung morgens ein Glas warmes Wasser zu trinken, den Leib zu kneten, einen Dauerlauf zu machen und Rohkost und Vollkornbrot zu essen.

Es beginnt zu tagen. Ein Hochschullehrer der Medizin hat jüngst bekannt: „Wir haben uns dumm studiert.“ In neuem Licht steht heute das Wort des großen Forschers und Philosophen Leibniz: „Die Wissenschaften schreiten fort, indem sie sich vereinfachen.“

Bleiben auch Sie weiter vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher gewogen. Bereits ausgesucht und transportfertig sind die Sonderangebote für die nächste Woche, die wieder zu vielfältigen Leseerlebnissen einladen. Dazu gehört in der nächsten Woche auch ein utopischer Roman von Alexander Kröger, der erstmals 1969, also vor fast sechs Jahrzehnten, im Verlag Neues Leben Berlin erschienen war – „Sieben fielen vom Himmel“.

Sieben Astronauten gelingt es nach der Havarie des Mutterschiffes, sich auf einen Planeten, den sie „Hoffnung“ nennen, zu retten. Doch dort müssen sie mitten im Dschungel überleben. Die technisch hochstehenden Bewohner der Welt, die ihnen vielleicht helfen könnten, sind zunächst nicht zu finden. Doch wer sind eigentlich diese Astronauten?

Alexander Kröger hatte seinen Debütroman von 1969 im Jahre 2008 in einer überarbeiteten Neuauflage als 1. Teil der Centauren-Trilogie herausgebracht. Diesem Text liegt auch das E-Book von EDITION digital von 2016 zugrunde.

Spannend liest sich schon der Beginn dieses utopischen Romans, dessen Genre in der DDR oft als Wissenschaftliche Phantastik bezeichnet wurde:

„Langsam kroch die Kälte in alle Räume. Zunächst war sie in den Arbeitsräumen spürbar, breitete sich aber rasch bis zur Mitte des Schiffes aus, bis sie schließlich alles Leben den eisigen Hauch eines ewigen Schattens ahnen ließ.

Min kauerte auf ihrer Liege. Sie fror. Sie fror schon seit Stunden, schon seit sie wieder in ihrer Kabine war und obgleich zu diesem Zeitpunkt das Thermometer noch die normale Bordtemperatur anzeigte. Sie lag bereits einige Zeit, als die Heizaggregate abgeschaltet wurden. Ausruhen sollte sie, sie und die anderen - bis auf den Wachhabenden. ‚Wenn ich einschlafen könnte! Schlaf täte wirklich gut‘, überlegte Min. ‚Die letzten Tage boten wenig Gelegenheit dazu. Oder bewegen müsste ich mich.‘ Min gab den Gedanken sogleich wieder auf. Vieleicht ist ohnehin bald alles vorbei ...‘ Sie starrte an die gegenüberliegende Wand der Kabine und zuckte nur leicht zusammen, als das Hauptlicht erlosch. Im Schein der Notbeleuchtung wirkte die Zweckeinrichtung des Raumes kalt, gespenstisch. Min lächelte. ‚Es wird angenehmer sein‘, dachte sie, ‚wenn es in den letzten Stunden nicht so hell ist.‘ Dann richtete sie sich mit einem Ruck auf. ‚Ist es überhaupt gerechtfertigt, dass ich resigniere? Ich lebe, und mit mir noch sechs. Der Kommandant und die Ingenieure sind zuversichtlich. Und gerade Chalo! Er hätte Grund, niedergeschlagen, ja sogar verzweifelt zu sein - aber er ist es, der uns aufmuntert, uns Hoffnung gibt. Schluss mit den Grübeleien!‘ Min stand auf. ‚Es sind noch Analysen zu machen. Chalo wird verstehen, dass ich nicht ruhe, nicht ruhen kann, dass ich auch nach dem Dienst noch arbeiten möchte. Aber - ob es wirklich noch einen Sinn hat? Sind tatsächlich die anderen so zuversichtlich, oder geben sie sich nur so? Habe nur ich diese unbestimmte Angst vor dem Kommenden? Unsinn! Eines Tages werden die Unsrigen unsere Spur finden. Und schon dafür lohnt es sich, alles zusammenzutragen, was nur möglich ist.‘

Min betrat den Kommandoraum. Chalo blickte auf. „Nanu, Min“, sagte er, „du müsstest doch schlafen.“

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