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Das große Abenteuer. Zwischen Sturm und Freiheit von Theodor Plievier
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Preis E-Book:
8.99 €
Veröffentl.:
09.03.2026
ISBN:
978-3-68912-651-3 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 1031 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Geschichte, Belletristik/Krieg & Militär, Belletristik/Politik
Belletristik: Themen, Stoffe, Motive: Politik, Historischer Roman, Kriegsromane: Zweiter Weltkrieg, Belletristik: Erzählungen, Kurzgeschichten, Short Stories
Abenteuer, Seefahrt, Segelschiff, Hafen, Jugend, Reise, Freiheit, Fernweh, Matrosen, Meer, Atlantik, Südamerika, Chile, Hafenstadt, Ausreißer, Schiff, Sturm, Seefahrer, Arbeiterkampf, Kapitalismus, Faschismus, Politik, Solidarität, Revolution, Freundschaft, Gefahr, Entdeckung, Abenteuerroman, Weltreise, Seefahrerleben, Seemannslied, Geschichte, Klassiker, Literatur, Coming-of-age, Entwicklung, Mut, Hoffnung, Freiheitssuche, Lebensreise
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Einige dringende Arbeiten gab es noch an Deck, auch einige Vorbereitungen für die Umseglung des Kap Hoorn waren zu treffen. Das wollte der Kapitän und noch mehr der erste Steuermann bei der Knappheit der an Deck arbeitenden Hände hinter sich haben, ehe mit Atschasso abgerechnet werden konnte. Das war so gedacht, dass die alten Lebensmittelrationen wieder ausgegeben würden, und ein Anlass zum Einschreiten würde sich dann schon finden, meinte der Kapitän.

Und eines Abends tauchte das Fleisch aus dem angebrochenen Salzfleischfass wieder auf dem Mannschaftstisch auf, nur war es inzwischen noch ungenießbarer geworden. Selbst Lindnäs ging der Gestank des Fleisches diesmal in die Nase.

Gegessen wurde an diesem Abend nichts.

Am nächsten Morgen und am folgenden Mittag wurde die Hälfte des Essens ins Meer geworfen. Aber auch die Rufe an Deck nach anderem Fleisch blieben aus; dazu war kaum Gelegenheit. Unter dem gleichmäßig wehenden Wind standen die Segel so fest, dass keine Hand sie anzurühren brauchte, und das konnte noch Wochen so weiter gehen.

Ein schwüler Nachmittag war es.

Lindnäs stand am Ruder. Atschasso saß auf dem Vordeck beim Segelflicken, und Klaus, der zur Freiwache gehörte, hatte sich zu ihm gesetzt. Martin und die beiden Schweden, die auch Freiwache hatten, hockten ein Stück weiter auf der Spier, dem Reservemast, der an der Verschanzung festgelegt war.

„Auf dem zehnten Breitengrad sind wir“, sagte Atschasso, „hast du die Karte im Kopf, Sonny, weißt du, wo das ist?“

„Am Amazonenstrom.“

„Nein, den haben wir hinter uns, auf der Höhe vom Amazonas waren wir in der Mallung.“

Jaap kam aus dem Logis heraus und setzte sich zu den anderen auf die Spier. Seine Ziehharmonika hatte er mitgebracht. Wenn unter diesen fest belegten Schooten schon nichts ,zu holen’ war und man nichts aussingen konnte, so gab es doch noch andere Möglichkeiten, dem Alten beizubringen, was man von ihm und von dem Fraß, den er der Mannschaft vorsetzte, dachte.

Jaap spielte die Ziehharmonika und sang dazu:

 

Was ist ein Seemann wert

Zweimal am Tage Madenbrot

Mittags verfaultes Pferd

 

Und alle wiederholten:

 

Salzpferd

Salzpferd

Das ist der Seemann wert.

 

Der Kapitän wanderte auf dem Hüttendeck auf und ab, von Steuerbord nach Backbord und wieder zurück. Dabei rauchte seine Tabakspfeife wie der Schlot eines kleinen Dampfers. Jaap variierte seine Strophe, doch immer ging es auf denselben Kehrreim aus.

 

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