DDR-Autoren
DDR, CSSR, Sowjetunion, Polen ... E-Books, Bücher, Hörbücher, Filme
Sie sind hier: Der indiskrete Roboter. Utopische Erzählungen von Gerhard Branstner: TextAuszug
Der indiskrete Roboter. Utopische Erzählungen von Gerhard Branstner
Format:

Klicken Sie auf das gewünschte Format, um den Titel in den Warenkorb zu legen.

Preis E-Book:
6.99 €
Veröffentl.:
05.09.2016
ISBN:
978-3-95655-718-7 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 110 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Science Fiction /Action und Abenteuer
Klassische Science-Fiction-Literatur
er, 20. Jahrhundert, Kasernierte
Zahlungspflichtig bestellen

Der Altlotse hatte die Lorak einige Male um die Kapsel herumgeführt, um den günstigsten Ansatzpunkt zu finden, während Fredy den Roboter aus einer eigengesteuerten in eine fernzusteuernde Maschine verwandelt hatte. Damit waren alle Vorkehrungen getroffen, und Fredy stellte die Verbindung mit Boris her.

»Wir sind so weit, es kann losgehen!«

»Und Oskar«, erkundigte sich Boris, »können wir uns auf ihn verlassen?«

»Kannst ja eine Probe machen.«

Boris unterbrach den Videofonkontakt, sodass gesichert war, dass der Roboter ihn weder hören noch sehen konnte.

Fredy blickte gespannt auf Oskar. Der zeigte dem Junglotsen einen Vogel. Fredy stellte den Videofonkontakt wieder her und fragte Boris, was er dem Roboter befohlen habe.

»Er sollte dir einen Vogel zeigen.«

»Na bitte«, rief Fredy, »er funktioniert!«

Er beorderte den Roboter ohne weitere Umstände in-die Schleuse, und Gustav steuerte das Lotsenschiff in Schrittgeschwindigkeit auf die Kapsel zu. Doch da stoppte Boris das weitere Vorgehen.

»Genau unter mir«, rief er, »ist soeben ein kleiner Ballon an der Wasseroberfläche aufgetaucht!«

»Demnach«, konstatierte Gustav, »ist die Postschleuse betriebsfähig. An dem Ballon hängt die Postkassette. Sieh nach, was sie enthält. Das kann für unser weiteres Vorgehen von Wichtigkeit sein.«

Boris hatte bereits den Greifer ausgefahren und holte den Ballon mitsamt der Kassette an Bord des Unikraft. Nach einer kurzen Prüfung ihres Inhalts schloss er die Kassette wieder.

»Da ist keine Nachricht drin, nur wissenschaftliche Aufzeichnungen.«

»Das kann auch als eine Nachricht verstanden werden«, meinte Gustav, »jedenfalls ist es ein Lebenszeichen.«

Der Altlotse führte jetzt die Lorak vollends an die Kapsel heran, setzte mit sanftem Druck auf ihr auf und glitt über sie hin. Tatsächlich nahm die Lorak die Kapsel ein Stück mit, aber nur bis zum Kuhlenrand. Von dort rollte sie zurück.

»Also das Ganze noch mal!«, rief Gustav.

»Und wenn das auch nichts bringt?«, fragte der Junglotse.

»Dann bohre ich die Lorak unter der Kapsel in den Grund und schaufle sie heraus!«

Doch das war nicht nötig. Schon der nächste Versuch war erfolgreich. Die Kapsel rollte über den Rand der Kuhle und blieb einige Meter weiter, mit der Krampe nach oben, liegen.

»Jetzt ist die Krampe wieder zu hoch«, rief Fredy verzweifelt, »wie soll Oskar da hinaufkommen? Ich glaube, jetzt kann nur noch Boris helfen.«

»Das fehlte noch«, sagte Gustav, löste ohne ein weiteres Wort einen der Pilotensessel aus der Halterung, öffnete die Schleuse und stellte Oskar den Sessel vor die Füße. »Und jetzt ab mit dir!«

Fredy begriff und übernahm nun per Funk die Fernlenkung des Roboters. Sobald er aus der Schleuse war, ergriff er das freie Ende der Trosse, stapfte zur Kapsel, stellte sich auf den Sessel und befestigte die Trosse an der Krampe.

»Ist er nicht brav, unser Oskar?«, rief Fredy und befahl dem Roboter, zurückzukommen und den Sessel mitzubringen.

Oskar stieg auch sogleich vom Sessel, hob ihn an und bewegte sich auf die Lorak zu. blieb jedoch nach einigen Schritten stehen und war trotz aller Bemühungen Fredys nicht von der Stelle zu bringen.

»Wie es scheint«, sagte Gustav, »hat es ihn jetzt endgültig erwischt.«

Fredy blickte den Altlotsen ungläubig an. »Du willst ihn doch nicht etwa zurücklassen?«

»Was bleibt uns übrig? Die Leute in der Kapsel gehen vor.«

»Vielleicht liegt es nur am Leitgerät.« Fredy mühte sich verzweifelt, aber ohne Erfolg. »Das einfachste ist, ich hole ihn rein!«

»Das lässt du schön bleiben!« Gustav brachte die Lorak behutsam in Fahrt. »Du weißt, dass du den Druck in dieser Tiefe nicht aushalten würdest.«

Die Trosse straffte sich, und das Lotsenschiff zog, allmählich Höhe gewinnend, mit der Kapsel davon. Fredys Blick hing an dem Roboter, der dem standhaften Zinnsoldaten gleich mit dem Sessel in den vorgestreckten Armen einsam und allein zurückblieb.

Für den Fall, dass er sich erholen würde, gab der Junglotse Oskar den Befehl, zum Ostufer des Sees zu laufen. Die Lorak nahm Geschwindigkeit auf, und die Gestalt des Roboters verwischte sich zu einem undeutlichen Bild und entschwand endlich dem Blick.

»Armer Oskar«, sagte Fredy und wandte sich ab.

Der indiskrete Roboter. Utopische Erzählungen von Gerhard Branstner: TextAuszug