Zwischen Atelier, Küstennebel und Himmelsaugen Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
(Pinnow, 31.07.2026) Vom verrauchten Atelier bis zur eisigen Burggrabenlandschaft: diese Woche nehmen unsere Sonderangebote Sie mit in Räume, in denen Kunst, Eifersucht, rätselhafte Unfälle und historische Intrigen aufeinandertreffen. Fünf ausgewählte E‑Books erzählen von Neid und Verdacht, von verschwundenen Spuren und von der Technik am Himmel, die Machtverhältnisse verändert. Vom 31.07. bis 07.08.2026 sind diese Titel im Angebot.
Vom Freitag, dem 31. Juli, bis Freitag, dem 7. August 2026, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.
Wer nicht stirbt zur rechten Zeit von Jan Eik
Auf einem kleinen Podest, unter einem seiner überdimensionalen Gemälde, liegt die Leiche des Malers Seibold. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er »gesoffen hat wie ein Loch«. Starb er an den Folgen seiner Alkoholsucht? Oder hat jemand nachgeholfen? Vogelsang, ein berühmter Berufskollege, hasste ihn. Seine schöne Lebensgefährtin Lola, die bei ihm nicht gerade den Himmel auf Erden hatte, verfügt nun über sein Bankguthaben. Kommissar Timm hat allen Grund, misstrauisch zu sein.
Tatort Studentenheim von Rudi Czerwenka
Die Studentin Karin hat einen begehrten Ferienplatz in dem Studentenheim an einer Ostseeinsel erhalten und kann ihren Jürgen, der seinen Wehrdienst bei der Volksmarine ableistet, täglich sehen. Es könnte so schön sein, wenn Karin nicht so eifersüchtig wäre.
Sie will Jürgen verheimlichen, dass sie mehrmals am Strand einen Mann getroffen hat.
Doch da gibt es im Marinestützpunkt Alarm und alle sollen eine verschwundene Studentin suchen ...
Der schon fast vergessene Krimi erschien erstmals 1970 als Heft 165 in der Erzählerreihe des Deutschen Militärverlags.
Die Hölle hat keine Hintertür. Kriminalerzählungen von Jan Flieger
Dieses Buch präsentiert zwei spannende Kriminalerzählungen von Jan Flieger aus dem Jahre 1987. In der Titelgeschichte geht es um einen Unfall, in dessen Folge ein junger Mann noch im Krankenwagen stirbt, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Den Polizisten fallen einige Unstimmigkeiten auf. Offenbar muss ein Auto den Mann noch einige Meter mitgeschleift haben. Aber so sehr die Kriminalisten auch suchen, sie können kein Auto finden, das für diesen Unfall infrage kommt. Es scheint wie vom Erdboden verschwunden zu sein
Die zweite Geschichte beginnt mit einer verzweifelten Frau, die sich an einem Sonnabend um 11 Uhr 45 an einen Polizisten im Volkspolizeikreisamt wendet: Meine Töchter sind weg. Sie habe sie am Freitag um 16 Uhr 15 mit den Fahrrädern von Friedebach nach Kleinen zum Bruder geschickt, wo sie die Nacht verbringen sollten, weil sie selbst in die Oper gehen und erst am nächsten Vormittag zurückkehren wollte. Dabei mussten die Mädchen durch den Wald fahren. Am nächsten Tag, sagte die Frau, habe sie von einer Freundin ihrer älteren Tochter gehört, dass diese nicht in der Schule gewesen seien. Ihr Bruder bestätigte am Telefon, dass ihre Töchter nicht angekommen seien und er der Meinung war, sie hätte es sich anders überlegt und die Mädchen doch in Friedebach gelassen. Die Bewohner zweier Dörfer suchten bereits, die Funkstreife, der ABV und VP-Helfer
Kurisches Gold. Ein Hansekrimi von Jan Eik
Mit der Kälte aus den Wäldern Schamaiens und des fernen Rus hatte der schneidende Ostwind nur wenig Schnee gebracht; sonst wäre der Tote erst mit der Schneeschmelze im späten Frühjahr entdeckt worden. So jedoch fiel an jenem trüben Herbstmorgen des 12. November 1524 der noch vom Wein getrübte Blick des Ritterbruders Martin auf vier dicht beieinander aus der Eisfläche aufragende Aststümpfe. Nichts anderes als der blanke Übermut seiner neunzehn Jahre und die gebotene Kühlung seines schmerzenden Schädels hatten Martin von Barnhusen-Asseberg auf die gefährlich knisternde Eisdecke des Wallgrabens getrieben, auf der es sich trefflich rutschen ließ. Martin kannte die Stelle unterhalb der Wallmauer hinter der Kapelle gut. Sie ließ sich von den schmalen Fenstern des Hohen Schlosses nur schlecht einsehen. Schon im Winter zuvor hatte er sich dort gelegentlich auf dem Eis vergnügt, solange der Schnee noch nicht zu hoch lag, und im Sommer traf ihn der Priesterbruder Simon gar in der Zeit des vorgeschriebenen Stundengebets schlafend auf dem schmalen Rasenstreifen am Graben an, den Oberkörper schamlos entblößt! In der warmen Sonne hatte Martin Lust zum Baden empfunden. Nur der üble Geruch des dunklen Gewässers hielt ihn zurück. Immerhin flossen die stinkenden Abwässer des Danzkers, des Turmaborts der Burg, in diesen Graben.
Augen am Himmel Eine Piratenchronik von Wolfgang Schreyer
Der Friday for Future‑Titel der Woche ist Augen am Himmel Eine Piratenchronik. Wolfgang Schreyer zeichnet darin den langen Entwicklungspfad der Luftaufklärung nach und macht deutlich, wie Überwachungsinstrumente und Fernspähmethoden politische Machtverhältnisse beeinflussen. Für Friday for Future ist das Thema relevant, weil es Fragen nach Verantwortung, Transparenz und Kontrolle in einer technologisierten Gegenwart aufwirft: Wer beobachtet wen, mit welchen Mitteln und welche Folgen hat das für unsere gemeinsame Zukunft?
Nach jahrelangem Materialstudium schrieb Wolfgang Schreyer dieses Tatsachenbuch die fesselnde Geschichte der Luftaufklärung und Luftspionage. Sein Thema reicht von Alaska bis Israel, von Nicaragua bis Sibirien, vom ersten Späh-Ballon im Jahre 1794 bis zum modernen Foto-Satelliten. Was der Welt lange Zeit verborgen gehalten wurde, wird hier im Einzelnen berichtet: Illegale Flüge von Sportfliegern, Abenteurern und Göring-Piloten, der Radarkrieg am Ärmelkanal, die britische Luftaufklärung des V-Waffen-Zentrums Peenemünde, antisowjetische Geheimaktionen der fünfziger Jahre wie U-2-Flüge, B-52-Vorstöße und die Operation Moby Dick, Spähunternehmen der 1960er Jahre die Voodoo-Flüge über Frankreich und Kuba und der Einsatz von Robotern über der Demokratischen Republik Vietnam.
In dokumentarisch belegten Szenen nimmt der Leser teil an Stabsbesprechungen am Tirpitzufer, an der Themse und am Potomac River; an internationalen Pressekonferenzen, Gerichtsverhandlungen und der Einweisung von Spionagefliegern. Es begegnen ihm namhafte Wissenschaftler, Diplomaten, Konzernvertreter, Juristen, Politiker und Generale. Er erlebt Luftkämpfe über der Ostsee und dem Eismeer, eine Notlandung in Japan sowie Beginn und Verlauf der USA-Aggression gegen Vietnam.
Der Autor schildert den Entwicklungsgang strategischer Erfindungen (Höhenflug, Luftbild, Radar, Infrarot, Satelliten-Erkundung) und entwirrt das daran geknüpfte Netz technischer Tricks. Gestützt auf Expertengutachten erläutert er die Details so anschaulich, dass auch Leser ohne Fachkenntnisse seiner Darstellung gespannt folgen.
Dieses spannend geschriebene und ausgezeichnet recherchierte Buch ist ein Stück Zeitgeschichte. Es erschien in verkürzter Fassung erstmals 1962 unter dem Titel Piratenchronik. Das eBook enthält die 4. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, die 1968 im Deutschen Militärverlag, Berlin, erschienen ist.
Die folgenden Leseproben öffnen fünf sehr unterschiedliche Fenster auf diese Themenwelt: ein Atelier, in dem ein Tod die Kunstszene erschüttert; ein Studentenheim an der Ostsee, in dem Eifersucht und Militäralltag aufeinandertreffen; zwei beklemmende Kriminalgeschichten um rätselhafte Unfälle und vermisste Mädchen; ein Hansekrimi, der im Herbstnebel ein Verbrechen freilegt; und dokumentarische Szenen aus der Geschichte der Luftaufklärung, die globale Folgen nachzeichnen. Jede Passage gibt einen Eindruck davon, wie Spannung entsteht und Figuren miteinander verknüpft werden.
Wer nicht stirbt zur rechten Zeit von Jan Eik
Atelier und Altar zugleich: Ein Podest, überdimensionale Bilder und eine Frage nach Schuld so beginnt die erste Spurensuche.
Im Fall Seibold war er keinen Schritt weitergekommen. Lola Belicke hatte auf eine Anzeige verzichtet, weil sie beim besten Willen nicht angeben konnte, was nach dem Einbruch fehlte. Gräfe hatte lediglich zwei schwache Abdrücke eines Turnschuhs, etwa der Größe 36, gesichert. Also doch nur neugierige Kinder? Hätten die nicht mindestens Fingerabdrücke am Fenster hinterlassen?
Timm hatte keine Zeit, sich darum zu kümmern. Auf den endgültigen Obduktionsbericht musste er unter Umständen noch vierzehn Tage warten. Er fand nicht einmal Zeit, bei den Biologen nachzufragen. Nur auf den bloßen Verdacht hin, dass dem Inhalt einer Flasche Whisky Methylalkohol beigemengt gewesen sein konnte, ließ sich wenig unternehmen.
Seibolds Todesanzeige fand er in der Sonnabend-Zeitung. Lola Belicke, deren Name ohne jede Ergänzung unter dem schlichten Text stand, musste über gute Beziehungen verfügen. Die Annonce war so schnell erschienen. Am Mittwochnachmittag war schon die Trauerfeier im Krematorium Baumschulenweg. Auf der Kulturseite wurde Seibolds Tod nicht erwähnt.
Timm las die Zeitung erst am Sonntagvormittag, als er vom Dienst heimgekehrt war und nicht wusste, wie er sich Heikes boshafter Vermutungen über seinen Dienstverlauf erwehren sollte. Sie war mit Steve zur Demonstration gegangen. Der erzählte munter davon. Da hatte jemand eine Großmutter gemalt, mit ganz großen Zähnen und einem Kopftuch!
Großmutter, warum hast du so große Zähne? Heike bleckte ihre, die eher klein waren. Gemeint war dein Freund Egon! Und auf der Rückseite Tapeten-Kutte mit einem Papierhelm.
Timm hatte die Bilder im Fernsehen gesehen. Du weißt genau, was ich von den beiden halte, sagte er ärgerlich. Er war übermüdet, und er wagte noch immer nicht, Heike in die Augen zu blicken. Aus anderen Gründen allerdings als sie vermutete. Seine Hoffnung, ihre Beziehung würde sich nach der gemeinsamen Nacht normalisieren, hatte sich nicht erfüllt. In den folgenden Nächten, soweit er sie nicht im Dienst verbrachte, schlief er wieder im Wohnzimmer. Allmählich wurde der Zustand unerträglich.
Darf ich wenigstens jetzt das Schlafzimmer benutzen? fragte er rau. Ich bin ziemlich fertig.
Du hast die ganze Wohnung für dich. Ich mache mit Steve einen Ausflug. Sie nahm den Rekorder aus der Anbauwand und probierte, ob er lief. Was sind das für Kassetten in der Tüte? wollte sie wissen.
Timm erschrak. Weshalb hatte er Gunhild die Kassetten nicht zurückgegeben und sie zu allem Überfluss auch noch hier liegen lassen? Inzwischen hatte er im Amt zwei weitere abgehört, ohne daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Nur Gunhilds Stimme auf den Bändern beunruhigte ihn.
Gib das her, sagte er heftig. Das ist dienstlich!
Sie sah ihn an mit diesem Blick, aus dem er nie in seinem Leben klug werden würde, und warf ihm die Kassetten vor die Füße. Glaubst du, ich will mich in deinen Scheißdienst einmischen?
Trotz seiner Übermüdung konnte er nicht einschlafen. Die Traueranzeige beschäftigte ihn. Hatte es Lola Belicke besonders eilig, den Lebensgefährten, der sie anscheinend schikaniert hatte, unter die Erde zu bringen? Objektiv betrachtet, gab es eine Menge Unstimmigkeiten im Fall der schönen Witwe, die sie dem Gesetz nach nicht einmal war. Eine verheiratete Frau konnte sich scheiden lassen, wenn sie der Trunksucht und der berechtigten oder unberechtigten Eifersucht ihres Gatten überdrüssig war. Welcher Weg blieb einer Lola Belicke, wenn sie nicht auf alles verzichten wollte? Methanol? Weshalb aber fehlte dann das Testament über das Geld von einem Konto, zu dem nur Lola Belicke, nicht aber die Tochter, die Bankvollmacht besaß? Achtzigtausend Mark waren kein Pappenstiel.
Dazu dieser fingierte Einbruch, den nur eine der Seiboldschen Bezugspersonen begangen haben konnte. Timm war sicher, dass ihn sein kriminalistischer Spürsinn da nicht trog. Was hatte der Einbrecher oder die Einbrecherin gesucht? Nur das Testament, das zu seinen oder ihren Ungunsten verändert war und deshalb verschwinden musste? Oder die Whiskyflasche mit der Methanolspur? Frau Loebe hatte es sehr eilig gehabt, alle Flaschen aus dem Atelier zu beseitigen, an denen sich Lola anscheinend nicht gestoßen hatte; handelte es sich doch um den sichtbaren Beleg für Seibolds Trunksucht. Und die Flasche mit der Methanolspur war dabei gewesen ...
Was hatte Lola Belicke in den zwei bis drei Stunden ihres Alleinseins mit dem Toten im Atelier getan? Zeit genug, alle vorhandenen Spuren irgendeiner Unregelmäßigkeit gründlich zu beseitigen.
Es fiel Timm nicht schwer, sich Lola Belicke als femme fatale vorzustellen. So, wie er jetzt im Bett lag und über sie nachdachte, war er beinahe sicher, ihr trotz ihres Alters selber nicht widerstehen zu wollen, wenn es darauf ankam. Einer Frau, die ihren Lebensgefährten vergiftet hatte? Daran zu glauben, fiel ihm schon schwerer. Wo war das unmittelbare Motiv? Die achtzigtausend Mark, die sie ohne Schwierigkeiten von Seibolds Konto abheben konnte? Das ließ sich jederzeit und ohne Weiteres nachweisen, für Tigra oder auch für diesen Sohn, wenn es den gab. Immerhin hatten sowohl Frau Loebe wie Gunhild von ihm gesprochen.
Die achtzigtausend Mark gingen Timm nicht aus dem Kopf. Wer immer sie sich unter den Nagel riss, lief Gefahr, auf sich aufmerksam zu machen. Es sei denn, er scheute diese Gefahr nicht, weil ... Timm kam ein abenteuerlicher Gedanke. Doktor Henning war im Westen, und wenn doch etwas wahr war an der Beziehung zwischen ihm und der schönen Lola - sie konnte sich das Geld verschaffen und ihm auf irgendeinem der Wege folgen, die sich jetzt allerorten auftaten. War das die Lösung? Hatte sie deshalb gleich am Morgen in der Praxis angerufen? Henning hätte den Totenschein für den an übermäßigem Alkoholmissbrauch Verstorbenen problemlos ausgestellt. Wusste Lola Belicke wirklich nicht, dass da nur eine Vertretung agierte, weil Henning schon weg war ...
Tatort Studentenheim von Rudi Czerwenka
Zwischen Küste und Kasernenflair: Eine Studentin, heimliche Strandtreffen und ein Alarm im Marinestützpunkt hier kollidieren Sehnsucht und Pflicht.
Kellner konnte sich nicht beruhigen. Nachts am Strand! Mit einem anderen Jungen! Nichts als Ärger hat man mit euch. Erst Sylvias Schirm, jetzt dein Theater.
Was war mit Sylvias Schirm?
Das war ... Plötzlich stockte Kellner. Sag mal, du warst ja gerade in dem Augenblick draußen, als das passierte. Hast du nichts Auffälliges beobachtet? Hast du nicht zufällig gesehen, ob da einer weglief oder sich versteckte?
Es lief jemand weg, dieser Naturschutzonkel. Aber später hat er mir gesagt, er wäre gar nicht hier gewesen, ich müsste mich geirrt haben.
Er war auch nicht da, erklärte Rudi Kellner. Er wäre bestimmt zu mir gekommen.
Dann hat er ja recht gehabt. Ich habe mich eben geirrt.
Der Heimleiter blickte auf Karin und überlegte. Irgendetwas stimmt hier nicht. Dem Mädchen ist jemand aufgefallen, der den Saal verlassen hat. Später hat sie ihn wiedergetroffen. Da hat der jemand bestritten, im Saal gewesen zu sein.
Setz dich, Karin, sagte er freundlich und schob ihr einen Stuhl zu. Jetzt beantworte mir ein paar Fragen. Aber komm mir nicht mit Geschichten, wie du sie deinem Jürgen erzählt hast. Ich will die Wahrheit wissen. Versprichst du mir das?
Karin nickte und senkte den Kopf. Welcher Teufel hatte sie nur dazu gebracht, Jürgen solch einen Unsinn zu erzählen? Ihr war auch nicht klar, warum der Heimleiter so daran interessiert war zu erfahren, was sie nun wirklich in der fraglichen Zeit getan hatte. Ob er ihr helfen wollte? Vielleicht. Sie hatte ihn ja aufgefordert, zu bezeugen, dass sie sich in ihrem Zimmer aufgehalten hatte. Natürlich musste er genau wissen, was vorgefallen war.
Woher weißt du denn, fragte Kellner, dass es der Naturschutzbeauftragte war?
Das hat er mir doch selbst erzählt am Strand.
Am Strand? Das ist kaum möglich. Bortfeld hat Rheuma. Er geht nachts nicht an den Strand. Nächste Woche feiert er seinen fünfundsechzigsten Geburtstag. Wie alt war denn dein Naturschutzbeauftragter?
Fünfundsechzig? Der Mann war etwa fünfundzwanzig. Sie zuckte die Schultern. Da hat mir wohl einer einen Bären aufgebunden.
Das glaube ich auch, entgegnete Kellner ernst.
Dieser Mann lief also hier aus dem Saal heraus an dir vorbei? Und am Strand hast du dich mit ihm getroffen? fragte er weiter.
Ich habe mich nicht mit ihm getroffen. Er war plötzlich da. Erst wollte er wissen, warum ich ihm nachliefe, und dann sagte er, er wäre der Naturschutzbeauftragte.
Wieso behauptete er, du wärest ihm nachgelaufen?
Karin wusste darauf keine Antwort. Aber dann erzählte sie von ihrer ersten Begegnung mit dem Fremden, wobei sie allerdings die genaue Stelle, wo sie ihn gesehen hatte, die Fischerhütte, verschwieg. Das Wiedersehen im Flur, ihre eigene kopflose Flucht und das Zusammentreffen in der Nacht schilderte sie ausführlich.
Kellner hatte aufmerksam zugehört. Kannst du ihn beschreiben? Wie sah er aus?
Ein blaues Hemd trug er, mit großen Brusttaschen, auf den Schulterklappen waren zwei goldene Knöpfe.
Kellner griff zum Telefonhörer und drehte die Wählerscheibe. Guten Tag, Frau Sachs. Ist Bruno da? Oh, das ist schade. Hören Sie! Wenn er zurückkommt, dann sagen Sie ihm bitte, dass eine meiner Studentinnen unseren Exquisitmarder gesehen hat. Wie bitte? Was hat er gesagt? Er trifft mich am Nachmittag an der Anlegestelle? Danke! Langsam legte er den Hörer auf die Gabel.
Mädchen, Mädchen, was mach ich bloß! Du lieferst den ersten brauchbaren Hinweis zur Ergreifung eines gesuchten Spitzbuben. Und jetzt ist der ABV nicht zu erreichen. Aber warte, mir fällt was ein. Er griff wieder zum Telefon und rief das Grenzkommando an. In kurzen Worten berichtete er dem OvD, was er von Karin erfahren hatte. Das Mädchen, das den Gesuchten vermutlich mehrmals gesehen hat, sitzt bei mir. Ich kann jedoch den ABV nicht erreichen. Er ist wegen derselben Sache unterwegs. Es wäre gut, wenn wir den Burschen vorher schnappten. Bei dem Gewimmel an der Anlegestelle kann er uns womöglich durch die Lappen gehen ... Jawohl ... Einverstanden. Ich schicke sie sofort!
Die Hölle hat keine Hintertür. Kriminalerzählungen von Jan Flieger
Ein Krankenwagen, ein Toter und widersprüchliche Indizien: Die folgende Passage führt in eine Erzählung, die von verschwundenen Spuren lebt.
»Sie waren gar nicht weg?«
»Nein. Ich war müde, hab' mich hingehauen.«
»Und Sie hörten immer Tonband? Die ganze Zeit?«
»Ja. War's alle, hab' ich ein neues Band aufgelegt. Ich brauch' Musik, wissen Sie, so wie andere das Rauchen.«
»Sie haben nur gelegen?«
»Na, ich hab' dann auch geschnitzt.«
»Und Sie waren nicht draußen?«
»Nein. Warum auch. Holz zum Schnitzen hab' ich genug. Sie sehen's ja.«
»Ja, ja«, sagte Kellermann mit einem Blick in die Richtung, in die Winklers Finger wiesen.
»Um Viertel nach sieben habe ich Abendbrot gemacht«, sagte Winkler.
»Sie haben wohl keinen Freund und keine Freundin?«
»Ich bin lieber für mich.«
Kellermann lächelte. »Und kein Mädchen?«
Winkler hob die Hände. »Klappt nicht so recht. Hab' ja noch Zeit.«
»Auf dem Dorf ist es nicht so gut wie in der Stadt, Herr Winkler.«
»Da hab'n Sie recht. Zur Disco muss man ein paar Kilometer fahren. Da vergeht's einem.«
»Hat Sie jemand hier gesehen am Freitag?«
»Na, die Alte doch. Ich muss ja vorbei an ihrer Tür, wenn ich gehe und komme. Die guckt immer raus. Neugierig. Sehr neugierig.«
Kellermann schritt durch das Zimmer. Auf der Couch saß eine Puppe mit blonden Haaren und einem kessen Gesicht, die Rita ähnelte.
Kellermann wies auf die Puppe.
»Nanu?«
»Das ist ein Talisman. Ich hab sie schon ewig. Von manchem trennt man sich nie. Sie ist noch von Mutter.«
»Ist sie tot?«
»Ja. Ich war acht. Ein Unfall. Alle beide, wissen Sie. Vater und Mutter. Auf einen Schlag ist man allein. Wollen Sie noch was?«
»Nein«, entgegnete Kellermann und schritt zur Tür. Er blickte zu den Postern.
»Wann gingen Sie am Freitag schlafen, Herr Winkler?«
»Ich war müde. Um acht.«
»So früh?«
»Ich geh oft so früh schlafen.«
Unten klopfte Kellermann bei der Wirtin.
Kurisches Gold. Ein Hansekrimi von Jan Eik
Eis, Wallgraben und eine junge Hand, die mehr sieht, als sie sollte: Eine historische Szene, die langsam ein Verbrechen offenlegt.
Die Begegnung mit dem Kaufherrn und dessen offenkundiges Interesse an seinen Absichten gaben Martin zu denken. Bald muss der Tigges kommen, hatte Wilk nur wenige Tage vor seinem Tod gesagt. Diesmal entgeht er mir nicht! Was hatte er damit gemeint? Doch nicht die Geschäfte ... Er entgeht mir nicht. So sehr Martin überlegte, ihm fiel dazu nichts ein.
War er nicht bis jetzt viel zu offenherzig vorgegangen bei seinem Unternehmen? Gut, er hatte Ankes Vater bei einer kleinen Unwahrheit ertappt, aber wie Damrau und wie Tigges wirklich zu Wilk gestanden hatten, war ihm verborgen geblieben. Außerdem hatte er Anke nicht gesehen und kein Wort über sie erfahren.
Er musste viel geschickter sein und seine wahren Absichten möglichst verbergen, wenn er etwas herausfinden wollte. Deshalb schien es ihm auch klüger, heute nicht auf die Nehrung zu reiten.
Der Fährknecht hatte sich nicht an Wilk erinnern wollen. Außer dem Strandvogt, den täglichen Briefboten und dem Komtur mit seinem Tross sei in letzter Zeit niemand übers Tief gegangen, hatte er behauptet.
Der Komtur weilte beim vom Hochmeister einberufenen Landtag in Königsberg, und alle seine heimlichen und offenen Gegner unter den Brüdern hofften, er ginge endlich nach Koblenz. Schon jetzt lockerten sich die Zügel auf der Burg ein wenig, denn den Schönberg nahm niemand so ernst wie den Komtur. Kaum jemand nahm Notiz davon, dass Martin nach einem kurzen Blick auf Goswin, den er schlafend auf den alten Häuten vorfand, seinen braven Gaul Falko aus dem Stall holte und sattelte.
Nur Cuntz von Hawkenstein, der sich häufig bei den Pferden aufhielt, bemerkte es: Wohin willst du jetzt noch an diesem kürzesten Tag des Jahres?
Martin hatte kaum darauf geachtet, dass die Sonne auf ihrer flachen Bahn schon den höchsten Stand erreicht hatte. Nur ein kleiner Ausritt, log er ohne Scham. Cuntz war nicht der Mann, den er in seine Pläne einweihen wollte.
Ich begleite dich, erbot sich Hawkenstein. Doch lass uns vorher noch essen.
Martin überlegte. Lehnte er ab, wurde Cuntz misstrauisch, zumal Martin als starker Esser bekannt war und es auffiel, wenn er eine Mahlzeit ausließ.
Gut, sagte er. Er band das Pferd vor dem Stall an und stieg zum Boden hinauf, um Goswin zu wecken. Huhuh, rief er und pfiff lang gezogen durch die hohlen Hände. Ein unterdrückter Schrei antwortete ihm.
Mein Herz wird eines Tages stocken bei deinen Späßen, ächzte Goswin, nachdem er ihn erkannt hatte.
Martin half ihm auf die Beine. Das Herz des Hasen schlägt nur schneller; es wird nicht stehen bleiben, tröstete er seinen furchtsamen Helfer. Warte, bis der Krieg wieder anfängt. Wenn sie mit Hakenbüchsen auf dich schießen, begreifst du, was wirkliche Furcht ist.
Goswin schüttelte sich.
An der Tafel war die Reise des Komturs zum Landtag in Königsberg das einzige, was beide Parteien interessierte. Welche Befehle würde ihm Bischof Georg vom Hochmeister übermitteln? Denn Markgraf Albrecht selbst strich noch immer durch die Lande und hielt sich nach einem Besuch beim König Ludwig in Ungarn inzwischen wieder im fränkischen Ansbach auf. Weshalb kehrte er nicht endlich nach Preußen zurück? Darauf wusste auch sein getreuester Anhänger keine Antwort.
Der Hochmeister weiß, was er tut! behauptete Michael Preuß, und Cuntz brummte, was alle dachten: Wir wüssten es auch ganz gerne.
Er zwinkerte Martin auffordernd zu, und der erhob sich. Für heute zählst du allein weiter, flüsterte er Goswin im Vorbeigehen zu. Der duckte sich ängstlich.
Wohin solls gehen? fragte Cuntz, während er seinen Hengst sattelte.
Darauf fiel Martin keine rechte Antwort ein. Für den Ritt, der ihm vorschwebte, war es entschieden zu spät und Cuntz außerdem ein unerwünschter Begleiter. Hawkenstein hatte kühn den Mantel mit dem Kreuz übergeworfen und das Schwert an der Seite, als ginge es auf Kriegsfahrt. Martin blieb nichts anderes übrig, als sich ebenso auszustaffieren.
Reiten wir erst einmal, schlug er vor. Wohin sie auch immer wollten, zuerst mussten sie die Stadt passieren.
Augen am Himmel Eine Piratenchronik von Wolfgang Schreyer
Hinter verschlossenen Türen der Militär-und Geheimdienstwelt: Einweisung, Stabsbesprechung und Gerichtsverhandlung zeigen, wie Luftaufklärung zur Praxis wird.
Der Oberst sieht ihn aufmerksam an. Macht denn das wirklich Spaß? Knapp dreißig, und schon werden die Schläfen grau. Er ist sein erfahrenster Mann und kaum zu ersetzen. Wenn es diesmal überhaupt einer schafft, dann Powers. Ab 1950 auf der Luftfahrtschule Greenville in Mississippi, später auf einem Flugplatz bei Phoenix in Arizona hat er sich als Düsenpilot ausgezeichnet. Heute verbucht seine Personalakte fünfhundert Flugstunden für die Schulmaschinen T-6, T-33 und den alten F-80-Jäger, sechshundert für verschiedene Modelle der F-84, fünfhundert für die U-2; zusammen also tausendsechshundert Flugstunden, nicht gerechnet seine Flüge als Co-Pilot. Hat Patente für sämtliche Jägertypen der Luftwaffe. Robuster Bursche, nicht übertrieben intelligent, stellt nie unnötige Fragen... Shelton möchte ihn nicht gern verlieren. Er wird in Peshawar zusammen mit Powers noch eine zweite Maschine starten lassen, die hart an der Grenze fliegt und alle sowjetischen Radarstationen beschäftigt: Ein für den U-2-Einsatz neues Ablenkungsmanöver, auf das die Roten fraglos nicht gefasst sind.
"Wie Sie wollen, Francis", antwortet er nachdenklich. "In dem Fall habe ich Ihnen außer den üblichen Souvenirs noch was besonders Nettes zu übergeben."
Powers ist nicht neugierig. Er weiß schon, was für Souvenirs gemeint sind: Goldmünzen, Uhren, Ringe, das übliche Rubelpaket und die internationalen Devisen in hygienischer Zellophanverpackung. Tauschobjekte, die ihm bei einer Havarie die Flucht erleichtern sollen. Das bekommt jeder hier, und das gab es auch schon früher. Walter hat ihm erzählt, dass während des Zweiten Weltkrieges die deutschen Fernaufklärer, wenn sie in Richtung Ural aufstiegen, für diesen Zweck vergoldete Ikonen und bunte Kopftücher mitbekamen... Aber was Shelton ihm nun gibt, sieht nicht wie ein Geschenk aus: ein winziges Etui, das eine ganz gewöhnliche Stecknadel enthält. Er nimmt sie heraus.
"Vorsicht", zischt der Oberst. "Pfeilgift! Wer sich die unter die Haut jagt, lebt bestenfalls noch drei Minuten. Mit freundlichen Grüßen von Allen Dulles persönlich."
"Oh, danke", sagt Powers. "Er ist ja wie ein Vater zu mir."
"Bekommen neuerdings alle, die hinter den eisernen Vorhang gehen", erklärt Shelton nicht ganz wahrheitsgemäß. "Nur für den Fall natürlich, dass man gefoltert wird..." Tatsächlich ist dies hier das Resultat seiner Warnungen. Nachdem er auf die Gefahr einer lückenlosen Radarortung hingewiesen hat, rät der Geheimdienst seinen Piloten zum ersten Mal zum Selbstmord. Mit einer Giftnadel haben sie ihn abgespeist! Und seitdem er die bei sich trägt, ist Shelton das Gefühl nicht losgeworden, es gehe Washington gar nicht mehr um absolute Geheimhaltung der Flüge. Die Russen wussten ohnehin, woran sie mit der U-2 waren. Vielleicht schien es nützlich, sie jetzt, kurz vorm Pariser Gipfeltreffen, durch den geplanten Überflug von Süd nach Nord zu reizen und zu demütigen. Wenn sie daraufhin aus der Haut fahren und Lärm schlügen, ohne Beweise zu haben, mochte das außenpolitisch vorteilhaft sein. Ihnen solche Beweise um jeden Preis vorzuenthalten, darauf vor allem kam es an.
Von der Nadel sagt Powers kein Wort, als er eine Viertelstunde später seiner Frau erklärt, wohin er morgen fliegt. Streng genommen dürfte er nicht einmal das, aber die fünfundzwanzigjährige Barbara hält es so schon kaum mehr aus in dem fremden Land, in das sie ihm vor vier Jahren gefolgt ist. Das Leben am Westrand des Stützpunkts, das Klima, die eintönigen Ausflüge nach Adana, der komfortable, doch furchtbar enge Wohnwagen mit der Kennnummer T 1356, der Düsenlärm bei Tag und Nacht, die immer gleichen Gesichter und dabei die würgende Angst um ihn das drückt die hübsche Frau nieder, das bedroht ihre Ehe. "Peshawar?" fragt sie. "Muss das schon wieder sein? Was ist das für ein Land?"
Powers zuckt die Achseln. Das Land kennt er nicht; er kennt nicht einmal die Stadt. Im vergangenen Jahr haben er und seine Kameraden das Flugfeld nie verlassen dürfen. Es hieß damals, dass es auch nicht lohne: ein paar Moscheen und der berühmte Erdwall mit den sechzehn Toren, im Übrigen stinkende Armut. Peshawar galt als der ungesündeste Platz im alten Britisch-Indien, immerhin auch als strategischer Punkt. Hundert Jahre lang hatte eine englische Garnison dort gelegen, bis Wachablösung für John Bull gekommen war ein amerikanisches Kampfgeschwader.
Bleiben Sie vor allem gesund und munter und der Welt der Bücher weiterhin gewogen. In der kommenden Woche stöbern wir wieder für Sie im EDITION digital‑Katalog; ich freue mich darauf, Sie erneut durch fünf unterschiedliche Lesewelten zu führen.
Ansprechpartner
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Pekrul
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Tel: +49 (3860) 505788
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Über "EDITION digital Pekrul & Sohn GbR"
EDITION digital war vor 31 Jahren ursprünglich als Verlag für elektronische Publikationen gegründet worden. Der Verlag gibt Krimis, historische Romane, Fantasy, Zeitzeugenberichte und Sachbücher (NVA-, DDR-Geschichte) sowie Kinderbücher als barrierefreie E-Book heraus, einige auch als Hörbuch. Ein weiterer Schwerpunkt sind Grafiken und Beschreibungen von historischen Handwerks- und Berufszeichen sowie Belletristik und Sachbücher über Mecklenburg-Vorpommern. Bücher von DDR-Autoren werden als E-Book neu aufgelegt. Insgesamt umfasst das Verlagsangebot, das unter www.edition-digital.de nachzulesen ist, mehr als 1.800 Titel. Die Printsparte des Verlages war Ende 2025 von Ralf Jordan vom Geschichtlichen Büchertisch als Imprint übernommen worden.