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Wo blüht denn blauer Mohn von Jan Flieger
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Preis E-Book:
7.99 €
Veröffentl.:
08.05.2014
ISBN:
978-3-86394-498-8 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 223 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Medizin, Belletristik/Liebesroman/Geschichte/20. Jahrhundert, Belletristik/Liebesroman/Militär, Belletristik/Liebesroman/Spannung
Belletristik: romantische Spannung, Liebesromane, 20. Jahrhundert (1900 bis 1999 n. Chr.)
Liebe, Taubstumm, Gehörlos, Binnenschiffer, NVA, DDR, Rügen
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Da stürmt der Läufer in das Zimmer. «He, Kussmaat. Anruf von unten - ’ne Puppe!»

Kussmaat schreckt hoch, denn er trägt nur die Turnhose und die Jacke des Trainingsanzuges.

«Für mich?», fragt er.

«Denkste für mich?», fragt der Läufer. «Wenn du sie nicht brauchst - ich nehme sie dir ab!»

Während Kussmaat sich überhastet anzieht und noch vergisst, einen Knopf zu schließen, fliegt die Botschaft durch alle Zimmer des Nachrichtenzuges: die Puppe vom Kussmaat! Jetzt stehen auch die am Fenster im Waschraum, die in den Zimmern auf den Betten gelegen haben. Und solange Kussmaat sich noch anzieht, nun ganz allein im Zimmer, kann man schon seine Witze machen. Aber die Münder bleiben offen. So ein Mädchen verschlägt ihnen den Atem: so blond! Und die Figur! Beine hat die! Mann! Da kann man verstehen, dass Kussmaat so wild ist, wenn er an sie denkt.

«Aber sie lässt ihn nicht ran», witzelt Eddi. «Das sieht man der an. Die ist stolz. Der schönste Pudding ist blöd, wenn man ihn nicht essen kann.»

Das erste Diensthalbjahr schweigt, auch Siggi, obwohl er etwas sagen möchte, aber er verkneift sich die Bemerkung.

Und eigentlich hat ja Eddi auch recht. Nur würde er die Worte vor Kussmaat sagen?

Kussmaat läuft die Treppe hinab, nimmt drei Stufen auf einmal, stößt zusammen mit Leutnant Wulf von den Aufklärern, der um die Ecke biegt.

«Sie haben wohl persönlichen Alarm, Genosse Müller?»

«So kann man das sagen, Genosse Leutnant», platzt Kussmaat atemlos heraus.

Leutnant Wulf lacht. «Na, dann laufen Sie los!»

Miriam steht vor der Tür des Besucherraumes.

«Hallo, Miriam.» Kussmaat sieht verstohlen hoch zu dem Fenster, durch das die Soldaten des Nachrichtenzuges herabblicken, Gesicht an Gesicht! Und er begreift, warum sie das Hörgerät nicht mag und es auch heute nicht trägt.

Miriam küsst ihn ohne Scheu. Oben am Fenster antwortet ein «Hallo», sodass alle Besucher, die das Tor passieren, hochschauen und dann zu Kussmaat und Miriam.

Der Besucherraum ist voll, aber in einer Ecke finden sie doch zwei freie Stühle.

«Ausgangssperre», sagt Kussmaat. «Ich wollte dir heute schreiben.»

«Was ist das?», fragt Miriam.

«Ich kann nicht raus», sagt Kussmaat. «Wegen einer Schlägerei mit einem aus der dritten Batterie.»

«Du schlägst dich?»

«Wenn man mich reizt», sagt Kussmaat, «dann ..., der hat eine Taube gequält, dieser Röger.»

«Schlagen ist nicht gut», sagt Miriam. «Wer sich schlägt, ist schwach.»

«Ist schwach!», lacht Kussmaat. «Wer keine Angst hat? Vor keinem? Auch wenn es zwei sind, drei?»

«Schlag dich nicht mehr, Bert.»

Kussmaat blickt Miriam zornig an, aber ihre Augen besänftigen ihn wieder. «Na ja», sagt er, «wenn du es unbedingt willst. Aber dieser Röger ...»

«Versprich es mir», fordert Miriam.

Ist die hartnäckig, denkt Kussmaat. Aber wenn er an diesen Röger denkt. Schon der Name ist eine Zumutung. Wie kann man so einen blöden Namen haben.

Miriam legt ihre Hand auf seine Hand. «Bitte, Bert! Schlägereien zeugen nicht von Stärke.»

Kussmaat weicht Miriams Augen aus, doch der Druck ihrer Hand wird fester, dringlicher. Und Kussmaat weiß: Was man diesem Mädchen verspricht, das muss man auch halten. Aber ein solches Versprechen? Wegen ein Paar schöner Augen? Begann so ein «Pantoffelleben»?

«Gut», stößt er endlich durch die Zähne, weil er Miriams Augen nicht ausweichen kann, aber er glaubt selbst nicht an die Ehrlichkeit seiner Antwort.

«Wie bitte?», fragt Miriam. «Entschuldige, ich habe dich nicht verstanden.»

«Ich verspreche es», murmelt Kussmaat und wiederholt die Worte, als Miriam ihn fragend anblickt. «Aber nun hör auf davon. Ich habe schon Krach genug.»

Und es ärgern ihn die Stimmen im Raum und das Lachen, überhaupt sitzt er plötzlich da mit einer Wut im Bauch, die er sich nicht erklären kann.

«Was hast du, Bert?», fragt Miriam.

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