Zwischen Drachenmut, römischer Macht und fernen Sternen Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
(Pinnow, 12.06.2026) Ob im alten Rom, in den Wäldern der Vorzeit, in den Bergen eines Drachenlandes oder auf fernen Planeten: Gute Geschichten leben davon, dass ihre Helden Herausforderungen bestehen müssen. Die fünf aktuellen Sonderangebote im E-Book-Shop von EDITION digital laden zu ganz unterschiedlichen Reisen ein für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Vom Freitag, dem 12. Juni, bis Freitag, dem 19. Juni 2026, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.
Der kleine Drache auf dem Berg von Maria Seidemann
Alle lachen den kleinen Drachen aus. Nichts kann er, nicht einmal Feuer spucken. Also zieht er aus, um das Feuerspucken zu lernen. Er fliegt in die Stadt, fragt in jedem Haus. Er fliegt zum Zirkus. Doch auch dort kann ihm niemand helfen. Über der Wiese stößt er mit einem Papierdrachen zusammen. Und plötzlich wird alles ganz anders
Der Schamanenstein von Uwe Berger
Uwe Berger schaut sich die Welt persönlich an, über die er schreibt. Das gilt auch für den dritten und letzten Band seiner Reiseimpressionen DER SCHAMANENSTEIN, in dem er von Menschen und Orten nicht nur in Europa, sondern auch in Sibirien berichtet. Mit seiner Frau geht er, bewacht von riesigen Zirbelkiefern, am steinigen Ufer des Baikalsees entlang. Die unendlichen Wasser scheinen sich zu krümmen. Beide sprechen mit Ewenken, Burjaten und den Buddhisten eines Lamaklosters bei Iwolginsk. Die Mönche empfangen und verabschieden die Gäste mit milder Freundlichkeit. Am Ufer des Bratsker Stausees erzählt eine junge Frau von den Verbannten, die ihre Vorfahren waren, und von dem, was der Amerikaner George Kennan in seinem Buch SIBERIA AND THE EXILE SYSTEM im 19. Jahrhundert festgehalten hat.
Gaius Julius Caesar. Aufstieg und Fall eines römischen Politikers von Waldtraut Lewin
Kaum eine Gestalt der Antike hat die Geschichte Europas so geprägt wie Gaius Julius Caesar. Waldtraut Lewin zeichnet das Leben des berühmten Römers nach von seinen politischen Anfängen über seine militärischen Erfolge bis zu seinem dramatischen Ende.
Dabei entsteht das Bild eines ebenso genialen wie umstrittenen Politikers, dessen Wirken bis heute nachhallt.
Schwesterschwund von Arnold Hiess
Wie aus heiterem Himmel wird eines Tages die Schwester der jungen Wiener Kommissarin Stefanie Schönberger entführt. Während Polizei und Familie nach Antworten suchen, beginnt ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel durch das niederösterreichische Waldviertel.
Je näher Stefanie dem Täter kommt, desto drängender werden die Fragen nach Motiv, Versteck und den Hintergründen der Entführung.
Auch in dieser Woche richtet sich der Blick in der Rubrik Friday for Future auf die Zukunft der Menschheit. Alexander Kröger verbindet in seiner Centauren-Trilogie große wissenschaftliche Visionen mit Fragen nach Verantwortung, Zusammenleben und dem Umgang mit fremden Welten.
Von einer Havarie auf einem unbekannten Planeten über die Begegnung mit einer außerirdischen Raumflotte bis hin zu gewaltigen Energieprojekten auf fernen Sternenwelten entfaltet sich ein spannendes Zukunftspanorama. Dabei geht es nicht nur um Technik und Abenteuer, sondern auch um die Frage, wie Menschen und andere intelligente Wesen miteinander umgehen.
Jedes dieser Bücher öffnet ein eigenes Fenster in eine andere Welt mal spannend, mal nachdenklich, mal voller Fantasie. Die folgenden Leseproben geben einen ersten Eindruck von der Vielfalt dieser Geschichten.
Den Anfang macht eine warmherzige Geschichte über Mut, Selbstvertrauen und die Suche nach den eigenen Fähigkeiten.
Der kleine Drache auf dem Berg von Maria Seidemann
Manchmal führt gerade das, was zunächst wie ein Misserfolg aussieht, zu einer überraschenden Entdeckung. Die folgende Passage begleitet den kleinen Drachen auf seinem ungewöhnlichen Weg.
Der kleine Drache schleicht sich in das Zelt. Hier sitzen viele Menschen. Sie lachen über einen Affen. Der Affe fährt auf einem Fahrrad.
Der kleine Drache versteckt sich unter einer Bank. Jetzt tanzt ein Mann auf einem großen bunten Ball.
Auf einmal macht der Mann seinen Mund auf. Er spuckt Feuer.
Die Menschen rufen: Ah!
Der kleine Drache ist begeistert. Er kriecht unter der Bank hervor. Die Bank kippt um.
Die Menschen schreien und fliehen vor dem kleinen Drachen. Alle drängen aus dem Zelt hinaus. Das Zelt wackelt.
Der kleine Drache sagt zu dem Mann mit dem Ball: Ich will doch nur wissen, wie man Feier spuckt.
Aber der Mann rennt auch davon.
Traurig fliegt der kleine Drache weg. Seine Tränen tropfen auf eine Wiese.
Auf einmal denkt der kleine Drache: Menschen erschrecken ist ganz langweilig. Ich will gar kein Feuer spucken. Zu den alten Drachen auf den Berg will er auch nicht zurück. Er wischt seine Tränen mit der Pfote ab.
Der Schamanenstein von Uwe Berger
Manche Geheimnisse überdauern Jahrhunderte und warten darauf, neu entdeckt zu werden. Die folgende Szene führt mitten hinein in diese faszinierende Spurensuche.
Verbannung
In einem kleinen, liebevoll ausgestatteten Museum in Ulan-Ude sehen wir neben Zeugnissen der burjatischen Geschichte eine jener eisernen Fußfesseln, die den vom Zarismus Verbannten auf dem Marsch angelegt wurden. Die Fessel besteht aus zwei durch Nieten zusammengehaltenen offenen Eisenreifen für die Fußgelenke, einer großgliederigen Kette, die die Reifen verbindet, und einem Schloss, das die Kette verschließt. Das Ganze wiegt etwa fünf Pfund. Die Kette wurde am Gürtel befestigt.
Mit gefesselten Füßen mussten die, die es traf, ursprünglich vom europäischen Russland bis zu ihrem Ziel in Sibirien gehen. Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Sibirien von den Verbannten nur marschiert, und zwar das ganze Jahr hindurch, also auch bei 40 Grad Kälte. Die Strecke von Tomsk bis Irkutsk legte eine Sträflingsgruppe in etwa einem Vierteljahr zurück. Frauen und Kinder gehörten zu den Kolonnen. Allein Kranke und Gebrechliche fuhren in Telegas, offenen Bauernwagen.
Manche Frauen folgten ihren Männern freiwillig in die Verbannung.
Auch in Irkutsk finde ich die Erinnerung an die politischen Verbannten wachgehalten. Und nicht nur das. Ihr Wirken ist lebendig. Brachten sie doch als erste revolutionäres Gedankengut, Wissen und Bildung nach Sibirien. Ich unterhalte mich darüber mit Mark Sergejew, der ein Buch über verbannte Dekabristen und ihre Frauen unter dem Titel Dem Unglück eine treue Schwester geschrieben hat. Von Mark stammt übrigens auch die Inschrift am Mal für die gefallenen Irkutsker des zweiten Weltkrieges: In Sibirien wurde nicht gekämpft, aber Sibirier liegen vor Moskau, bei Wolgograd, bei Kursk und bei Prag. Pioniere, ein Mädchen und Junge von vielleicht zwölf Jahren, halten mit geschulterten Gewehren Wache vor der Ewigen Flamme.
Der amerikanische Publizist George Kennan schreibt in seinem Buch Siberia and the Exile System (1891) über eine Verbannte, die er in Irkutsk kennenlernte: Frau Tscherniawski war zu der Zeit, als ich ihre Bekanntschaft machte, eine zarte, blasse, hohlwangige Frau, die ihre Gesundheit durch jahrelange Haft, Verbannung und Kummer eingebüßt hatte. Sie hatte zwei Kinder zur Welt gebracht und sie beide im Exil verloren, unter Begleitumständen, die den Verlust fast unerträglich machten ... Seit sieben Jahren befand sich Frau Tscherniawski mit ihrem Mann in der Verbannung, und es schien dem Reisenden beim Abschied, als neige sich ihr von Unglück und Leid erfülltes Leben seinem Ende zu.
In Bratsk weist uns unsere einheimische Begleiterin auf ihre Abstammung von den Verbannten in dem alten Dorf hin, das hier einmal stand. Radistschew, der Verfasser der Reise von Petersburg nach Moskau, Dekabristen und polnische Revolutionäre lebten hier, erzählt sie. Ihr junges Gesicht ist schmal, ausdrucksvoll, mit dunklen Augen, reizvoll geschwungenen Lippen. Eine zierliche Gestalt. Sie spricht fließend Deutsch. Voll Charme unterrichtet sie uns über die Lebensbedingungen im Hohen Norden. Früher fiel hier das Thermometer im Winter bis auf 59 Grad, heute erreicht es minus 47 Grad. Der Grund für den Wandel ist der Stausee, auf dem aber noch im Juni Eis liegt. Frostfrei sind nur drei Monate. Bis vor einiger Zeit - bis zu ihrer erfolgreichen Bekämpfung - erschienen jeden Sommer Heere von Schnaken. Wir nannten sie nicht anders als 'die Faschisten', weil sie auf den Tag genau am 22. Juni kamen.
Schweigend blickt uns die junge Frau ins Gesicht. Ihre Mütter konnten das Leben an sie weitergeben.
Lebendig steht sie in der warmen Julisonne bei uns, vor ihrer großen sowjetischen Stadt, auf die sie so stolz ist.
Gaius Julius Caesar. Aufstieg und Fall eines römischen Politikers von Waldtraut Lewin
Große historische Persönlichkeiten sind oft widersprüchlicher, als es die Legenden vermuten lassen. Die folgende Passage zeigt Caesar als Menschen und Politiker zugleich.
Caesar verfolgt seinen geschlagenen Rivalen weiter. Angeblich will er ihn, mit dem er ja verschwägert ist, brüderlich in die Arme schließen, aber dazu bedarf man nicht so vieler Soldaten. In Wahrheit glaubt er wohl immer noch, dass der Name Pompeius Magnus mächtig genug ist, um ein neues Zentrum des Widerstands gegen ihn zu schaffen.
Unterdessen setzt Cato mit den restlichen Abteilungen von Pharsalos nach Afrika über, wo sich ein starkes republikanisches Kraftfeld herausbildet; tonangebend ist der Numiderkönig Juba. Noch immer hat Caesar keine Schiffe. Als er auf kleinen Barken sich und seine Legion über den Hellespont setzen lassen will, stößt er auf ein pompeianisches Geschwader unter Cassius Longinus. Statt umzukehren, befiehlt er, auf das Flaggschiff zuzusteuern, und fordert den Kommandanten zur Kapitulation auf, als befände sich eine riesige Flotte hinter ihm. Der Coup glückt ihm, wie so viele Dinge, einfach durch den Überraschungseffekt. Cassius ergibt sich, und Caesar hat nun wenigstens ein paar Schiffe. Die Rhodier und andere kleinasiatische Staaten stellen bald darauf auch ihre Seemacht zur Verfügung. Mit zwei Legionen, achthundert Reitern und fünfunddreißig Kriegsschiffen fährt er über unser Meer nach Ägypten.
Inzwischen ist Marcus Antonius in Italien eingetroffen und schafft auf seine Weise Ordnung. Auf sein Betreiben wird Caesar durch den Konsul Servilius zum zweiten Mal zum Diktator ernannt. Er selbst erhält seine Berufung zum magister equitum, das heißt zum Stellvertreter Caesars in Rom.
In Ägypten indes überreicht man Caesar den Kopf seines Rivalen. Der kindliche König Ptolemäus Dionysos, ganze dreizehn Jahre alt, hofft durch diesen Mord sich dem neuen Machthaber zu verpflichten und die Römer von seinem Land fernzuhalten. Er selbst ist gerade in einen Kampf um die Thronfolge mit seiner Schwester Kleopatra verwickelt, die laut Testament des Vaters mit ihm gemeinsam regieren soll, und möchte diese Sachen ohne die diktatorische Stimme der Weltmacht regeln.
Die Ratgeber des kleinen Königs, die eigentlichen Regenten des Landes, Pothinos und Theodotos, hatten den vertrauensvoll zu ihnen geflüchteten Pompeius von einem römischen Kriegstribunen und dem Feldherrn Achillas meuchlings ermorden lassen - genau an seinem achtundfünfzigsten Geburtstag.
Caesar, so schreibt Plutarch, weint, als er den Kopf seines großen Gegners erblickt. Er lässt den sterblichen Überresten des Toten alle Ehren erweisen, setzt die von Ptolemäus gefangen genommenen Verwandten und Freunde auf freien Fuß und erweist ihnen jede Ehre. Den Siegelring des einstigen Großen schickt er nach Rom als Zeichen seines endgültigen Sieges über den ehemaligen Freund und Verbündeten.
Republikanische Traditionen stellen später Pompeius Magnus als einen Helden für die Freiheit des Freien Staates Rom dar - das ist er nie gewesen. Er strebte genauso nach der Alleinherrschaft wie Caesar. Nicht umsonst hielt er sich für einen neuen Alexander und strebte dem Vorbild des großen makedonischen Eroberers nach. Er stand zwar auf der Seite der Republik, aber mehr von anderen gedrängt als aus freiem Willen, und die republikanische Partei war für ihn nie etwas anderes als ein Mittel, seine persönliche Macht zu erweitern.
Caesar meint, ganz schnell noch die wirren Verhältnisse in Kleinasien und Ägypten regeln zu können. Dann will er sofort nach Rom, denn viele Positionen müssen noch gesichert werden. Im Herbst 48, so rechnet man allenthalben, kann man ihn in Rom zurückerwarten.
Es soll aber anders kommen.
Schwesterschwund von Arnold Hiess
Wenn ein Verbrechen das eigene Umfeld trifft, wird jede Spur persönlich. Die folgende Szene zeigt den Beginn einer nervenaufreibenden Suche.
Er bereitete eine Linie Kokain auf seiner Hand vor und zog sich das Koks durch die Nase. Er schüttelte den Kopf, fühlte sich sogleich erfrischt, leckte über den Handrücken und wischte sich den Mund ab. Bald, dachte er. Schon bald.
Er schaute nach rechts. In einiger Entfernung lagen ein paar Wohnhäuser. Ein Kirchturm, um den einige Falken kreisten, ragte in den abendlichen Himmel. Er sah eine Steinmauer, an der sich Efeu hochrankte die Mauer umgab das kleine Kirchlein. Er sah Büsche und Bäume. Drehte den Kopf aber bald zurück, und nahm eine schwarze 9mm-Pistole zur Hand, die direkt neben ihm lag. Er hob die Waffe und senkte sie wieder. Er legte die Pistole wieder weg, rieb sich die Hände und schmunzelte verhalten. Kurz darauf zog er ein zerknittertes Foto aus der Hosentasche. Er starrte das Bild sekundenlang ausdruckslos an. Der Schalk glänzte aber in seinen Augen. Er wirkte vollkommen entspannt. Ruhig. Doch der Schrei einer Eule zerriss augenblicklich seine innere Gelassenheit. Am liebsten hätte er auf das Federvieh geschossen doch er konzentrierte sich wieder und stierte erneut das Bild an. Schon bald , murmelte er ganz leise. Auf dem Foto, das er in der rechten Hand hielt, war die Familie Schönberger abgebildet. Christian Schönberger, Brigitte Schönberger, Sophie Schönberger und Stefanie Schönberger waren darauf zu sehen. Alle lächelten. Jahrelang habe ich auf diesen Moment gewartet und in wenigen Monaten zahle ich euch alles heim , flüsterte er in die Luft hinein. Er ballte seine linke Hand zu einer Faust, knirschte mit den Zähnen und zitterte vor Wut. Ihr werdet leiden Das hölzerne Ruderboot schaukelte ganz leicht hin und her. Drei Atemzüge später zog er ein rotes Plastikfeuerzeug aus der Hosentasche, hielt es an das Foto und entzündete das Bild der Familie Schönberger. Als das Foto in Flammen aufging, starrte er ohne jegliche Regung vor sich hin. Die Familie Schönberger löste sich Stück für Stück in Luft auf; ganz feine Asche rieselte auf seine schwarze Hose herab. Plötzlich bellte ein Hund er hob den Kopf, schaute nach rechts, blickte nach links konnte aber nichts entdecken. Er ruderte alsbald das Boot zurück zum Ufer. Als er am verwitterten Holzsteg anstieß, stieg er aus und vertäute das hölzerne Ruderboot. Er nahm seine Pistole, sog die angenehme Luft durch die Nase ein und marschierte mit steinernem Gesichtsausdruck vorwärts. Seine Schritte polterten über den Holzsteg. Vorsichtig bahnte er sich dann seinen Weg durch das hohe Schilf. Sein festes, schwarzes Schuhwerk versank im Matsch; feuchte Erde spritzte auf seine schwarzen Hosenbeine. Er blickte sich um. Niemand war in der Nähe die Häuser lagen friedlich da. Er ging direkt auf einen dunkelfarbigen Geländewagen zu, den er auf einem ausgefahrenen Feldweg geparkt hatte. Er sperrte den Wagen auf, öffnete den Kofferraum, legte seine schwarze Pistole hinein, streichelte über den Gewehrkolben eines Präzisionsgewehres und schloss den Kofferraum wieder. Er riss die Autotür auf, setzte sich hinter das Lenkrad, schlug die Tür zu, startete den Motor, schaltete die Lichter ein, drehte die Lautstärke des Radios hoch, legte den Gang ein und fuhr zurück in die Stadt. Er lehnte sich in den Sitz, drückte einen Kaugummi aus der Verpackung, schob ihn in seinen Mund und kaute darauf herum. Zuerst ist die jüngere Tochter dran und dann beginnt mein Ritt durch eure Leben , murmelte er vor sich hin, als er die Straße entlangfuhr.
In wenigen Monaten ist es endlich so weit
Und der dunkle Geländewagen verschwand im abendlichen Licht
Centauren-Trilogie von Alexander Kröger
Fremde Planeten und unbekannte Kulturen eröffnen ungeahnte Möglichkeiten, bergen aber auch neue Konflikte. Die folgende Passage führt mitten hinein in diese faszinierende Zukunftswelt.
Gernot trat vorsichtig an den Rand. Unten, ebenfalls im diffusen Licht, sah er acht Komplexe, gut verkleidete Kolosse, und er hatte das Gefühl, es seien Turbinen. Und wie er so stand und in die Stille horchte, war es ihm, als ginge ein kaum spürbares Vibrieren von dem Raum aus. Sollten sie laufen? Wenn, dann wären sie unvorstellbar leise. Und er dachte an den ersten Abend im Canon, an dem das Rumpeln Josephin und ihn nicht hatte einschlafen lassen.
Rechts von Gernot führte eine metallene Leiter nach unten. Viel Wartung durften die Maschinen den Betreibern nicht auferlegen, wenn sie so primitiv zugänglich waren.
Als Gernot die Hand auf den ersten der Kolosse legte, stellte er fest: Der lief!
Gernot umrundete den Komplex. Er fand so etwas wie eine Minischaltzentrale, mit centaurischer Beschriftung natürlich, die ihm so gut wie nichts sagte. Es blieb eine Möglichkeit, jeweils einen Schalter zu betätigen, in den Bau zurückzueilen und festzustellen, welcher Effekt eingetreten sei. Aber eine solche Methode schien Gernot zu langwierig und vielleicht auch nicht wirksam genug. Ein Alarmsystem wurde sicher erst ausgelöst, wenn Schwerwiegenderes geschah, Lebenswichtiges gefährdet wurde. In diesem Zusammenhang interessierte Gernot ein grellfarbener Knopf, der in eine handgroße Nische der Wand eingelassen und mit einem Keramikkäfig abgedeckt war, zumindest sah das, was ihn umgab, wie glasierte Keramik aus.
Lange genug gezögert!, sagte sich Gernot. Mit einer Zange führte er einen harten Schlag gegen das starre Geflecht. Zuviel Kraft! Das Material zerstob förmlich in winzige Krümel.
Noch einen Augenblick zauderte Gernot, dann drückte er mit dem Handballen den Knopf.
Zwei, drei Sekunden geschah nichts. Gernot stand in erstarrter Haltung, dann irgendwo ein dumpfer Knall, als ob ein schwerer Schalter fiele. Plötzlich Finsternis. Einen Augenblick bildete sich Gernot ein, es werde gleichzeitig kälter. Jetzt erst ließ er von dem Knopf, tastete nach seiner Lampe. Da dämmerte wieder Licht auf ein wenig trüber als vordem, glaubte Gernot. Eine Notbeleuchtung sicher, gespeist von Akkumulatoren.
Plötzlich ein Singen hinter Gernot. Er fuhr herum, nichts, dann begriff er: Die Turbinen liefen aus, hatten eine Drehzahl erreicht, die dieses Geräusch für einige Minuten hervorrief.
Na also! Das Ganze halt! Wenn das nichts Alarmierendes war!
Aber Mut brauchte Gernot erst für die kommende Phase. Erstens war es denkbar, dass seine Annahme völlig falsch war, zweitens, wie ernst nahmen die Centauren einen Alarm, und drittens, wann konnten sie tatsächlich zurück sein? Gernot setzte sich eine Frist. Wenn bis zum Morgen um sechs Uhr die Situation sich nicht geändert hatte, würde er aufbrechen. Das waren immerhin noch acht Stunden ...
Bleiben Sie ansonsten vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher weiterhin gewogen. In der kommenden Woche erwartet Sie unter anderem Eine Stadt sucht einen Mörder von Jan Flieger.