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Begegnung mit Bin Laden, Mysteriöse Morde auf dem Jakobsweg sowie der Unterschied zwischen Wanden und Pilgern - Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

Achtung, bevor Sie weiterlesen, noch ein wichtiger Hinweis: Ab Mai 2026 versendet EDITION digital diesen Newsletter sowie die aktuellen Pressemitteilungen nicht mehr per E-Mail. Diese Texte können Sie aber zumeist sogar eher selbst unter den Internet-Adressen https://edition-digital.de/Blog/ (bisheriger Newsletter) und https://edition-digital.de/Presse/ (Pressemitteilungen) finden. Probieren Sie es doch jetzt schon mal aus – zum Eingewöhnen.

(Pinnow 20.02. 2026) – Obwohl das zweite der insgesamt fünf aktuellen digitalen Sonderangebote dieses Newsletters, die sieben Tage lang zum Sonderpreis im E-Book-Shop www.edition-digital.de (Freitag, 20.02. 2026 bis Freitag, 27.02. 2026) zu haben sind, bereits 2020 erstmals exklusiv als E-Book bei EDITION digital veröffentlicht wurde, passt es gut zu aktuellen Debatten über die Gesellschaft und ihre Medien, über Wahrheit, Manipulation und Fake-News sowie zum Thema Medienkompetenz und informationellen Selbstschutz.

Und diese Empfehlung Numero Zwei von Guido Pauly hat auch einen hübschen Titel: Die Rede ist von dem erstmals vor sechs Jahren veröffentlichten Buch „Die frühe Katze fängt den Vogel, der den späten Wurm verschmäht“. Guido Pauly hat darin den Wahnsinn, den die Medien öffentlich verbreiten, sowie skurrile Begegnungen und Erlebnisse zu kleinen humoristischen Texten verarbeitet: Zu politischen Satiren, Grotesken, witzigen Anekdoten. In einer Rezension der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) hieß es anerkennend und neugierig machend: „Guido Pauly belauscht die Wirklichkeit, hört und sieht hin. Seine Pointen sind keine schnellen Schenkelklopfer, sondern haben doppelten Boden.“ Und so lesen sich die Texte dieses am 12. Mai 1971 in Cochem an der Mosel geborenen und heute in Duisburg lebenden und schreibenden Autors, der an den Universitäten in Trier und in Koblenz Politikwissenschaft und Sozialkunde studiert hatte, als Dozent an der VHS Duisburg arbeitet und seit 2011 ständiger Mitarbeiter der Satirezeitschrift „Eulenspiegel“ ist.

Hier die zweite von vielen, vielen kleinen Geschichten, in der von einem Fährnis unterwegs berichtet wird:

UNBEGRÜNDET

Beim Besteigen der Fähre, die von Norddeich Mole auf Norderney führt, fiel er mir auf: Dieser Typ mit langem Rauschebart à la Bin Laden und den Augen, die nichts Gutes verhießen. Er stellte seinen Koffer aufs Laufband. Ich sagte mir, dass es nichts zu fürchten gäbe außer der Furcht. Aber dann: Gewissheit! Auf seinem schwarzen Pullover prangten weiß die Buchstaben „IS“. In Panik klammerte ich mich an einen Rettungsring und beobachtete die Lage. Angstschweiß lief mir in die Unterhose. Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich Festland. Nichts wie weg! Ein fester Schultergriff stoppte mich: „Entschuldigen Sie bitte, mein Herr, Sie haben versehentlich meinen Koffer genommen.“ Er war es: Der Langbart mit den dunklen Augen und – sympathischem Lächeln. Ein Blick auf den Kofferanhänger: „Ingo Schmitz“.

Waren Sie eigentlich auch schon mal schon mal auf dem Jakobsweg? Je nachdem, wie jetzt Ihre Antwort ausfällt, hat das Newsletter-Team die folgenden Empfehlungen für zwei Bücher von Ulrich Hinse – das ist der mit den Schwerin-Krimis mit dem vornamenlosen EKHK Raschke und mit dem „Glatteisagenten“ – angepasst. Falls Sie auch schon mal weg waren, können Sie gut vergleichen, falls nicht, dann bekommen Sie einen Eindruck von diesem physischen wie psychischen Abenteuer, das mitunter allerdings auch gefährlich werden kann, sogar tödlich gefährlich. Diesen Eindruck vermittelt zumindest der erstmals 2009 sowohl als gedruckte Ausgabe wie auch als E-Book erschienene Krimi „Das Jakobsweg-Komplott“. Dieses Buch ist zugleich Teil 4 seiner Reihe „Das Gold der Templer“.

Mysteriöse Morde lassen die Pilger auf dem Jakobsweg von den Pyrenäen bis Santiago de Compostela erschaudern. Zufällig wurde einer der Pilger, der deutsche Kriminalhauptkommissar Raschke aus Mecklenburg-Vorpommern, Zeuge einer Tat. Zunächst scheint die Begegnung zufällig. Dann jedoch beginnt eine Mordserie, die parallel zur Pilgerwanderung des Polizisten geschieht. Auch auf Raschke, der offenbar als lästiger Zeuge beseitigt werden soll, werden Anschläge verübt. Für die spanische Polizei wird der Deutsche zum Lockvogel, der sie zu den Tätern führen soll. Schon bald zeichnet sich ab, dass es bei den Morden um das verschwundene Gold der Templer geht und die Jagd nach dem Killer erst in Santiago de Compostela zu Ende sein könnte. Gelingt der spanischen Polizei rechtzeitig die Entlarvung der Täter und Hintermänner oder schaffen es die einfallsreichen Mörder, den deutschen Pilger aus dem Weg zu räumen?

„Das Jakobsweg-Komplott“ ist ein spannender Krimi über den Jakobsweg und über das Mysterium des Templerschatzes. Die drei vorhergehenden Teile der „Das Gold der Templer“-Serie sind „Das Gold der Templer. Ein historischer Roman über den Verbleib des Templerschatzes anno domini 1307“ (2014), „Der Traum des Templers und seine Reise über das Atlantische Meer. Ein historischer Roman über die Südamerikareise der Templer“ (2016) und „Das Gold der Andentempler. Ein historischer Roman über den Aufenthalt der Templer bei dem Volk der Chachapoya in den Anden“ (2017).

2014 veröffentlichte Ulrich Hinse zudem das E-Book „Ein Mecklenburger auf dem Jakobsweg von Pamplona nach Santiago de Compostela vom 3.Mai 2007 bis 8. Juni 2007“: Wandern oder pilgern? Wo liegt der Unterschied? Mit dem Rucksack von A nach B laufen kann man auch in Deutschland, genauso weit und ebenso lange. Dafür muss man nicht extra nach Spanien reisen. Stimmt. Trotzdem gibt es einen Unterschied.

Zusammen mit Menschen jeden Alters und aus aller Welt auf demselben Weg, mit einem geneinsamen Ziel, eine kollektive Erfahrung gewinnen, macht den Unterschied aus. Und, der Jakobsweg ist ein Erlebnis, das zwischen Magie und allzu Menschlichem liegt. Der Weg wird zum Spiegelbild des eigenen Lebens. Er kennt keine Kompromisse. Er ist beschwerlich. Jeden Tag, jeden Tag anders. Er ist schön, abwechslungsreich, langweilig und öde. So wie das Leben auch.

Den Jakobsweg gelaufen zu sein, wird niemand vergessen. Es handelt sich nicht umsonst um den Weg zum Sternenfeld, nach Compostela.

Und jetzt machen wir einen großen Sprung – zeitlich wie geografisch. Erstmals 1973 war im Verlag der Nation Berlin „Unterwegs zu Angela. Amerikanische Impressionen“ von Walter Kaufmann erschienen. In dieser packenden Reportage, die im Jahr nach dem Freispruch in allen Anklagepunkten für die amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis geschrieben worden war, gelingt Walter Kaufmann ein lebendiges Porträt der damals 29-jährigen Angela Davis. Kaufmann berichtet von ihrer Kindheit und Jugend, ihrer politischen Entwicklung, von der Arbeit der Solidaritätskomitees für Angela Davis und von den Vorgängen vor und während des gegen sie angestrengten Prozesses.

Zugleich bietet „Unterwegs zu Angela“ aufschlussreiche Einblicke in die US-amerikanische Gesellschaft dieser Zeit – von den Ungerechtigkeiten gegenüber der schwarzen Bevölkerung bis zum Thema Todesstrafe. Und man darf sich fragen: Was hätte Walter Kaufmann wohl heutzutage über Präsident Trump und seine innen- wie außenpolitischen Eskapaden geschrieben?

Und damit sind wir wieder beim aktuellen Beitrag der Rubrik Fridays for Future angelangt. Jede Woche wird an dieser Stelle jeweils ein Buch vorgestellt, das im weitesten Sinne mit den Themen Klima, Umwelt und Frieden zu tun hat – also mit den ganz großen Themen der Erde und dieser Zeit. Auch heute geht es noch einmal zurück in die deutsche Geschichte, in die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Erstmals 1945 erschien im Aufbau-Verlag GmbH Berlin „Stalingrad. Der große Krieg im Osten, 2. Buch“ von Theodor Plievier. „Stalingrad“ ist kein Roman über Helden, sondern ein schonungsloser Bericht über die Entmenschlichung im Krieg. Theodor Plievier zeigt in drastischen, dokumentarisch verdichteten Bildern, wie Soldaten zwischen Kälte, Hunger, Angst und Befehlssystemen zermahlen werden - ein eindringliches Mahnmal gegen die Grausamkeit des Krieges und jede Verklärung militärischer Gewalt.

Das Buch zieht einen von der ersten Zeile an in seinen Bann:

„1

Und da war Gnotke.

Es war ein grauer Novembertag, und August Gnotke hatte einen Spaten in der Hand. Acht Meter lang war die Grube und zwei breit und anderthalb tief, an welche Gnotke, Aslang, Hubbe, Dinger und Gimpf die letzte Hand angelegt hatten. Unteroffizier Gnotke, Feldwebel Aslang, die Gefreiten Hubbe und Dinger und der Soldat Gimpf unterschieden sich in nichts voneinander. Sie trugen keine Schulterklappen und keinerlei Abzeichen, und ihre Hände und Gesichter waren ebenso wie die Uniformen, es schienen vor langer Zeit einmal Hände und Gesichter und Uniformen gewesen zu sein.

Der letzte Spatenstich war gemacht.

Hubbe und Dinger, Gnotke und Gimpf ergriffen je ein Traggestell. Ihre Bewegungen waren langsam, aber eine folgte der anderen, kein Aufblicken und keine Pause. Nachdem sie die Spaten in den aufgeworfenen Erdhaufen gesteckt und die Traggestelle aufgenommen hatten, trotteten sie davon und verschwanden im Dunst. Es war in der Gegend östlich Kletskaja und in der Schleife, die der Don zwischen Kletskaja und Wertjatschi bildet, und es war im Bereich der 376. Infanteriedivision. Linker Hand, das heißt im Westen, wälzte der Don seine erste eisgraue Winterdecke abwärts, und im Rücken und zwei Tagemärsche ostwärts war wieder der Don, der hier einen Bogen beschreibt, und jenseits des Don und nochmals zwei Tagemärsche ostwärts lag die Wolga und lag Stalingrad. Hier befand man sich an der am Donbogen angelehnten nördlichen Flanke der Front. Voraus und im Rücken, unter den Füßen und in der Luft, hier war Front.

Und so verlangte es der Armeebefehl für die Feldstrafgefangenenabteilung: 3 „Die Strafverbüßung erfolgt unmittelbar in der vorderen Linie. Der Strafvollzug besteht in der Ausführung beschwerlichster und gefährlicher Arbeiten, als Minen räumen, Leichen bestatten, Bauen von Knüppeldämmen im Sumpf usw., unter Feindeinwirkung, Artilleriefeuer usw.“´

Was als spirituelle Auszeit auf dem berühmten Pilgerweg beginnt, entwickelt sich in „Das Jakobsweg-Komplott“ von Ulrich Hinse rasch zu einem nervenaufreibenden Spiel aus Beobachtung, Täuschung und tödlicher Bedrohung. Zwischen idyllischen Landschaften und der scheinbaren Ruhe des Camino verdichten sich Hinweise auf ein verborgenes Netzwerk, das weit über persönliche Zufälle hinausreicht.

Die folgende Leseprobe führt mitten hinein in einen Moment, in dem aus Misstrauen akute Gefahr wird – und deutlich wird, dass auf dem Jakobsweg nicht nur nach innerer Erkenntnis gesucht wird, sondern auch dunkle Pläne ihren Lauf nehmen.

Nach einem recht abenteuerlichen Wegstück, bei dem Raschke über schmale Granitsteine durch ein von einem klaren Bächlein durchflossenes Schotterfeld balancieren musste, kam er in einen Hohlweg, der durch einen dunklen Eichenhain führte. Links und rechts des Weges lugten aus den Spalten mehr als ein Meter hoher Natursteinmauern allerlei Pflanzen hervor. Unvermittelt kam aus einer schmalen Öffnung in der Mauer ein Kampfhund, machte einige Schritte, drehte sich zu Raschke um und blieb mitten auf dem Weg stehen. Ein Mastino, schoss es Raschke durch den Kopf. Der hat mir gerade noch gefehlt. Bisher hatte es auf dem ganzen Weg keine Probleme mit Hunden gegeben. Der hier aber sah gefährlich aus, wie er mitten auf dem Weg stand und ihm entgegenstarrte. Raschke ließ seine Wanderstöcke fallen. Nicht vor Schreck oder Angst, sondern um besser in seiner Tasche nach dem Pfefferspray kramen zu können, das er speziell für solche Fälle mitgenommen hatte. Während er immer hektischer suchte, begann der Hund langsam auf ihn zuzutraben. In diesem Moment erkannte Raschke den Briten, der im Halbdunkel zwischen den Eichen auf der anderen Seite der Feldsteinmauer stand und die Szene beobachtete. Wo der Brite war, konnte auch Ulla nicht weit sein, dachte Raschke und wollte gerade nach ihr rufen, als an dem Weg, wo der Hund hergekommen war, mit ausdruckslosem Gesicht der Mann im Trenchcoat erschein, eine Hundepfeife im Mund und beide Hände lässig in den Taschen. Ein Handy klingelte. Als sei dies sein Startzeichen gewesen, trabte der Hund schneller auf Raschke zu. Noch wenige Meter und er würde zum Sprung ansetzen. Raschke hatte sein Pfefferspray immer noch nicht gefunden und nahm schützend die Arme hoch, weil er jeden Moment den Sprung des Hundes erwartete, als plötzlich ein Schuss fiel. Raschke blieb fast das Herz stehen. Er erwartete den Schmerz oder das Dunkel. Aber er fühlte nichts. Adrenalin schoss durch seinen Körper. Er war keines kontrollierten Gedankens fähig. Wie in Zeitlupe sah er den Hund, der gerade zum Sprung ansetzte, nach vorne wegknicken und in den Dreck fallen. Der massige Körper überschlug sich, rutschte, vom eigenen Schwung getragen, noch einen Meter über den Schotter, blieb genau vor seinen Füßen liegen, zuckte noch mehrmals, dann streckten sich die Läufe. Das Tier war tot. Wie gebannt starrte Raschke auf den toten Hund und nahm kaum wahr, was um ihn herum passierte.

Der Brite war bei dem Schuss oder Sekunden vorher zwischen den Eichen verschwunden. Der Trenchcoatmann, der dem Hund langsam gefolgt war, versuchte nach einem Moment der Schreckensstarre zurück in die sichere Deckung der Mauer zu laufen, hinter der er hervorgekommen war. In diesem Moment rannte ein athletischer Mann im dunklen Sweetshirt und Wanderhose mit gezogener Waffe an Raschke vorbei und verfolgte den Fliehenden. Der blieb mit seinem Mantel an einem Stein in der Mauer hängen, zog seine Hand aus der Tasche, hatte plötzlich eine Waffe in der Hand und zielte auf seinen Verfolger. Raschke ließ sich instinktiv fallen und kam neben der Hundeleiche zu liegen. In den nächsten Schuss mischte sich ein lauter Schrei, der in jammerndes Stöhnen überging. Noch immer am Boden liegend, mit der Nase im Dreck und dem Rucksack im Genick, hörte Raschke das charakteristische metallische Ratschen, das immer dann entsteht, wenn Handschellen einrasten. Jetzt blickte er auf.

Der junge Wanderer hob gerade ein Handy auf, das dem Festgenommenen aus der Tasche gefallen sein musste, blickte auf das Display und hielt es dem Verletzten wortlos unter die Nase. Der reagierte nicht, sondern starrte an dem Beamten vorbei ins Leere, wobei er stöhnend versuchte, trotz der Handschellen seine Hände auf die Verletzung an der Schulter zu pressen. Der Spanier kümmerte sich nicht um ihn, sondern half Raschke auf die Beine. Mühsam, durch den Rucksack behindert, stemmte er sich am Arm des Helfers hoch. Dabei konnte er einen Blick auf das Display des Handys werfen. Plan autorizado. Muy exito.- Plan genehmigt. Viel Erfolg war zu lesen.

Ein zweiter Spanier, ähnlich angezogen wie sein Retter, hastete atemlos auf sie zu und bedeutete Raschke, er möge weiterwandern. Raschke zögerte. Aber die energische Handbewegung ließ es ihm ratsam erscheinen, die Aufforderung nicht zu ignorieren. Ein weiterer Spanier kam, unterhielt sich kurz mit den anderen beiden, grüßte Raschke freundlich, zog ihn mit sich und begleitete ihn die nächsten Minuten. Das war Raschke angenehm, denn der Brite ging ihm nicht aus dem Sinn. Während sie gemeinsam über den Camino wanderten, wollte ein Gespräch nicht so richtig aufkommen. Deshalb stellte Raschke seine Kommunikationsversuche ein und wanderte schweigend neben seinem Begleiter her. Kurz vor Portomarin, als sie auf Pilger trafen, die gerade ihre Rast beendet hatten, machte sein Begleiter unvermittelt kehrt, ließ ihn kommentarlos allein und verschwand in einer kleinen, dunklen Gasse zwischen den Häusern eines kleinen Weilers. Raschke schaute ihm einen Moment irritiert hinterher, drehte sich dann aber um und wanderte noch immer wie in Trance weiter nach Portomarin. Auf einer Holzbank in einem kleinen Park mit Blick auf den Stausee blieb Raschke sitzen. Jetzt fand er Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten. Die Stille des Parks und die beruhigende Aussicht auf das ruhige Wasser, aus dem die steinigen Mauern einiger Ruinen ragten, tat das Ihrige. Kaum hatte er sich gesammelt, als sein Handy klingelte. Lopez Castela war am Apparat.

In seinem persönlichen Pilgerbericht „Ein Mecklenburger auf dem Jakobsweg von Pamplona nach Santiago de Compostela vom 3.Mai 2007 bis 8. Juni 2007“ schildert Ulrich Hinse eindrucksvoll die Herausforderungen, Begegnungen und inneren Momente auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Zwischen körperlicher Anstrengung, wechselhaftem Wetter und stillen Augenblicken der Besinnung entsteht das authentische Bild einer Reise, die weit mehr ist als nur das Zurücklegen von Kilometern.

Die folgende Leseprobe führt in einen Abschnitt, in dem Naturgewalten, Durchhaltevermögen und die besondere Atmosphäre des Camino aufeinandertreffen – ein Moment, der beispielhaft für die Intensität und die unvergesslichen Erfahrungen dieser Pilgerreise steht.

In der Nacht zum 23. Mai tobte in den Bergen der Maragateria rund um Rabanal ein schweres Gewitter. Ich hatte in meinem Hostal ein Dachzimmer mit schrägem Fenster. Als ich durch das Krachen und den platschenden Regen wach wurde, befürchtete ich, die Hagelkörner könnten die Scheibe zerschlagen. Aber es ging gut. Am Morgen regnete es nicht mehr und frohen Mutes begann ich mit dem Aufstieg zum Cruz de Ferro. Der Anstieg von acht Kilometern wurde von mir auf Grund von Ratschlägen österreichischer Alpenwanderer langsam und mit kleinen Schritten begonnen. Als ich allerdings eine neue Regenfront von Astorga in Richtung meiner Wanderstrecke ziehen sah, wurde mein Schritt deutlich schneller. So schnell bin ich noch nie einen Berg hinaufgelaufen. Und trotzdem hatte es nicht gereicht. Gut fünfhundert Meter vor Foncebadon, ich sah die Häuser schon vor mir, wurde ich geduscht. So schnell konnte ich meinen Regenponcho gar nicht aus seiner Verpackung ziehen, wie das Wasser vom Himmel kam. Unterstellmöglichkeiten gab es nicht. Ich stand mitten auf der Straße. Grinsend fuhren einige spanische Bauarbeiter in ihren Fahrzeugen an mir vorbei. Sie hatten schon den einen oder anderen Pilger eingeladen und keinen Platz mehr für mich. So stand ich bedröppelt im rauschenden Regen und vergaß in der Hektik, bei dem Poncho das Schutzfach für den Rucksack aufzuziehen. Also, wieder runter mit dem Regenschutz, Rucksackfach öffnen und alles noch mal von vorn. Zur schweißnassen Kleidung kam jetzt auch noch die Regennässe. Endlich war die Dusche vorbei. Die anderen gingen mit trockenen Sachen, ich mit nassen in der Hoffnung, der starke Wind möge sie trocknen. Tat er aber nicht, denn es zog dichter Nebel auf. Um ein Haar hätte ich so auch noch das Cruz de Ferro verpasst. Unvermittelt tauchte das kleine eiserne Kreuz auf dem langen Baumstamm aus dem dichten Nebel auf. Oben auf dem Steinhaufen direkt am Kreuz sah ich Marianne, wie sie ihre Mitbringsel sehr würdig ablegte, einen Moment verharrte und dann auf der anderen Seite im Nebel verschwand. Ich musste einen Moment warten, weil eine Gruppe italienischer Radpilger ihre Erinnerungsfotos machen wollten. Dann kam ich an die Reihe. Stein ablegen, einen Pilger aus Italien bitten, ein Beweisfoto zu machen, und weiter ging es.

In „Unterwegs zu Angela. Amerikanische Impressionen“ verbindet Walter Kaufmann persönliche Reiseeindrücke mit politischer Zeitgeschichte. Seine Begegnungen und Gespräche zeichnen ein vielschichtiges Bild der Vereinigten Staaten – eines Landes zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen demokratischem Selbstverständnis und gesellschaftlicher Polarisierung.

Die folgende Leseprobe führt mitten hinein in ein Gespräch über den aufsehenerregenden Prozess gegen Angela Davis. Sie zeigt, wie stark Emotionen, politische Überzeugungen und moralische Verantwortung aufeinanderprallen – und wie sehr Rechtsprechung und öffentliches Urteil auseinandergehen können.

„,Sie sind also einer dieser verdammten Geschworenen', sagte der Ladenbesitzer zu mir. „’Lassen Sie sich gesagt sein, mit Ihnen will ich nicht mal sprechen, über diesen ganzen Fall will ich kein Wort hören - kein Wort!‘ Darauf sagte ich zu ihm: ,Sie beziehen Ihre Informationen nur aus den Zeitungen, aber wir haben dreizehn Wochen in diesem Gerichtssaal gesessen, lang genug, glaube ich, um uns ein Urteil erlauben zu können.’ Danach bemühte er sich, ein bisschen freundlicher zu sein. Vielleicht aber auch nur, weil ich schließlich ein Kunde bin.“

Mr. Seidel erhob sich und kam gleich darauf mit einem Brief zurück, den er eben erhalten hatte.

„Lesen Sie das“, sagte er. „Erinnert Sie womöglich an das Deutschland der dreißiger Jahre.“

„Ein Mann Ihres Alters sollte sich schämen“, stand da in ungelenker Handschrift. „Sie sollten sich hüten, rechtlich denkenden Bürgern unter die Augen zu kommen - entweder die Geschworenen waren Kommunisten, oder sie waren gekauft, oder einfach dumm. Andere Erklärungen für diesen unerhörten Freispruch dieser Mörderin Angela Davis gibt es nicht. Ihren Namen werden wir uns merken!“

Der Brief war nicht unterzeichnet.

Mr.Seidel schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. „Gleichviel“, sagte er, „wir taten, was uns unser Gewissen gebot.“

„Mich interessiert Ihr Anteil an der Beratung der Geschworenen.“

„Nun, etwas Wesentliches habe ich schon beigetragen“, erwiderte er nach kurzer Pause. „Ich schlug nämlich der Vorsitzenden Mistress Timothy vor, erst einmal über den Anklagepunkt Verschwörung zu beraten - denn falls wir zu dem Schluss kommen sollten, dass es keine Verschwörung gab, dann blieb nicht viel von den restlichen Anklagepunkten Entführung und Mord. Das leuchtete ein und beschleunigte die Diskussion - bereits am Sonnabend standen wir in Bezug auf Verschwörung so dicht vor einer Übereinstimmung, dass es am Sonntag nur noch wenig zu beraten gab.“

„Dann war Ihr Beitrag tatsächlich entscheidend“, sagte ich.

Er sah mich mit Genugtuung an.

„Wir haben alle unseren Teil beigetragen“, meinte er bescheiden, „besonders Mistress Timothy.“

Aber dann, offensichtlich in dem Bewusstsein, dass es sich bei dem Gespräch nicht einfach um eine Unterhaltung zwischen Bekannten handelte, setzte er hinzu: „Was mir die Entscheidung erleichterte, waren die Belehrungen des Richters, bei berechtigtem Zweifel an der Schuld für die Angeklagte zu entscheiden - aus keiner meiner vielen Notizen während des Prozesses ergab sich irgendein klarer Beweis für Angela Davis’ Schuld.“

Da einem selbst im Homeoffice bei den zurzeit teils arktischen Temperaturen die Finger steif frieren und längeres Schreiben schwer machen, machen wir es jetzt nur noch ganz kurz und beantworten die selbstgestellte Frage nach der Herkunft des Namens „Jakobsweg.

Spätestens seit dem 2015 auch verfilmten Bestseller „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling (2006) dürfte diese Reise nach Santiago de Compostela und zu sich selbst viel mehr Menschen ein Begriff und die erste Hälfte des Buchtitels „Ich bin dann mal weg“ zu einem geflügelten Wort geworden sein. Aber warum heißt es eigentlich Jakobsweg?

Auch zu dieser Frage leistet uns Wikipedia erste, zweckdienliche Hilfe und führt dazu unter dem Abschnitt „Namensherkunft“ und damit zu unserem Thema aus:

„Die erste Erwähnung des Jakobsweges stammt aus dem Jahre 1047. In einer Urkunde des Hospitals von Arconada, Provinz Palencia wird die nordspanische Hauptverkehrsachse als „Weg, der seit alten Zeiten von Pilgern des hl. Jakobus und Peter und Paul begangen“ bezeichnet. Es ist die erste urkundliche Erwähnung dieser Straße überhaupt; sie bringt den Weg von vorneherein mit dem Grab des heiligen Jakobus in Galicien in Verbindung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Jakobsweg auch für andere historische Routen von Jakobspilgern in Europa verwendet.

Demgegenüber hat sich eine internationale, 1985 vom Europarat eingesetzte und bei der Regierung der autonomen Region Galicien angesiedelte Expertenkommission auf eine Nomenklatur verständigt, nach der lediglich die nordspanische Hauptverkehrsachse die Bezeichnung Camino de Santiago (Jakobsweg) tragen soll. Alle anderen Routen werden als „Wege der Jakobspilger“ bezeichnet. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass für den Camino Francés die Benutzung durch Jakobspilger als Hauptfunktion angenommen wird, während es sich bei den anderen Wegen um Altstraßen gehandelt hat, die auch, aber nicht in erster Linie, den Pilgern dienten.

Der Pilgerweg wird auch als Sternenweg bezeichnet.“

Soweit Wikipedia. Und zum Teufel nochmal, wer war denn nun dieser Heilige Jakob/Jacobus, zu dessen Grab jedes Jahr so viele Leute laufen. Dazu mehr nächste Woche … Es ist kalt, Freunde!

Bleiben Sie ansonsten weiter vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher gewogen. Die nächsten Sonderangebote für den Übergangs-Newsletter vom Faschingsmonat Februar zum Buchmessemonat März werden wieder einmal ganz traditionell über Land verschickt – mit dem Pferdewagen oder mit dem Pferdeschlitten. Das hängt von der vorherrschenden Wetterlage ab …

Zu den fünf neuen Sonderangeboten gehört erneut ein Roman von Theodor Plievier: Erstmals 1952 war im Verlag Kurt Desch GmbH München-Wien-Basel. „Moskau. Der große Krieg im Osten, 1. Buch“ erschienen. „Moskau“ ist der schonungslose Auftakt von Theodor Plieviers monumentalem Kriegsroman über den deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Mit dokumentarischer Wucht und literarischer Präzision zeigt Plievier, wie aus militärischen Befehlen Tod wird, wie Ideologie Menschen verformt und wie der Krieg nicht nur Städte und Dörfer vernichtet, sondern auch Moral, Mitgefühl und Gewissheiten. Dieses Buch ist keine Heldengeschichte, sondern ein erschütterndes Zeugnis der Entmenschlichung im Krieg - und eine eindringliche Warnung an spätere Generationen.

Und so beginnt „Moskau“:

„ERSTER TEIL

„Wer als erster von seinem vorgeschobenen Gefechtsstand aus die Zinnen der Stadt Moskau erblickt, dem wird die Palme des Sieges zufallen!“

Aus einem Tagesbefehl des XII. Deutschen Korp

1

Erstlich, zum andern, zum dritten haben wir, haben wir … Nun, das haben wir auch– Landsknechte und Pferde und Büchsenstücke, auch einige Fähnlein Welscher und Spanier, auch Schanzer mit Haue und Spaten (das sind zumeist evakuierte Juden, wobei ich der Meinung bin, dass die Brüder zu Erdarbeiten nicht viel taugen), und erobert und gewonnen haben wir mehr als eine Stadt, und die Städtlein, und Ländlein drum herum, geplündert haben wir sie auch, obwohl das heute anders heißt … Rohstoffe, Halbfabrikate, Fertigwaren sind restlos zu requirieren und zu konfiszieren usw. Und auch darin stimmt das Beispiel, da sind wir nun gekommen vor eine Stadt, die zwar nicht Terbona heißt, vielmehr ist es ein ganzes und großes Land, und mit der Hilfe Gottes wollen wir es gewinnen und verderben … „Aber was soll dieser Scherz, was soll mir das?“

Generalleutnant von Bomelbürg legte das Faksimile des alten Dokuments auf den Tisch zurück, zu dem am gleichen Tag eingegangenen Tagesbefehl und der ebenfalls eingegangenen „Geheimen Kommandosache“; die Lupe, der er sich bedient hatte, auch die Brille, legte er dazu. Er wandte sich der Tür zu und rief seinen Adjutanten.

Der Adjutant trat ein.

Es war in der Stube eines polnischen Bauernhauses. Der Schreibtisch des Generals nahm fast den ganzen Raum ein. Es waren da noch Stühle, doch die waren mit Papieren und Aktenstücken belegt.

„Nehmen Sie Platz, mein Guter!“

Major Butz musste erst einen Stoß Papier wegräumen. Er setzte sich neben den General, sein Gesicht in der Nähe von dessen linkem Ohr.

„Was soll das hier also?“, fragte der General. „Das hat Herr Oberst Schadow aufgestöbert, in einem Archiv in Lodz, ein Dokument aus dem Jahre 1537, aus einem der Feldzüge Karls V. Er meinte, dass es Herrn General interessieren könnte!“

„Ach, wegen dieses Herrn Kunrat Bomelbürg! Nun, solche Bomelbürgs hat es wahrscheinlich etliche gegeben. Ich weiß nichts davon; ich weiß von meinem Vater und Großvater, und der auch so, und das ist alles. Jedenfalls bestellen Sie dem Schadow meinen Dank.

Und nun zum andern und zum dritten: Der wilde Orlog soll nun losgehen, morgen früh also. Ist doch wohl alles klar?“

„Jawohl, Herr General! Wollen Herr General die Adjutanten noch einmal sprechen, sie sind im Begriff zu gehen!“

„Wo sind sie denn?“

„Beim la.“

„Nun, dann geh ich noch mal raus!“

Zur Erläuterung ´der in diesem Text verwendeten militärischen Abkürzung Ia: Ein Ia („römisch eins a“) oder „Der Erste Generalstabsoffizier“ war laut Internet-Lexikon Wikipedia in höheren Stäben des preußisch-deutschen Heeres und der Wehrmacht ein Führungsgehilfe des Kommandeurs.

Der Erste Generalstabsoffizier bearbeitete alles, was mit den einzelnen Teilen des Verbandes in führungsmäßiger und taktischer Hinsicht zusammenhing, unter anderem Truppenführung, Ausbildung, Organisation, Transport, Unterbringung, Luftschutz, Auswertung von Erfahrungen usw. Dem Ia unterstand zu diesem Zweck die Operationsabteilung. Der Ia beriet den Kommandeur und bereitete Befehle vor, ohne selbst anordnungsbefugt dafür zu sein. In Abwesenheit des Kommandeurs fungierte er in Stäben unterhalb der Korpsebene, in denen es keinen Chef des Stabes gab, als Stellvertreter des Kommandeurs. Voraussetzung für die Verwendung als Generalstabsoffizier war der erfolgreiche Abschluss der Kriegsakademie und des Generalstabslehrgangs.

In Divisionen der Wehrmacht wurde die Position des Ia von einem Oberstleutnant im Generalstab ausgefüllt, später auch von einem Major i. G., der als dienstältester Truppenoffizier als unmittelbarer Vorgesetzter der Offiziere in den Generalstabsstellen fungierte. In seiner Position als Führungsgehilfe kam dem Ia ein Einspruchsrecht gegenüber dem Kommandeur zu, bei abweichender Einschätzung der Lage o. ä. wurde seine Auffassung in den Akten notiert, soweit keine Einigung erzielt werden konnte. Zudem war der Ia nicht an den normalen Dienstweg gebunden, sondern konnte über den Generalstabsdienstweg direkt an höhere Stellen berichten bzw. Meldung machen.

Als Gehilfe des Ia fungierte der Erste Ordonnanzoffizier (O1). Der Leiter der Kartenstelle war dem Ia unterstellt.

In der Bundeswehr entspricht der G3 dem Ersten Generalstabsoffizier.

Außerdem gibt es bei Wikipedia auch Einträge zu den beiden Begriffen „Zweiter Generalstabsoffizier“ und „Dritter Generalstabsoffizier“.

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