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Die unmoralische Tugend Nepomuks von Gerhard Branstner
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Preis E-Book:
4.99 €
Veröffentl.:
06.09.2022
ISBN:
978-3-96521-756-0 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 103 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Humorvoll, Belletristik/Kurzgeschichten
Belletristik: Humor, Belletristik: Erzählungen, Kurzgeschichten, Short Stories
Humor, Heiterkeit, lachen, Kurzgeschichten, Aphorismen
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Autorenschicksal

Nepomuk verfasste einen Roman, der ihm bald so spannend erschien, dass er es nicht erwarten konnte und sogleich das Ende schrieb.

Konferenzschaltung

Nepomuk hatte die Erfahrung gemacht, dass man sich zu gewissen Konferenzen, Sitzungen und dergleichen Veranstaltungen etwas zu arbeiten mitnehmen muss, wenn man die Zeit rationell ausnutzen will. Eines Tages entdeckte er, dass er unter anderen Bedingungen kaum noch arbeiten konnte. Als nun einmal eine Konferenz zu Ende ging, bevor er seine Arbeit geschafft hatte, beantragte Nepomuk ihre Verlängerung.

Die Konsequenz

Nepomuk hörte sich einen Vortrag an. Als der Redner am Ende Beifall klatschte, verbeugte sich Nepomuk höflich.

Der freie Fall

Nepomuk behauptete, das Skilaufen zu erlernen, übte aber nichts als das Fallen. Er fiel aus allen Positionen. Als er es darin zum wahren Meister gebracht hatte, machte ihn keine Angst mehr unsicher, und er erlernte nun das Laufen ganz leicht. Und wenn es ihn  dem Sturz das Nachsehen. „Ins Unvermeidliche“, unterrichtete er seine Bewunderer, „schickt man sich, indem man ihm zuvorkommt. Da ist man noch Herr seiner Mittel und kann dem mit Notwendigkeit Eintretenden die uns genehme Form geben.“

„Ist das nicht“, fragte einer der Bewunderer, „ein Exempel auf den berühmten Sprung von der Notwendigkeit in die Freiheit?“

„Ich bin der Notwendigkeit nicht entsprungen“, stellte Nepomuk richtig, „ich war nur im Vorsprung gegen sie. Freiheit ist Vorwegnahme der Notwendigkeit, anders wird man ihr Objekt.“

Die spezielle Relativitätstheorie

Nepomuk hatte sich einen Hut gekauft. Da dieser ihm jedoch zu groß war, trug er ihn stets in der Hand.

Befragt, weshalb er nicht einen anderen Hut kaufe, sagte Nepomuk: „Weil ich niemals ein Kleidungsstück beiseite lege, bevor ich es abgetragen habe. Der Hut aber ist noch ganz neu. Und zu groß ist er ja nur, wenn ich ihn aufsetze.“

Welthumor

Gefragt, weshalb er nicht an Gott glaube, erwiderte Nepomuk: „Weil mir nicht bewiesen werden konnte, dass Gott jemals gelacht hat. Wie aber könnte ein Mann, der diese Welt gemacht hat, ernst bleiben?“

Gefährdete Helden

Als einmal die Beobachtung gemacht wurde, dass die heiteren Helden der Menschheit, wie Till Eulenspiegel und seinesgleichen, weit weniger ehrendes Gedenken erfahren als die ernsten Helden, obgleich sie doch, was von den ernsten nicht immer gesagt werden könne, niemals einen Menschen ernstlich in Gefahr gebracht hätten, meinte Nepomuk:

„Wenn wir der heiteren Helden mehr gedächten, so könnten sie die ernsten durchaus in Gefahr bringen.“

Vorzug der Literatur

„Wenn man mich später einmal liest“, sagte Nepomuk allen Ernstes, „bekommt man ein ganz falsches Bild von unserer Zeit. Man wird denken, wir hätten viel gelacht.“

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