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Casanova, Schlossidyll und Dschungeltrubel – Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

 

(Pinnow, 25.12.2026) – Fünf sehr unterschiedliche Erzählungen eröffnen diese Woche kleine, scharfe Bühnenmomente: vom koketten Auftritt eines sächsischen Casanova über ein kurzes Schlossidyll in Rheinsberg bis zur waghalsigen Rettungsfahrt im Urwald, einem heiteren Kleinstadtchaos und einer bedrängten Episode an der Front. Gemeinsamer Nenner ist das Wagnis: Entscheidungen, oft im Kleinen getroffen, die Beziehungen und Gemeinschaften nachhaltig verändern.

 

Vom Freitag, dem 25. Dezember, bis Freitag, dem 1. Januar 2027, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.

 

Ich und die Frauen. Vom prickelnden Liebesglück und der empfindlichen Bestrafung eines sächsischen Casanova von Steffen Mohr

 

Seine fiktiven Heiratsschwindeleien verfasste der bekannte Leipziger Kinder- und Krimiautor sowie Mo(h)ritatensänger Steffen Mohr zu seiner eigenen Erholung von der Bürokratie des deutschen Literaturlebens, in dem er einem sächsischen Autorenverein vorstand.

 

Er galt sonst eher als schüchtern und in der Liebe treu.

 

Nur in Rheinsberg bin ich glücklich gewesen. Kronprinz Friedrich in Küstrin, Ruppin und Rheinsberg von Hans Bentzien

 

In vielen Veröffentlichungen über Friedrich II. von Preußen wird die Rheinsberger Zeit, vom Kauf des Schlosses 1734 bis zur Thronbesteigung 1740, als freiheitliches Idyll im ansonsten plagenreichen Leben Friedrichs dargestellt. Kurz vor seinem Tod sprach er den bekannten Satz: „Das Unglück hat mich immer verfolgt. Ich bin nur in Rheinsberg glücklich gewesen.“

 

Überschaut man sein hartes Leben, immer im Widerspruch, immer im Streit mit seiner Umwelt oder sie mit ihm, immer gezwungen, listenreich bis zur Selbstaufgabe sich schließlich behaupten zu müssen, ohne glückliches Familienleben, geplagt von schweren Krankheiten, dann leuchten die Rheinsberger Jahre in der Tat als eine fröhliche und unbeschwerte Zeit hervor. Doch wie erklären sich die Jahre der „Rheinsberger Republik“, wie sie ein französischer Historiker längst vor der erneuten Preußendebatte unserer Jahre nennt. Eine Republik mitten im Absolutismus?

 

Der Schatz der Smaragdenbienen. Band 3 der Nikolai-Bachnow-Bücher von Klaus Möckel

 

Spannende Ereignisse und aufregende Abenteuer zeichnen diesen dritten Band der Möckelschen Reihe aus. Das hängt mit einem Schatz zusammen, der, tief in den Wäldern des Zauberlandes verborgen, vom Volk der Smaragdenbienen bewacht wird. Sollte der Schatz verlorengehen, muss das Bienenvolk sterben.

 

Die Großohr-Brüder, so genannt, weil der eine rechts, der andere links einen riesigen Hörlöffel besitzt, brechen in den Urwald auf, um den Schatz zu rauben. Trotz heftiger Schlappen beim Zusammentreffen mit schlagkräftigen Bäumen, gläsernen Fischen, angriffslustigen Affen und der gewitzten Spinne Minni, gelangen sie ans Ziel. Die Bienen mit ihrer Königin, einer Fee, wehren sich zwar, sind aber bald dem Tod nahe. Nur einen Aufschub können sie noch erreichen.

 

Die Autoren ziehen alle Register, um die Urwüchsigkeit und Schönheit des Dschungels für ihre Darstellung zu nutzen. Da sich die Spitzbuben bei ihrem Raubzug auf den Weisen Scheuch berufen, hat dieser doppelten Grund, mit seinen Freunden, dem Löwen, dem Holzfäller, Prinzessin Betty, Jessica und dem Elefanten Dickhaut, den Bienen zu Hilfe zu eilen. Eine waghalsige Ballonfahrt, Begegnungen mit einem Irrwisch, mit Schattenraben und dem Nebelungeheuer führen zu überraschenden Zwischenfällen, und so steht die Rettung der prächtigen Bienen bis zuletzt auf der Kippe.

 

"Bachnow erzeugt die kribbelnde Spannung eines Goldsucher-Abenteuers und beweist ein ums andere Mal, wie viele Ideen in ihm stecken", schrieb die Rezensentin Karolin Kullmann über dieses Buch der Autoren.

 

Dieses Buch, 1998 bei LeiV (Leipzig) mit Illustrationen von Hans-Eberhard Ernst unter dem Pseudonym „Nikolai Bachnow“ erschienen, ist das dritte von mehreren Büchern, die an die bekannte Reihe des Russen Alexander Wolkow anschließen. "Endlich befindet man sich wieder in Gefilden, die nicht mehr futuristisch oder abstrakt anmuten", hieß es damals in Karolin Kullmanns Rezension.

 

Hilfe, ein Wildschwein kommt von Wolfgang Held

 

„Löffel” und Volker, junge Pioniere von der Station Junger Naturforscher, bringen während der Sommerferien ein ganzes Städtchen durcheinander. Aus Übermut lassen sie das zahme Wildschwein Maxi, das auf der Station gehegt und gepflegt wird, aus seinem Gatter heraus. Die Sache wird schlimmer, als es sich die Jungen vorgestellt hatten. Was alles geschieht, bis das Wildschwein wieder eingefangen wird, ist sehr lustig zu lesen.

 

Der Mann mit der gelben Tasche. Erzählung von Hasso Grabner

 

Unser Friday for Future‑Titel der Woche ist „Der Mann mit der gelben Tasche. Erzählung“ von Hasso Grabner. Die Geschichte schildert, wie Misstrauen, Sprachbarrieren und der Druck kriegerischer Notlagen individuelle Entscheidungen erzwingen, deren Folgen andere Menschen direkt treffen; gerade dieses Erzählen von Verantwortung unter existenziellen Bedingungen macht das Buch zu einem literarischen Fingerzeig auf die Pflicht zur Rücksichtnahme gegenüber künftigen Generationen.

 

Dem deutschen Kommunisten Karl kann man zwar die Sabotage in dem Rüstungsbetrieb nicht nachweisen, aber er wird verdächtig und deshalb 1944 an die Front geschickt. Im Partisanenkrieg in Griechenland kommt er in Gewissenskonflikte, weil er nicht zum Mörder am griechischen Volk werden will. Wichtige Dokumente der Partisanen will er diesen übergeben, was an mangelnden Sprachkenntnissen und fehlendem Vertrauen scheitert. Als die Partisanenführung zwei Partisanen losschickt, um Karl und die Papiere zu suchen, wird es lebensgefährlich für die zwei. Auch Karl ist nicht allein im Erschießungskommando.

 

Die Leseproben öffnen kurz und unmittelbar die Stimmung jeder Erzählung: eine satirisch‑verspielte Verführung, ein lichter Augenblick höfischer Idylle, ein wildes Dschungelabenteuer, eine komische Panne mit einem zahmen Wildschwein und eine bedrängte Entscheidung an der Front. Jede Passage legt den Moment offen, in dem Figuren handeln — oder handeln müssten.

 

Ich und die Frauen. Vom prickelnden Liebesglück und der empfindlichen Bestrafung eines sächsischen Casanova von Steffen Mohr

 

Ein kurzer, spritziger Einstieg in die Versuchsanordnung des Herzens: hier trifft kokette Überzeugungskraft auf die erste Strafandrohung.

 

Ich bin ein Schuft und gestehe es offen, einer zu sein. Denn anstatt nun Ruhe zu geben und mir mit dem von Cinthia ergaunerten kleinen Vermögen ein anständiges Unternehmen zu kaufen, kitzelte mich gerade jetzt der Reiz, es erneut auf die bewährte Tour zu versuchen. Inzwischen hatte ich erkannt, wo meine eigentlichen Fähigkeiten steckten und war stolz darauf. Nichts lag mir ferner, als mein erwiesenes Talent brach liegen zu lassen.

 

Dieses Mal stellte ich meine Köderversuche schlauer an. Ich begann sie zu einem Zeitpunkt, da ich noch genügend Geld auf der Kante hatte und somit zwangloser arbeiten konnte, ohne finanziellen Druck.

 

Eine gewisse psychische Schwäche hatte mich zu dieser Zeit befallen, ein Überdruss am Leben und besonders am Liebesleben. Trotz der greifbaren Verfügbarkeit einiger aparter Gespielinnen sehnte ich mich danach, irgendetwas anderes mit Frauen zu erleben. Etwas Außergewöhnliches, das total aus der Reihe fiel.

 

Ängstlich spürte ich: In jedem Beruf, den man gewissermaßen mit geschlossenen Augen beherrscht, droht auch in dem des Liebesschwindlers die Monotonie, die alles erreichte Glück des Erfolges in den Missstand der Routine kippt. Damit aber – hält man nicht mit einer ausgefallenen und bisher nie praktizierten Methode dagegen! – wäre der Ruin der Arbeitsunfähigkeit für mich vorprogrammiert gewesen.

 

So kam ich darauf, es mir schwerer zu machen als sonst. Ich wollte eine unerreichbare Frau in meine Netze locken – eine die mir bei klarem Verstand niemals auf den Leim ging. Ein Mordsweib kennenzulernen nahm ich mir vor. Sie sollte das Kaliber einer Hetäre besitzen, die täglich (oder meinetwegen jede Nacht) Dutzende Kerle um den Finger wickelt. Also wählte ich mich in das unheilschwangere System der 0190er-Telefonkontakte ein. Nicht nach Wahrsagerei und schon gar nicht nach verbaler Erotik stand mir der Sinn. Mit wachem Kalkül begann ich die heißen Linien der fernmündlichen Partnerschaftsbörsen zu testen.

 

Jeder Mann, der je genügend Kleingeld übrig hatte, um sich ein wenig mit dieser besonderen Spielart des Telefonnetzes zu beschäftigen, weiß, dass er auf diesen Linien jede Menge Zeit und damit Geld verliert. Das fängt an mit dem Anhören völlig unnötiger Tipps und niveauloser Musikschleifen. Die Brieftasche entleert sich genau so sinnlos, indem man seine Aufmerksamkeit auf die zahllosen weiblichen Bekenntnisse von Einsamkeit und Verlassensein richtet. Auch wer die Unzahl hilfloser bis ordinärer Spielarten von Telefonsex aus dem Munde von Hausfrauen und Abiturientinnen erfahren möchte, sollte sich besser einmalig ein Band von zwei Minuten Länge zusammenschneiden, anstatt für 2 Mark 40 oder mehr pro Minute über längere Zeit ein Opfer des erschreckend geringen Wortschatzes verdorbener Weiber zu werden.

 

Selten wird auf dieser Art Linien – oder Lines – die Partnerin zu finden sein, von der Mann träumt. Kommt es ausnahmsweise wirklich zu einer Begegnung mit dem aufgrund seiner betörenden Stimme gewählten Weib, erlebt der Anrufer meistens sein blaues Wunder. Hinter den süßesten Timbres, den verlockendsten Personenbeschreibungen und den glaubhaftesten Versprechen, eine Zweitausgabe von Claudia Schiffer oder der wieder erstandenen Kaiserin Kleopatra zu sein, verbergen sich fast durchweg dicke oder ältliche Mädchen, nach allen Richtungen schielende Pseudovamps, gestresste Emanzen oder Frauen mit einem gut gefüllten privaten Kindergarten. Kurzum: der ganze bedauernswerte Abschaum verlogener Bedürftigkeit.

 

All das interessierte mich wenig. Was ich suchte, war eine Frau, die der Lüge auf der Hot-Line professionell nachging, also Nacht für Nacht für Judaslohn in einem geheimen Studio saß. Eine, die sich den ständig wechselnden Anrufern anpasste, indem sie manchmal die Einsame, manchmal die Nymphomane heuchelte, bald darauf ein unschuldiges Landei spielte, um gleich danach wieder die Mütterlich-Erfahrene zu markieren.

 

Musste nicht, sagte ich mir, dieses gleich dem vielgestaltigen Flussgott Proteus wandelbare Wesen für mich, den geborenen Lügner, eine wunderbare Herausforderung darstellen?

 

Und wenn sie ausnahmsweise hübsch war – konnte so ein Weib dann nicht das beste Mittel gegen meine Arbeitsunlust werden? Sozusagen eine Trainerin meiner erschlafften Psyche?

 

Nachdem ich mehrere Nächte ziellos durch die Lines geirrt war, schaffte ich mir einen Oszillografen an. Das Gerät war in der Lage, die Frequenzkurven der unterschiedlichen Frauenstimmen für das Auge sichtbar zu machen. Bald stellte ich mit Hilfe dieses Apparates fest, dass in einem der sentimentalsten Systeme ständig eine Mandy auftauchte, die andererseits Petra hieß, andererseits Ilka, andererseits Carry-Ann.

 

In jeder ihrer Rollen trug das Hörwesen nicht nur andere Kleider, sondern es hatte auch verschiedene Körpermaße, Augen- und Haarfarben. Und natürlich ständig wechselnde Berufe. Eines Nachts war sie Mutter eines zweijährigen Kindes. Am nächsten Abend spielte sie ein kinderfeindliches Arbeitstier. In der dritten Nacht gebar sie plötzlich zwei halbwüchsige Buben, um sie schon im Verlauf der nächsten Stunde gegen zwei frisch geborene eineiige Zwillinge weiblichen Geschlechts zu tauschen.

 

Nur in Rheinsberg bin ich glücklich gewesen. Kronprinz Friedrich in Küstrin, Ruppin und Rheinsberg von Hans Bentzien

 

Wir treten in die Rheinsberger Tage ein: eine Szene, die das leise Glück und die Kostbarkeit kurzweiliger Freiheit hörbar macht.

 

Unser Zeitgenosse hat uns über die Lage des Anwesens unterrichtet, wichtiger aber sind uns noch seine Eindrücke über das Kronprinzenpaar. Friedrich kannte er bereits, wenn auch in einer anderen Situation, im Kreis der Freimaurer, die ihn als Bruder aufnahmen. Elisabeth Christine aber war ihm noch unbekannt. Sie selbst hat ihr Leben in Rheinsberg beschrieben. Nachdem sie seit ihrer Hochzeit im Berliner Schloss gelebt hatte und dort auf Anweisung ihres Schwiegervaters spezielle Unterweisungen im Fach königliches Benehmen durch einen Tanzmeister erhalten hatte, kam sie nun in die lockere Atmosphäre des Musenhofes am Grienericksee. Ihre Eindrücke müssen sie verändert haben. Ganz im Gegensatz zu den abfälligen Bemerkungen am brandenburgischen Hofe über sie, besonders durch die Familie einschließlich ihres Bräutigams, beurteilt sie selbst ihr Leben in einem Brief vom 3. Oktober 1736, zwei Monate nach ihrem Einzug, den sie an ihre Großmutter richtete, folgendermaßen:

 

„Will man Kunst, wahre und richtige Philosophie und Geist finden, so muss man sicherlich hierher kommen. Man findet sie in höchster Vollendung; denn unser Herr und Gebieter steht an der Spitze. Ich habe ihn noch nie so fleißig gesehen wie jetzt. Von sechs Uhr morgens bis ein Uhr beschäftigt er sich mit Lektüre, Philosophie und allen schönen Dingen. Von halb zwei bis drei Uhr ist Mittagstafel, danach trinken wir bis vier gemeinsam Kaffee; dann setzt er sich bis sieben Uhr wieder an die Arbeit. Hierauf beginnt die Musik, sie dauert bis neun Uhr. Dann schreibt er und kommt zum Spiel. Die Abendtafel ist gewöhnlich um halb elf oder elf Uhr. So vergeht die Zeit sehr rasch mit mannigfacher Beschäftigung. Wahrlich, man kann sagen: er ist ein großer Fürst unserer Zeit, nicht nur als Fürst, sondern als Zeitgenosse. Er ist Gelehrter, besitzt Geist, soviel man haben kann.

 

Er ist gerecht, hilfsbereit, mag niemandem etwas Böses tun, ist großmütig, mäßig, liebt keine Ausschweifung, weder im Wein noch sonst wie. Er hat das Herz auf dem rechten Fleck. Kurz und gut, er ist ein Phönix in unserer Zeit, und ich bin selig, die Frau eines so großen Fürsten mit so vielen guten Eigenschaften zu sein. Wer ihn kennt, muss ihn lieben. Wäre ich auch nicht seine Frau, ich müsste ihn wegen seiner guten Eigenschaften und seiner großen Gnade lieben. Der liebe Gott, der alles gut macht, hat auch dies wohl getan, dass er so große Gaben einem Mann verliehen hat, der sie so gut zu gebrauchen weiß wie er.

 

Da ich hier geschildert habe, wie das Leben des Kronprinzen im Einzelnen verläuft, will ich jetzt auch meine Lebensweise schildern: Um sieben Uhr stehe ich auf, nachdem ich gebetet und meine Andacht verrichtet habe. Dann lese ich noch, in dem Buche von Reinbeck („Betrachtungen über die in der Augsburgischen Konfession enthaltenen und damit verknüpften göttlichen Wahrheiten"' von Johann Gustav Reinbeck, Probst und Konsistorialrat in Berlin) und schreibe. Danach lese ich ein gutes französisches Buch, und nachdem ich zu Mittag gespeist und Kaffee getrunken habe, arbeite ich und lasse mir bis sieben Uhr vorlesen. Hierauf spiele ich Schach, und dann geht es hinaus zum Spiel. Ich kann wohl sagen, die Zeit verstreicht blitzschnell, und man weiß nicht, wo sie bleibt. Stets bedaure ich es, wenn der Tag vorüber ist. Man ist lange wach und schläft wenig, denn ich komme vor zwei Uhr nie zu Bette und stehe um sieben auf. Dabei geht es mir ausgezeichnet. Soviel von dem Leben, das wir hier führen.“

 

Ist das nur Schwärmerei, Verliebtheit, Anbetung des fürstlichen Gatten und späteren Königs? Wir würden es uns zu einfach machen, so zu denken. Natürlich kommen negative Eindrücke in einem solchen Brief nicht vor, er könnte abgefangen werden und zu unangenehmen Verwicklungen führen. Doch eines wird aus den Berichten wohl klar, hier beschäftigt man sich nicht mit Tandaradei, Wildschweinschießen oder Tabakrauchen, hier versucht man, die Probleme der Zeit zu ergründen. Diesen Eindruck hatte jedenfalls auch unser Zeitgenosse Bielfeld gewonnen, der über die Fähigkeiten verfügt, in der Beschreibung der täglichen Vorgänge auch die grundsätzlichen Unterschiede zum Leben an anderen Höfen zu erkennen:

 

Der Schatz der Smaragdenbienen. Band 3 der Nikolai-Bachnow-Bücher von Klaus Möckel

 

Die Probe setzt am Rand des Urwalds an: Ballonfahrt, Irrlichter und angreifende Affen zeigen, wie nahe Rettung und Verlust beieinanderliegen.

 

"Die berühmten Gläsernen Fische", murmelte Bill.

 

Nun sah Joe sie ebenfalls. Er legte den Stock weg und hockte sich hin, um sie näher zu betrachten. Schließlich fasste er blitzschnell ins Wasser und hielt im nächsten Augenblick einen der Fische in der Hand.

 

"Die lassen sich aber leicht fangen", rief er. Im selben Moment stieß er jedoch einen Schrei aus und öffnete die Faust wieder. Blut lief von seinen Fingern herab. "Verdammt, der hat mich geschnitten. Die scheinen ja wirklich aus Glas zu sein."

 

Der Fisch war in den Bach zurückgeschnellt, in den Schwarm aber kam Bewegung. Die Fluten wurden aufgewirbelt und das schwere Floß geriet ins Schwanken.

 

"Erst die Affen und nun das", rief Bill, "warum musst du dich mit diesen Fischen anlegen?"

 

"Ich wollte mir doch bloß mal einen genauer angucken", verteidigte sich Joe. "Kann ich wissen, dass die so einen Trubel machen?" Er wickelte ein Taschentuch um seine verletzte Hand.

 

"Das hast du nun davon. Los, weiter, es wird schon dunkel."

 

Sie fingen erneut zu staken an, doch unvermittelt lösten sich von ihrem Floß zwei Stämme. Zugleich hörten sie unter sich ein Scharren und Schaben.

 

Wie immer, begriff Bill zuerst:

 

"Wir müssen die Fische vertreiben! Sie zerschneiden die Lianen, mit denen wir die Stämme zusammengebunden haben."

 

"Das ist doch nicht möglich", sagte Joe, verstummte aber gleich wieder, denn diesmal lösten sich auf der anderen Seite zwei Hölzer.

 

Joe schlug mit dem Stock ins Wasser, Bill stocherte unter dem Floß herum. Dennoch ging das Schaben weiter und nun brach ihr Fahrzeug in der Mitte auseinander.

 

"Wirf das Gepäck ans Ufer!", rief Bill noch, doch es war bereits zu spät. Die Teile hielten nicht mehr zusammen und die Brüder rutschten ins Wasser. Bis zur Brust wurden sie nass. Sie konnten von Glück reden, dass der Bach nicht tiefer war.

 

Die Fische waren weg und die beiden grapschten verzweifelt nach ihrem Gepäck. Triefend schleppten sie das durchnässte Zeug ans Ufer. Bis auf einen Teil des Proviants konnten sie alles retten, trotzdem fluchten sie um die Wette. Bill schimpfte auf seinen Bruder, der ihnen seiner Meinung nach das mit den Fischen eingebrockt hatte, und Joe auf die Fische selbst.

 

Inzwischen war es dunkel geworden. Obwohl der Affenhügel ganz in der Nähe sein musste, war nicht daran zu denken, ihn jetzt noch zu suchen. Zum Glück entdeckten sie einen freien Platz zwischen den Bäumen, wo sie Feuer machen konnten. Joes Feuerzeug war durch das unfreiwillige Bad unbrauchbar geworden, aber Bill hatte seine Streichhölzer gerettet. Sie sammelten trockene Äste und bald loderten Flammen auf. So schwül es am Tag auch gewesen war, die Nacht konnte empfindlich kühl werden, und einen Schutz vor ungebetenen Raubtieren bot das Feuer allemal.

 

Hilfe, ein Wildschwein kommt von Wolfgang Held

 

Ein Moment heiterer Verwirrung: das zahme Wildschwein Maxi entwischt – und ein Städtchen gerät in komische Turbulenzen.

 

Allmählich wurde Maxi Stadtgespräch. Löffel konnte sich davon überzeugen. Er hatte nicht den kürzesten Weg zurück zum Rathaus genommen, um vielleicht doch irgendwo noch ein Zipfelchen von Maxi zu entdecken. Bald aber musste er erkennen, dass die Aussichten dafür hier im Zentrum sehr gering waren. Für die fleißigen Frauen und Männer in den Betrieben war inzwischen das Schichtende herangekommen. In bunten Scharen strömten sie ihren Wohnungen zu, und es ging hoch her in den Straßen. Unmöglich, dass Maxi hier unbemerkt bleiben konnte. Und weil es ja kein dummes Wildschwein war, hatte es sich bestimmt in die weniger belebten Winkel der Stadt zurückgezogen.

 

An einem Straßenübergang musste Löffel bei rotem Licht warten. Er stand inmitten einer Menge Leute, als er plötzlich aufhorchte. Was war denn das? Achtung, Löffel, die Ohren auf!

 

„… und es soll so groß sein wie ein Löwe. Vielleicht noch größer!“

 

„Was Sie nicht sagen! Frau Klabanschke hat gehört, dass ein kleiner Junge schon von dieser Bestie verletzt wurde. Lebensgefährlich, heißt es. Der Krankenwagen kam mit Signal und Fahne.“

 

An der Verkehrsampel flammte erst das gelbe und gleich darauf das grüne Licht auf. Löffel heftete sich dem Mann und der Frau an die Fersen. Wenn die nicht von Maxi reden, fresse ich einen Besen, überlegte er. Die beiden hatten keine Eile. Sie waren so in ihr Gespräch vertieft, dass sie den Jungen neben sich übersahen.

 

„Also wenn Sie mich fragen: Ich würde mein Kind nie in so eine Station lassen, wo die Kleinen von Raubtieren umgeben sind!“, erklärte die Frau energisch und schrieb mit ihrer spitzen Nase ein unsichtbares Ausrufezeichen in die Luft.

 

„Auf jeden Fall ist es unverantwortlich von den Erwachsenen, die dort die Leitung haben“, pflichtete der Mann ihr bei. Wieder nickte sie eifrig. „Unverantwortlich, jawoll! Vor ein Gericht gehört so eine Person!“

 

Lüge! Klatsch! Das war für Löffel zu viel. Wenn sie noch zehn Minuten so weitertratschen, dann ist für sie unsere Station ein Kannibalenlager, dachte er. Mit zwei großen Schritten hatte er sie überholt und baute sich wie ein Fels vor ihnen auf. Finster blickte er sie an. Plötzlich sah er viel älter aus als dreizehn Jahre. Und seine Stimme war wie Eis. „Unser Stationsleiter ist lässig!“, posaunte er aufgebracht. „Damit Sie das wissen! … Und Maxi ist kein Raubtier. Wildschweine sind … Wildschweine sind nämlich Schwarzwild. Sie haben bestimmt in der Schule nicht aufgepasst. Bei uns in der Station können Sie das lernen! Unser Maxi tut keinem was. Und Sie schwindeln! Und das ist gemein! Ich … Sie … Ach!“

 

Löffel wischte mit der Hand durch die Luft, drehte sich um und rannte fort. Oh, er hätte den beiden Erwachsenen, die verblüfft hinter ihm herschauten, noch manches zu sagen gehabt, zum Beispiel, was er von Gerüchteverbreiten hielt und von Leuten, die ein Vergnügen daran fanden, ihre Zungen bei jeder Gelegenheit boshaft zu wetzen. Leider war ihm etwas dazwischengekommen. Etwas höchst Unangenehmes. Schon mehr als einmal hatte es ihn aus dem Konzept gebracht. So sehr er sich auch immer dagegen zu wehren versuchte, er konnte nicht damit fertig werden. Stets, wenn Zorn in ihm hochstieg und er maßlos wütend wurde, trat ihm auch das Wasser in die Augen. Wie hatte er diesen peinlichen Tränendrang schon verwünscht. Bei einem Mädchen mag das vielleicht noch angehen, aber für einen Jungen ist so etwas schlimmer als ein Floh unterm Hemd. Dagegen ließ sich nichts machen. Man musste ausreißen. Jungentränen sind schließlich ein Geheimnis und gehen niemanden etwas an.

 

Erst ein paar Straßen weiter bremste Löffel seinen Lauf, rieb mit dem Hemdärmel über das Gesicht, schluckte ein paarmal, schnaufte ein bisschen und dachte dann: Trotzdem, ich habe es ihnen gehörig gegeben!

 

Die Sonne stach heiß auf die Stadt. Über dem Pflaster flimmerte die Luft, und die Asphaltdecke des Bürgersteigs war wie ein grauer, weicher Teppich. Löffel hatte die Richtung zum Rathaus eingeschlagen, aber er kam nicht weit. Unter dem Sonnendach eines Schaufensters blieb er stehen. Es war ein Juweliergeschäft. Hinter der großen Glasscheibe tickten viele kleine und große Uhren. Schmuck glitzerte auf dunklen Samtkissen. Löffel hatte für all das keinen Blick übrig. Nachdenklich betrachtete er sein Spiegelbild. Ein mürrischer Junge mit zerzausten Haaren und nicht sehr sauberem Gesicht schaute ihm da von der gläsernen Wand entgegen, spöttisch und vorwurfsvoll. Was bildest du dir ein? schien dieses Gesicht zu sagen. Denkst du vielleicht, diese beiden Erwachsenen vorhin waren die einzigen Leute in der Stadt, die jetzt Gruselgeschichten über Maxi erzählen und auf Herrn Karst schimpfen? Einen Tropfen Wasser hast du ins brennende Ölfass geschüttet, nicht mehr. Bestimmt gibt es tausend Mütter in der Stadt, die ihre Kinder nun auch nicht mehr zur Station lassen wollen. Und alle werden böse auf den Stationsleiter sein, der uns soviel Interessantes über Tiere und Pflanzen erzählt hat. Bei ihm ist nie eine Stunde langweilig gewesen. Er hat es nicht verdient, dass er sich jetzt so ärgern muss. Würde es dich denn wundern, wenn er nun nicht mehr unser Freund sein will?

 

Löffel nagte betroffen an seiner Unterlippe und rieb abwechselnd mit der linken und mit der rechten Hand seinen Hinterkopf. Am liebsten hätte er die Scheibe eingeschlagen. Aber damit wäre alles nur noch schlimmer geworden. Auch als er sich abwandte, wurde er die quälenden Gedanken nicht los. Verflixt, das darf einfach nicht sein, dachte er. Und wenn ich durch die ganze Stadt von Haus zu Haus gehen muss, um allen die Wahrheit zu sagen.

 

Bei diesem Gedanken wurde ihm einen Augenblick lang schwindlig. Wenn er sich vorstellte, was ihn da an den vielen Türen alles erwartete … Hoffentlich fällt mir noch etwas Besseres ein, um die Ehre der Station und unseres Leiters zu retten, wünschte er inbrünstig.

 

Als Löffel seinen sorgenschweren Kopf um die nächste Straßenecke trug, ertönte irgendwo hinter den Häusern ein Lautsprecher. Er stutzte und hastete dann dem Geräusch entgegen. Sicher hatten Volker und Doktor beim VEB Elektroapparate Erfolg gehabt, und er wusste, dass alles viel leichter sein würde, wenn er mit seinem Freund zusammen war. Vielleicht kam Volker sogar auf eine bessere Methode, als es dieser jammervolle Weg von Tür zu Tür war. Oder auch Doktor? Nein, Doktor bestimmt nicht! Er ist und bleibt ein lahmer alter Giftzahn und hat nicht solche lässigen Ideen!

 

Gleich darauf sah Löffel den Wagen. Er lief auf ihn zu, doch da begann der Lautsprecher zu summen, und was nun geschah, brachte ihn völlig aus dem Konzept. Die sind wahnsinnig geworden, dachte er. Komplett verrückt!

 

Doktor und Volker hatten wirklich Glück gehabt. Sie brauchten nicht zweimal um den Lautsprecher zu bitten, und es gab auch keine langen Diskussionen. Der dafür zuständige Kollege war von Herrn Karst bereits telefonisch informiert worden. Beim Eintreffen der beiden Jungen stand der Wagen abfahrtbereit. Es war ein umgebautes Personenauto. Die Lautsprecheranlage befand sich im rückwärtigen Teil des Wagens und ließ gerade noch Platz für die beiden Pioniere. Der freundliche Kollege erklärte ihnen die Bedienung, freute sich, dass sie so schnell begriffen und setzte sich dann selbst hinter das Lenkrad.

 

Zuerst durchfuhren sie die Außenbezirke der Stadt. Volker und Doktor nahmen abwechselnd das Mikrofon in die Hand. „Achtung, Achtung, liebe Einwohner! Die Pioniere der Station Junger Naturforscher bitten um Ihre Hilfe!“, schnarrten Volkers und Doktors Stimmen nacheinander in kurzen Abständen aus dem eimergroßen Trichter über dem Wagendach.

 

Die Leute an den Fenstern und an den Bürgersteigen hörten zu, lächelten oder schüttelten die Köpfe und glaubten wohl alle nicht recht daran, dass ihnen an diesem schönen Nachmittag tatsächlich ein Wildschwein über den Weg laufen könnte. Immerhin wussten sie nun, dass sie nichts zu befürchten hatten und nur beim Rathaus anzurufen brauchten, um beim Einfangen des Ausreißers mitzuhelfen.

 

In der ersten halben Stunde war die Sache mit dem Mikrofon für Volker und Doktor mächtig interessant. Sehr eifrig widmeten sie sich ihrer Aufgabe. Jeder wartete ungeduldig darauf, dass er den anderen ablösen konnte. Der Mann am Lenkrad beobachtete die beiden im Rückspiegel. Gescheite Kerlchen, dachte er schmunzelnd. Sie gehen mit der Technik um, als hätten sie nie etwas anderes getan. Hoffentlich bekommen sie ihr Borstentier bald wieder!

 

Mikrofon ein, sprechen, Mikrofon aus, kleine Pause – in diesem Rhythmus verging Viertelstunde um Viertelstunde. Gemächlich durchrollte der Wagen die Straßen. Als Volker und Doktor sich mit der Ansage ungefähr ein dutzendmal abgelöst hatten, verflüchtigte sich der Reiz des Neuen langsam. Ihr Interesse schrumpfte zusammen wie ein leck gewordener Luftballon. Immer häufiger hüpften ihre Gedanken weg von der Lautsprecheranlage. Volker dachte an Löffel und hätte zu gern gewusst, wo sein Freund jetzt steckte. Dabei wurde ihm die Ansagerei nun sogar lästig. Vielleicht ist Maxi längst gefunden worden, überlegte er. Wir reden und reden und reden, und in der Station feiern sie womöglich schon die Rückkehr unseres Wildschweins.

 

„Träum nicht“, murrte Doktor und nahm Volker das Mikrofon aus der Hand. „Jetzt bin ich wieder dran!“

 

Der Wagen bog um eine Straßenecke. Volker warf seinem Partner einen misslaunigen Blick zu. „Meinetwegen quatsch dir Fransen an die Lippen, du Brummer“, meinte er spitz und knipste an einem kleinen Schalthebel.

 

Doktors Augen wurden schmal. „Wer ist ein Brummer?“, zischte er zurück. „Ich oder solche wie du und Löffel, die einfach Wildschweine rauslassen? Und Äpfel klauen außerdem noch!“

 

Mit einem scharfen Ruck blieb plötzlich der Wagen stehen.

 

„Seid ihr verrückt geworden dahinten?“, wetterte der Mann am Lenkrad. Sein Gesicht war mit einem mal rot wie eine reife Tomate. Die beiden Jungen starrten ihn verwundert an. Sie verstanden nicht, was diesen freundlichen Mann so schnell wütend gemacht hatte. Wegen so eines kleinen Meinungsstreites kann man sich doch nicht ärgern, oder?

 

„Der da hat Brummer zu mir gesagt! Dabei ist er mit seinem Freund an allem schuld! Sie haben nämlich das Wildschwein rausgelassen!“, verteidigte sich Doktor.

 

Der Mann mit der gelben Tasche. Erzählung von Hasso Grabner

 

Die Passage wirft uns mitten in die Misstrauensfallen an der Front: unklare Verständigung, Gefahr und ein Gewissensentscheid bestimmen das Geschehen.

 

Mit raschen Schritten bog Czirwinski um die Ecke. Er brachte den Armvoll Lebensmittel und sagte lachend: „Soweit ist es. Der Oberschnäpser holt für den Jäger Piefke im dritten Glied die Menage. Da – Brot, Käse, drei Löffel Zucker, ein Maggiwürfel. Der Maggiwürfel ist Sondergefechtszulage. Es lebe der Führer. Und nun steh auf, du Trottel. Dienst – das Schlachtfeld absuchen nach Toten, Verwundeten et cetera pp. Allez hopp. Setz den Blechhut ab. Am Tage schießt’s nicht, die haben von der letzten Nacht genug.“ Mit langsamen Schritten stiegen sie den sanften Abhang hinunter, auf dessen Kamm sie vor wenigen Stunden gelegen hatten. Rechts und links von ihnen zog sich eine lange Schützenlinie quer durch das Gelände.

 

„Sei vorsichtig, wenn du auf einen Verwundeten stößt“, sagte Franz, „sie schießen noch mit dem letzten Blutstropfen in den Adern.“

 

Karl antwortete nicht. Er starrte vor sich hin. Der ist wie gestorben, dachte der lange Obergefreite und überlegte sich, ob er nach seinem ersten Nahkampf damals in Polen auch so völlig am Ende gewesen war wie dieser Neuling heute. Wenn man schon zwanzigmal „das Weiße im Auge des Feindes gesehen“ hat, wie es in der Verleihungsvorschrift für die bronzene Nahkampfspange hieß, die Czirwinskis Rock dekorierte, war man über Erschütterungen solcher Art hinweg. Stich, hau, tritt, beiß, damit du nicht gestochen, gehauen, getreten, gebissen wirst! Krieg ist Krieg! Das würde dieser Neubauer noch lernen.

 

Sie fanden den ersten toten Partisanen. Ein älterer Bauer, fünfzig mindestens, bekleidet mit weiten wollenen Hosen, an den Knien zerrissen, einen dicken Schal von undefinierbarer Farbe um den Leib, einer schmutzigen Pelzweste, die über der Brust geöffnet war. Ein Auge starrte zu dem blauen Himmel seiner Bergheimat hinauf, durch das andere war der tödliche Schuss gedrungen. Das war ich nicht, ging es Karl durch den Kopf; aber wie mit dumpfen Glockenschlägen dröhnte eine zweite Stimme in ihm: Was hilft dir, dass du das nicht warst. Hinten liegen zwei, um die hast du feige einen Bogen gemacht, weil du dort keine Ausrede gehabt hättest.

 

„Die Büchse haben sie natürlich mitgenommen, da findest du fast nie eine“, erklärte Franz sachlich, ehe sie weitergingen. Nur wenige Schritte von dem ersten entfernt, fanden sie noch zwei Tote. Einer von ihnen hatte die Augen geschlossen und lächelte, als habe sein letzter Atemzug der Freiheit gegolten.

 

Ein unerträglicher Schmerz ergriff Karl. Groß ist der Tod, wenn ihn die Gerechten erleiden. Ach, wie gut wäre es, an der Seite dieses Toten zu liegen.

 

„Nummer drei“, sagte Franz, „die Gruppe Lechleitner ist schon quitt. Nach Hitlers Norm: hundert für einen geht es nur, wenn die hundert nicht zurückschießen. Komm weiter, hier gibt’s nichts abzukochen.“

 

Rechts von ihnen hallte ein Schuss. Sie fuhren herum, aber es blieb alles still.

 

Czirwinski sagte: „Ein Verwundeter. Sie haben ihm den Fangschuss gegeben. Seine Leute müssen ihn für tot gehalten haben, denn sie schleppen jeden Verwundeten mit.“

 

Mit würgendem Kummer im Halse ging Karl weiter. Ein erstaunter Ausruf seines Nachbarn ließ ihn gleich wieder stehenbleiben.

 

„Na, sieh dir das doch mal an. Ein schneidiger Offizier, da staun’ ich aber.“

 

Karl trat näher. Da lag tatsächlich einer, der eine Uniform aus feinem Tuch trug. „Ein hoher griechischer Kommandant?“, fragte Karl dumpf.

 

„Unwahrscheinlich, die hohen Herren seiner Majestät werden sich kaum hier in den Bergen herumtreiben. Aber ein Kommandeur ist es bestimmt. Die Uniform wird er gefunden haben. Wir konnten nicht gleich jeden Bunker durchstöbern, als wir die Metaxaslinie überrannten. Da blieb für die Partisanen manches übrig. Jetzt könnten wir die Stellungen gut gebrauchen, die wir damals in die Luft gejagt haben. Aber wer hätte geglaubt, dass hier noch einmal HKL wird.

 

Wir wünschen Ihnen gute Stunden mit dieser Auswahl und viele überraschende Lesemomente. Bleiben Sie neugierig — herzlich, Ihre EDITION digital‑Redaktion.

 

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Verlagsleiterin
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Über "EDITION digital Pekrul & Sohn GbR"

 

EDITION digital war vor 31 Jahren ursprünglich als Verlag für elektronische Publikationen gegründet worden. Der Verlag gibt Krimis, historische Romane, Fantasy, Zeitzeugenberichte und Sachbücher (NVA-, DDR-Geschichte) sowie Kinderbücher als barrierefreie E-Book heraus, einige auch als Hörbuch. Ein weiterer Schwerpunkt sind Grafiken und Beschreibungen von historischen Handwerks- und Berufszeichen sowie Belletristik und Sachbücher über Mecklenburg-Vorpommern. Bücher von DDR-Autoren werden als E-Book neu aufgelegt. Insgesamt umfasst das Verlagsangebot, das unter www.edition-digital.de nachzulesen ist, mehr als 1.800 Titel. Die Printsparte des Verlages war Ende 2025 von Ralf Jordan vom Geschichtlichen Büchertisch als Imprint übernommen worden.

 

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