Albrecht erhielt einige Tage nach seiner Aufnahme in der Heilstätte Beelitz von Vera eine Postkarte. Unter dem Hitlerbild stand: Onkel Emil war zu Besuch da, er wird vielleicht auch zu dir kommen. Herzlichen Gruß! Vera.
Das war genau die verabredete Mitteilung im Fall einer Haussuchung. Albrecht steckte Geld und Dokumente zu sich und ging in den Garten, um zu überlegen, nach welcher Richtung er am sichersten durchkommen könnte. Es war regnerisches Aprilwetter.
Das Eingangstor war geschlossen. Auf der Straße vor der Heilstätte fuhren SA-Trupps auf Fahrrädern auf und ab.
Albrecht ging langsam zurück und las noch einmal die Mitteilung auf der Postkarte. Ein Zweifel an der Absicht schien ausgeschlossen. Albrecht ging zu dem Hügel, der unweit der Tagesräume lag. Der angrenzende Hochwald war menschenleer. Albrecht kam ungesehen bis an die Getreidefelder der Heilstätte.
Jenseits dieser Felder war der Zaun niedrig. Aber rechts war das Feld von der Straße aus zu übersehen. Albrecht zögerte. Eine Verhaftung auf der Flucht aus der Heilstätte kann schlimmere Folgen haben als eine Verhaftung in der Heilstätte. Doch er war ausdrücklich gewarnt! Er ging querfeldein durch die grüne Saat. Plötzlich hörte er einen gellenden Pfiff hinter sich, dann einen zweiten, lang und laut. Albrecht drehte sich um und sah einen Trupp SA-Leute. Einer rief: Zurück! und winkte.
Albrecht sah bereits den Zaun vor sich, dahinter dichten Wald. Aber ehe er den Zaun erreicht hatte, holte der Hund der SA-Patrouille ihn ein. Er sprang ihn von vorn an. Albrecht stieß dem Hund seinen Spazierstock mit der eisernen Zwinge in den Rachen. Der Hund wälzte sich schreiend auf der Erde. Albrecht lief auf den Zaun zu, kletterte hinauf. Da krachten drei Schüsse. Albrecht fiel tödlich getroffen auf den Acker zurück.