Zwischen Abschied, Wettlauf, Ermittlungen, Machtfragen und Rettung Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
(Pinnow, 18.12.2026) Vom 18. bis 25. Dezember 2026 stellen wir fünf E‑Books vor, die auf sehr unterschiedliche Weise über die Verantwortung einzelner und das Gewicht kollektiver Entscheidungen nachdenken: vom persönlichen Verlust, der zum Aufbruch wird, über den sportlichen Verzicht, der den eigenen Weg bestimmt, bis zu Detektivarbeit in einer Zeit des Umbruchs, zu Zukunftsbildern, die Macht und Fortschritt befragen, und zu einer dramatischen Rettungsaktion, in der Mut gegen Bürokratie und Verrat antreten muss. Gemeinsam zeigen diese Texte, wie Entscheidungen in engen Momenten weitreichende Folgen haben für Leben, Gemeinschaft und unsere Zukunft.
Vom Freitag, dem 18. Dezember, bis Freitag, dem 25. Dezember 2026, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.
Du kannst den Wind nicht aufhalten von Karina Brauer
Chris ist fassungslos Thorben, ihre erste große Liebe, wird eine andere heiraten! Mit elf Jahren begann für sie als Vollwaise eine traurige Jugend und nun, nach dem plötzlichen Tod ihrer geliebten Ömi, trifft sie der Verlust des letzten Ankers in ihrem Leben besonders schwer. Doch Chris macht diesen Tiefpunkt zum Beginn einer neuen Ära für sich selbst und merkt anfangs nicht einmal, dass sie bereits von ihrem zukünftigen Ehemann gefunden wurde.
Ohne das Leben zu idealisieren, beschreibt Karina Brauer ebenso unterhaltsam wie optimistisch die Entwicklung einer starken jungen Frau, die trotz mehrfacher Schicksalsschläge nicht verzagt.
Quirl hält durch von Wolfgang Held
Quirl ist Kapitän der Hockeymannschaft und nimmt wenige Minuten vor einem wichtigen Entscheidungsspiel aus Angabe an einem 800-Meterlauf teil und belegt, allerdings ohne Wertung, den 2. Platz. Dabei beobachtet ihn eine Trainerin, die ihn für den Leistungssport gewinnen will.
Nach reiflicher Überlegung nimmt Quirl das Angebot an und verlässt seine Mannschaft, um nun Leichtathletik zu trainieren.
Den Verlust der Freundschaft mit den Mannschaftskameraden und seinem Hockeytrainer, sogar ihre Verachtung, nimmt er in Kauf.
Nun verfolgt Quirl neben seiner Lehre nur ein Ziel: Er will zu den besten Mittelstreckenläufer der DDR gehören, sogar zur Europa- und Weltspitze aufsteigen.
Das erstmals 1964 im Kinderbuchverlag Berlin in der Reihe "Robinsons billige Bücher" erschienene Buch beschreibt spannend, einfühlsam und überzeugend den Weg des Jungen mit dem Spitznamen Quirl zum Europameister und Teilnehmer am Endlauf bei den Olympischen Spielen in Rom.
Eine dicke Dame. Kriminalroman von Klaus Möckel
Berlin im Frühjahr 1990. Gauner aller Couleur versuchen bei dem sich ständig ändernden Wechselkurs von Ost- zu Westmark und umgekehrt Geschäfte zu machen. Gunther Krey, ehemaliger Kriminalist und seit kurzem Privatdetektiv, gerät mitten in diese Wirren, als er einer dicken "Dame" den Ehemann zurückbringen soll.
In einer spannenden Handlung schildert der Autor nicht ohne Humor den ersten Fall seines Helden, der nur ein bisschen Geld verdienen will und unvermutet an eine Mordsache gerät. Durch die Darstellung jener schon historisch gewordenen aufregenden Wendezeit erhält der Kriminalroman seine ganz besondere Note.
Die Zeitreisende, 7. Teil. Die Macht der Unsterblichen von Hardy Manthey
Die ferne Welt des Planeten, auf dem die Frauen herrschten, hat Aphrodite nun verlassen. Die Erfahrung, dass die Macht in den Händen der Frauen nicht automatisch Glück und Wohlstand für die Menschen bedeutet, nimmt sie mit. Herrschaft über das andere Geschlecht bedeutet also immer Ungleichheit und Ausbeutung. Auch weiß sie nun, dass der Überlebenskampf eine wichtige Triebfeder des Fortschritts ist. Versinkt eine Gesellschaft in Stagnation und begnügt sich mit dem Wenigen, was sie erzeugt hat, ist der schleichende Untergang schon in Sicht. Die Welt des vierten Jahrtausends wartet in dem vorliegenden Teil auf sie. Ist es der Blick in eine leuchtende Zukunft oder darf die Zeitreisende dem Untergang der Menschheit zuschauen? Begleiten Sie Aphrodite in eine Zukunft, die sich wohl niemand so wünscht!
Der Autor hat mit der 2. Auflage sein Erstlingswerk sehr stark überarbeitet und die kritischen, trotzdem begeisterten Hinweise berücksichtigt.
Das Schiff im Dunkeln von Hasso Grabner
Der Friday for Future‑Titel der Woche ist Das Schiff im Dunkeln von Hasso Grabner. Die Erzählung um die Evakuierung der in Paris lagernden Bestände an schwerem Wasser 1940 macht deutlich, wie der verantwortungsvolle Umgang mit knappen, gefährlichen Ressourcen, die Bereitschaft einzelner zu solidarischem Handeln und das Überwinden bürokratischer Trägheit unmittelbar Leben retten können. So liefert der Text einen literarischen Spiegel für die Anliegen von Friday for Future: Es geht nicht nur um Technik, sondern um Mut, Solidarität und die Bereitschaft, gegen kurzsichtige Interessen und träge Strukturen zu handeln.
Paris 1940 kurz vor dem Einmarsch der Deutschen: Über 185 kg schweres Wasser, alle in Norwegen verfügbaren Bestände, lagerten in einem Pariser Institut. Der Direktor, Professor für Kernphysik, sucht Unterstützung, damit diese Bestände noch rechtzeitig vor einer evtl. deutschen Besatzung außer Landes gebracht werden. Aber die zuständigen Stellen haben ihre eigenen Probleme. Die Deutschen haben längst davon Wind bekommen und einen Verräter gefunden. Ein lebensgefährlicher Wettlauf beginnt: Der Vormarsch der Deutschen und die Versuche ihrer Handlanger, das schwere Wasser in Paris zu belassen und andererseits der Kampf einiger aufrechter Franzosen gegen Bürokratismus, Gleichgültigkeit und Egoismus, um die Kanister mit dem kriegswichtigen schweren Wasser rechtzeitig nach Großbritannien zu bringen.
Die folgenden Leseproben öffnen jeweils ein kleines Fenster in die Welt der vorgestellten Bücher: mal steht der Augenblick des Abschieds im Mittelpunkt, mal der erste Schritt auf einer neuen sportlichen Laufbahn, mal ein Auftrag, der einen Ermittler mitten in die Verwerfungen einer Wendezeit zieht, mal eine Szene, in der eine Zeitreisende die Ambivalenz von Herrschaft erkennt, und einmal die gespannte Planung einer Rettungsaktion kurz vor dem Einmarsch. Jede Passage vermittelt unmittelbar den Ton und die Dringlichkeit der jeweiligen Erzählung.
Du kannst den Wind nicht aufhalten von Karina Brauer
Karina Brauers Einstieg führt mitten in den Moment, in dem Verlust auf Aufbruch trifft: eine junge Frau, deren letzte Verwandte stirbt und die im Schmerz kaum bemerkt, dass damit auch die Tür zu einem neuen Leben aufgestoßen wird.
Chris war seit einigen Stunden damit beschäftigt, die Wäsche ihrer Großmutter in Säcke zu verstauen. Auf der Beerdigung, am Freitag vor einer Woche, hatte sie mit der Frau des Pfarrers auch über die Sachen der Ömi gesprochen. Frau Rehmer machte ihr dabei den Vorschlag, dass die Pfarrei diese nehmen und an Bedürftige weitergeben würde. Das gefiel Chris, denn zum Wegschmeißen war das alles zu schade und die Großmutter hätte es ganz sicher auch gewollt. Ja, die Ömi! Diese kleine Frau, die ihr ganzes Leben nur für andere da war, die wäre jetzt sicher sehr zufrieden mit ihrer Urenkeltochter. Geben ist seliger als Nehmen, hatte sie stets gesagt und so hatte sie auch immer gelebt. Was spielte es schon für eine Rolle, dass das Leben mit ihr nicht zimperlich umgegangen war.
Chris war gerade in die Küche gegangen, um den Eintopf, den sie sich zum Abendessen kochte, umzurühren, als das Telefon klingelte. Guten Abend, meldete sie sich und war sehr überrascht, als am anderen Ende der Leitung eine angenehme Männerstimme antwortete: Ja, gleichfalls einen guten Abend, Fräulein Baumgarten. Nach einer kurzen Pause fuhr der Mann fort: Ich hoffe, ich störe Sie nicht. Hier ist Carl Klammt, Ihr Briefefinder.
Nun war Chris wirklich überrascht.
Hallo, Fräulein Baumgarten, sind Sie noch dran?
Ja, ja, Herr Klammt. Ich bin nur ein wenig erstaunt, dass Sie mich anrufen. Ich meine, dass Sie überhaupt meine Nummer haben.
Also, Fräulein Baumgarten, das ist nun wirklich eine ganz leichte Aufgabe gewesen. Ich habe Ihren Brief erhalten. Vielen Dank dafür. Das Taschentuch können Sie auch behalten, es ist nicht mein einziges, er lachte kurz auf. Also, wenn Sie mir einen Brief mit Ihrer Adresse senden, da kann ich doch im Telefonbuch nachschauen. Ich hatte einfach Glück, dass Sie einen Telefonanschluss besitzen. Sehen Sie, es ist nicht einmal ein Zauberkunststück! Aber wie geht es Ihnen?
Danke, es geht mir gut.
Schwindeln Sie mich jetzt wieder an?
Nein, aber, ..., Chris machte eine kurze Pause, dann fuhr sie fort: Es ist hier soweit alles in Ordnung. Und wenn Sie auf die Sache mit meinem Freund, ähm, Exfreund anspielen, das ist längst vorbei.
Na gut, ich wollte ja auch nicht indiskret sein. Entschuldigen Sie bitte! Was machen Sie denn gerade?
Ich koche Eintopf, Wrukeneintopf.
Oh, das hört sich ja gut an. Eintopf ist mein Lieblingsessen, ehrlich!
Tja, leider kann ich Ihnen keinen Teller durch das Telefon reichen, sonst wären Sie mein Gast. Es klingelte an der Haustür. Herr Klammt, ich muss jetzt leider unsere Plauderei beenden. Ich werde nachher auch einen Teller Eintopf für Sie mitessen. Tschüss.
Ohne eine Antwort abzuwarten, legte Sie den Hörer auf und ging zur Tür. Da stand Frau Rehmer, die Frau des Pfarrers, mit ihrem Sohn Guido und zwei anderen jungen Männern vor der Tür. Nach einer kurzen Begrüßung luden sie die Sachen in den alten Barcas. Zum Abschied sagte der vier Jahre ältere Guido: Hey, Chris, wir wollen heute noch übers Land fahren, irgendwo wird schon Tanz sein. Hast du nicht Lust?
Sie sah die Hoffnung in seinen Augen und wusste um die Enttäuschung, die ihre Antwort für ihn bedeuten würde: Nee, lass mal, ich bin nicht in der Stimmung dafür. Vielleicht ein anderes Mal. Wie gut sie ihn kannte!
Kann ich deinen Wagen trotzdem noch ein paar Tage nutzen? Ich bringe ihn auch zur Durchsicht. Schlüssel und Papiere lege ich wie gehabt in unser Versteck!
Chris nickte, während Guido traurig zu den anderen in den Transporter stieg. Sie winkte noch einmal und dann kehrte sie schnell ins Haus zurück. Du hattest einmal deine Chance, Guido, du hast es damals verpatzt!, dachte sie, bevor sie ins Schlafzimmer der Großmutter ging. Sie schloss die Schranktüren und setzte sich auf das uralte Bett. Wie sich das anhört dein Wagen dachte das Mädchen so bei sich. Jetzt gehört mir alles, aber was soll ich damit?´ Langsam wurde sie wieder von einer Art Verzweiflung erfasst. Knapp neunzehnjährig saß sie hier im Haus ihrer Vorfahren, allein und einsam.
Quirl hält durch von Wolfgang Held
Wolfgang Held setzt die Szene auf die Laufbahn: wenige Minuten vor einem wichtigen Wettkampf ein unbeabsichtigter Start, ein Lauf ohne Wertung und der Blick einer Trainerin, der aus einem Augenblick einen ganzen Lebensplan macht.
Frau Schablewsky hätte es nie für möglich gehalten, dass so viele Menschen in ihrem Wohnzimmer Platz finden könnten. Obwohl sie beide Fenster weit geöffnet hatte, war die Luft im Raum dick zum Zerschneiden. Onkel Franz paffte und nuckelte zur Feier des Tages an einer langen schwarzen Zigarre. Volker hatte Wochenendurlaub und Mulle und Anke eingeladen, die Übertragung des 800-Meter-Endlaufes am Bildschirm mitzuerleben. Ungeniert hatte Mulle die halbe Hockeymannschaft mitgebracht. Als Frau Schablewsky um ihre Möbel zu fürchten begann, waren aus dem Erdgeschoss auch noch der Hansi und sein Vater heraufgekommen. Der Mann qualmte nun mit dem Onkel um die Wette. Für Quirls Mutter war schließlich nur noch ein Eckchen auf der Sofakante frei geblieben.
Ruheee! Nun horcht doch mal!", schrie Onkel Franz, dabei hatte niemand ein Wörtchen gesagt. Nur das Knistern eines Bonbonpapiers war zu hören gewesen. Anke erstarrte und wagte keine Handbewegung mehr. Das Bonbon klebte zwischen ihren Fingern. Der Onkel aber lauschte hingerissen der Stimme des Fernsehkommentators und stieß Rauchwolken aus wie der Schornstein eines mit äußerster Kraft fahrenden Schnelldampfers.
Durch seine gute Platzierung im Vor- und Zwischenlauf kam unser Fred Schablewsky in den Vorendlauf", gab der Mann auf dem Bildschirm bekannt. Alle im Wohnzimmer hielten den Atem an. Onkel Franz vergaß, an seiner Zigarre zu ziehen. Es war, als könne der Fernsehsprecher ins Zimmer blicken, denn er lächelte beruhigend. Es gelang unserem Deutschen Meister in diesem bisher schwersten und schnellsten Lauf, den starken Australier Green und den Nordamerikaner Larry hinter sich zu lassen. Fred Schablewsky erreichte mit seinem dritten Platz den Endlauf, den wir nachher direkt übertragen."
Jubel brach los. Aber der Sprecher hatte noch mehr mitzuteilen.
Hört doch nur, hört!", rief Frau Schablewsky erregt. Betroffen schwiegen die anderen. Der Onkel wurde bleich, als er die nächsten Worte des Kommentators vernahm.
... muss aber auch gesagt werden, dass diese harten Vorkämpfe unserem jungen Läufer viel Kraft abverlangt haben. Nach dem Semifinale brauchte er eine volle Stunde, um sich wieder zu erholen. Nun steht er als einer der sechs Weltbesten mit am Start, und wir alle wünschen ihm, dass er diese härteste aller Proben durchhält ... Wir schalten um nach Rom!"
Mein Junge, wenn du nur nicht aufgeben musst", flüsterte die Mutter. Sie stachelte damit den Onkel zum Protest auf.
Quirl hält durch!", erklärte er zuversichtlich. Davonrennen wird er allen anderen!"
Selbst der sechste Platz ist schon eine großartige Leistung in diesem Klassefeld", bemerkte Anke.
Ach was, Quirl siegt!", beharrte der Onkel unwirsch auf seiner Meinung. Auf dem Bildschirm tanzten mit einem Male Kringel und Streifen. Die Mutter wollte den Apparat richtig einstellen, aber der Onkel drängte sie zur Seite.
Lass mich da mal ran, das verstehe ich besser", behauptete er gewichtig und begann, energisch an den Knöpfen zu drehen. Der Kringeltanz wurde immer wilder. Den Onkel erfasste wachsende Ungeduld. Seine Hände zitterten. Elender Kasten!", schimpfte er.
Gleich muss es losgehen in Rom!"
Noch eine Viertelstunde, hat der Sprecher vorhin gesagt", berichtigte Mulle. Und meistens dauert es sogar noch etwas länger."
Der Onkel hörte nicht auf den Einwand. Seine Nervosität wuchs und wuchs. Da muss doch etwas ..." Seine Bewegungen wurden noch fahriger. Er hantierte so heftig an den Knöpfen, dass der Apparat gequält aufkreischte.
Vielleicht ist es besser, wenn ich mal ..." Weiter kam Frau Schablewsky nicht.
Krrrrr-patsch! Bild weg! Ton weg! Um ein Haar hätte der Onkel seinen Zigarrenstummel verschluckt. Er starrte den Apparat an, als wolle er ihn im nächsten Augenblick mit kräftigen Chefkochfäusten in Kleinholz verwandeln. Dann aber verschwand seine Reglosigkeit mit einem Schlage. Die Worte sprudelten nur so aus seinem Munde.
Los, los, alle raus aus der Wohnung. Hier ist Schluss! Feierabend!" Er riss die Tür auf und gestikulierte wie einer, der mit nackten Füßen in einem Ameisenhaufen steht. Schwägerin und Volker, kommt mit hinunter zum Wagen. Wir preschen zu einem Bekannten, der einen Apparat hat."
Eine dicke Dame. Kriminalroman von Klaus Möckel
Klaus Möckel beginnt in einem Berlin des Umbruchs: Wechselkurse, Gerüchte und die Bitte einer ungewöhnlichen Auftraggeberin führen den ehemaligen Kriminalisten geradewegs in eine Affäre, die mehr als nur ein fehlendes Ehemannsgesuch verspricht.
Der Wind in den Bäumen, Nässe, die von den kahlen Büschen troff, und ringsum kein Mensch! Rechts schloss sich ein ähnlich verwildertes Grundstück an, links waren stoppelige Wiesen, nach hinten zu erhob sich struppiger Wald. Ich ging den Kiesweg entlang und rief erneut nach Frau Iffka, doch nichts rührte sich. Dann hatte ich die Hütte erreicht, stand vor dem Eingang. Wie schon das Gartentor, ließ sich auch diese Tür ohne weiteres öffnen.
Ich trat über die Schwelle, befand mich in einem Raum, der anscheinend das Kernstück des Häuschens darstellte. Einfache Möbel: ein Tisch, zwei Stühle, ein schmaler Schrank, eine Bank entlang der Rückwand. Da Licht lediglich durch das eine Fenster hereindrang, konnte ich die Gegenstände zunächst nur undeutlich ausmachen. Nicht zu übersehen war allerdings der kleine magere Mann, der hinter dem Tisch zurückgelehnt in einem Sessel mit hoher Lehne saß. Etwas schlaff, er hatte die Augen geschlossen, nahm keine Notiz von mir.
Ich kannte diesen Mann, obwohl ich ihn außer auf einem Foto nur ein einziges Mal in meinem Leben gesehen hatte, und zwar vor zwei Tagen. »Schau an, Erik Iffka«, sagte ich.
Er gab keine Antwort, seine Haltung blieb unverändert. Ich erschrak, war mit drei Schritten bei ihm, fasste nach seiner Hand, die über der Stuhllehne hing. Doch ich begriff es bereits, bevor ich die Leblosigkeit seiner Finger spürte: Der Mann vor mir war tot.
Die Zeitreisende, 7. Teil. Die Macht der Unsterblichen von Hardy Manthey
Hardy Mantheys Auszug holt uns in die Nachwirkungen einer Begegnung auf einem fremden Planeten: die Zeitreisende verlässt eine Welt, in der weibliche Herrschaft keineswegs automatisches Glück brachte, und steht vor der Frage, wie Macht Gleichheit oder Ausbeutung formt.
Tatsächlich sagt die Gouvernante prompt: Entschuldige bitte Aphrodite, du musst ja tatsächlich großen Hunger gehabt haben. So hast du dich damit natürlich rehabilitiert!
Aphrodite pustet jetzt zwar, sagt aber gut gelaunt: Ich hatte wirklich Hunger. Aber jetzt brauche ich noch einen kleiner Absacker hinterher!
Was in aller Welt ist denn ein Absacker?, fragt die Gouvernante erstaunt.
Aphrodite erklärt: Ein Verdauungsschnaps!
Die Gouvernante lacht und nickt: Solche Dinger habe ich vorhin gesehen. Ich gehe und hole für jede einen Absacker!
Es können auch gerne zwei sein!, ruft Aphrodite der Gouvernante hinterher und ringt nach Luft. Sie hat doch viel zu viel gegessen.
Die Frau kommt auch tatsächlich mit vier kleinen Fläschchen an, setzt sich an den Tisch und reicht Aphrodite zwei Fläschchen. Etwas überrascht betrachtet Aphrodite die Fläschchen, denn sie haben zwar einen Flaschenhals aber keinen sichtbaren Schraubverschluss. Mit Entsetzen sieht Aphrodite, wie die ach so vornehme Gouvernante den Flaschenhals einfach abbeißt und sofort herunterschluckt. Dann kippt sie sich den Inhalt in den Mund, um anschließend auch den Rest der Flasche zu verspeisen.
Was schaust du so entsetzt?, fragt die Gouvernante und greift schon nach ihrer zweiten Flasche.
Aphrodite: Ihr habt ja die komplette Flasche gegessen?
Ja, wieso denn nicht? Das ist doch nur Zucker!, sagt die Gouvernante und köpft jetzt die zweite kleine Flasche vor ihren Augen.
Zucker?, fragt Aphrodite ungläubig und leckt vorsichtig an der Flasche.
Unsicher beißt auch sie den Flaschenhals ab und schluckt ihn vorsichtig herunter. Tatsächlich schmilzt er in ihren Mund wie Butter. Der Inhalt ist schnell heruntergekippt. Auch den Rest der Flasche hat sie locker verschluckt. Die zweite Flasche lässt sie aber stehen, denn der Alkohol zeigt bei ihr schon seine Wirkung. Sie hat keine Lust, angetrunken durch Palermo zu laufen.
Von hinten kommt eine der Frauen auf sie zu, bleibt vor Aphrodite stehen, verbeugt sich leicht und sagt: Kommen Sie bitte mit. Sie sind doch die bewusste Aphrodite?
Aphrodite nickt. Die Männer warten bereits unten auf sie!
Die Männer? Welche Männer denn? Ich habe nach keinen Männern verlangt, fragt Aphrodite überrascht und verwirrt.
Die Frau lächelt und erklärt: Die Männer sind Vertraute des Doktor Grandini. Wir bitten Sie darum, diese Männer nicht als potenzielle Freier zu betrachten. Der Doktor würde sicher auch etwas dagegen haben, wenn Sie sich mit den Männern einließen. Darum hält der Doktor es für angebracht, dass mindestens zwei Männer Sie begleiten und auf Sie aufpassen. In Ihrem Zimmer liegt noch passende Kleidung für Sie bereit. So halb nackt, wie Sie jetzt herumlaufen, können Sie sich in unserem schönen Palermo auf keinen Fall sehen lassen. Wir sind alles aufrichtige und ehrliche Katholiken. Huren sind in unserer Stadt weder gern gesehen noch erwünscht. Bitte halten Sie sich also mit Werbungen für Ihr Gewerbe in Palermo zurück!
Aphrodite ist zwar sauer, dass sie wieder nur als Hure gesehen wird, erwidert aber trotzdem freundlich: Danke für die Sachen und danke für Ihren sicher gut gemeinten Rat. Keine Sorge, ich werde eure Männer nicht verführen. Dass ich für bestimmte Männer Hurendienste leisten muss, ist schon schlimm genug.
Die Frau reagiert erstaunt und meint zweifelnd: Ach wirklich? Wir alle wollen das Beste für euch hoffen!
Ich geh dann schon mal!, meint Aphrodite zur Gouvernante und steht auf.
Die Gouvernante ruft ihr noch zu: Mach bloß keine Dummheiten! Trotzdem wünsche ich dir viel Spaß!
Heute wird nichts passieren, beschließt Aphrodite und hat jetzt ihr Zimmer erreicht.
Das Schiff im Dunkeln von Hasso Grabner
Hasso Grabners Abschnitt lässt die Dringlichkeit spürbar werden: die Planung, die Stimmen derer, die Hindernisse sehen, und jene, die trotz Verrat und Gleichgültigkeit um das schwere Wasser kämpfen ein Wettlauf, der über Leben und Weiteres entscheidet.
Geneviève verließ das Haus zeitig genug, um einen langen Umweg nach Montparnasse machen zu können. Sie fuhr mit der Metro kreuz und quer, bis sie ganz sicher war, jeden möglichen Verfolger abgeschüttelt zu haben. René erwartete sie schon. Sie suchten ein bescheidenes Restaurant auf, in dem es sich ungestört sprechen ließ. René war angenehm überrascht von der Wendung, die die Dinge genommen hatten. Larrier war entlarvt. Wenn es nur um ihn ginge, könnte man zufassen. Das aber würde die Kreaturen des Herrn Otto Abetz nicht abhalten, nach dem schweren Wasser zu jagen. Es war besser, wenn sie es in den Händen eines ihrer schmutzigen Helfershelfer wähnten; das würde dem wirklichen Transport endgültig den Rücken freihalten. Eine andere Sache war der Beschluss dieses Piétri, Geneviève mit auf die Reise zu schicken. Würde das Mädchen den Fährnissen gewachsen sein? Eindringlich stellte er Geneviève vor, was ihr widerfahren könnte. Sie zuckte mit den Schultern und meinte, Paris werde in den nächsten Tagen auch nicht gefahrlos sein. Dann fragte sie, ob man unter besonderen Umständen OConnor einweihen könnte. René antwortete, das sei nur in der allerhöchsten Not statthaft; die Ehre der französischen Wissenschaft stehe auf dem Spiel. Man würde in englischen Kollegenkreisen recht die Nase rümpfen, erführe man von einem französischen Wissenschaftler, der zum Agenten der Deutschen geworden war, um so mehr als Larrier lange Zeit im britischen Parallelinstitut gearbeitet hatte. Natürlich müsse man eher diese Schmach auf sich nehmen, als das schwere Wasser in deutsche Hände fallen zu lassen. Das sei die Richtschnur für Geneviève, alle anderen Fragen müsse sie nach eigenem Gutdünken entscheiden. Das werde viel Mut und Umsicht erfordern.
Geneviève nickte nur.
René seufzte tief auf. Jetzt musste er dieser Frau ganz vertrauen und alle Karten auf den Tisch legen. Einer Frau, von der er fast nichts wusste und die er unter den bedenklichsten Umständen kennengelernt hatte. Aber es blieb ihm keine andere Möglichkeit.
Er erzählte ihr von Èmile, dessen Zimmerleuten und von dem Floß. Stockend berichtete er dann von dem Apparat, den er mit OConnor gebaut hatte. Dieser Kasten sollte Duchin mitgegeben werden, damit er ihn in höchster Not dazu benutzen könnte, das schwere Wasser zu vernichten. Nachdem die Aufmerksamkeit der Faschisten nun so günstig abgelenkt worden war, dürfte eine solche Gefahr nicht mehr bestehen. So kam René der Gedanke, diese gefährliche Maschine dem Mädchen mitzugeben. Sie könnte damit in gewissen Situationen ganz entscheidend eingreifen. Gab es dafür keinen Anlass, umso besser.
Geneviève konnte einen leichten Schreck nicht verbergen, als ihr Bonnard die Handhabung des Koffers erklärte. Dennoch entschloss sie sich, den Apparat mitzunehmen. Sie verließen das Lokal, Geneviève wartete einige Straßen weiter in einem Café. René fuhr mit der Taxe ins Institut, um den Koffer zu holen.
Für die Frau wurde es danach höchste Zeit, nach Hause zu fahren, um sich auf die Reise vorzubereiten. René drückte ihr beim Abschied fest die Hand. Ich werde Lucien Duchin sagen, dass Geneviève Michaud eine tapfere Frau, eine treue Tochter Frankreichs und ein guter Mensch ist.
In diesem Moment fiel Geneviève der Scheck ein. Sie hatte ihn schon kurz erwähnt.
Der Scheck gehört Ihnen, Mademoiselle, sagte René.
Geneviève sah ihn unwillig an. Nehmen Sie ihn, stieß sie heftig hervor.
René steckte das wertvolle Papier ein. Geld würden sie in der nächsten Zeit gebrauchen können, außerdem war auf der Bank vielleicht etwas über die Kontoinhaber zu erfahren.
Ich wünsche Ihnen eine leserliche Woche zwischen Kerzenlicht und Winterkälte und ein paar ruhige Stunden mit diesen fünf, sehr unterschiedlichen Stimmen. Nächste Woche sind wir wieder mit einer neuen Auswahl für Sie da. Herzliche Grüße aus der Redaktion!
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Über "EDITION digital Pekrul & Sohn GbR"
EDITION digital war vor 31 Jahren ursprünglich als Verlag für elektronische Publikationen gegründet worden. Der Verlag gibt Krimis, historische Romane, Fantasy, Zeitzeugenberichte und Sachbücher (NVA-, DDR-Geschichte) sowie Kinderbücher als barrierefreie E-Book heraus, einige auch als Hörbuch. Ein weiterer Schwerpunkt sind Grafiken und Beschreibungen von historischen Handwerks- und Berufszeichen sowie Belletristik und Sachbücher über Mecklenburg-Vorpommern. Bücher von DDR-Autoren werden als E-Book neu aufgelegt. Insgesamt umfasst das Verlagsangebot, das unter www.edition-digital.de nachzulesen ist, mehr als 1.800 Titel. Die Printsparte des Verlages war Ende 2025 von Ralf Jordan vom Geschichtlichen Büchertisch als Imprint übernommen worden.