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Andi, gib den Ton uns an! von Steffen Mohr
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Preis E-Book:
3.99 €
Veröffentl.:
17.05.2015
ISBN:
978-3-95655-388-2 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 59 Seiten
Kategorien:
Kinder-und Jugendbuch/Darstellende Künste/Musik, Kinder-und Jugendbuch/Sport und Freizeit/Fußball, Kinder-und Jugendbuch/Soziale Fragen/Freundschaft, Kinder-und Jugendbuch/Familie/Eltern, Kinder-und Jugendbuch/Jungen und Männer, Kinder-und Jugendbuch/Leser/Bücher mit Kapiteln, Kinder-und Jugendbuch/Leser/Anfänger
Kinder/Jugendliche: Familienromane, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen: Familie, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen. Freunde und Freundschaft, Kinder/Jugendliche: Sachbuch: Musik, Kinder/Jugendliche: Sportromane
Oboe, Konzert, Musik, Fußball, Probe, Familienbeziehungen, Familie, Freundschaft, Kinder, Schule
6 - 99 Jahre
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Andi bekommt jetzt noch eine Heidenwut, wenn er sich an diese dumme Geschichte erinnert. Pitsch-Patsch! strampelt er in eine große Pfütze hinein, dass das dunkle Wasser an seine Stiefel spritzt. Der alte Mann merkt noch immer nicht, dass er einen unangemeldeten Fahrgast durch die Gegend kutschiert.

Es fing so wunderbar an. Andi spielte richtig, nicht zu leise, nicht zu laut, nicht zu schnell und nicht zu schleppend. Es war ein herrliches Gefühl, zu einem Orchester zu gehören, wo lauter Kinder saßen, die genau wussten, wie schwer es war, ein Instrument gut zu spielen, aber auch, welchen Spaß das machte. Er wusste auf einmal, dass das Musizieren mit einer Gemeinschaft viel schöner war als das Üben zu Hause, großartiger, als wenn er Herrn Heinze allein seine Stücke vorspielte.

Gleich nach den ersten Takten war eine Schwierigkeit versteckt. Vier Töne mussten sehr schnell hintereinander gespielt werden. Jetzt war Andi darüber hinaus und spielte bereits den ruhigen, langen Ausklang des ersten Teils. Er war erleichtert und riskierte einen schnellen Blick auf die anderen Kinder. Sie hatten ihre Geigen abgesetzt oder die Trompeten unter den Arm geklemmt. Alle lauschten seiner Melodie, die klang, wie wenn eine einzelne Schäferflöte zwischen den Bergen aufkommt, und es ist still, und auf einmal sieht man alles, was nicht laut ist auf der Welt: die Wiese, auf der die Schafe Gras fressen, das Ziehen der Wolken und wie der Mond oder die Sonne am Himmel gehen. Als Andi die Gesichter der Kinder sah, klopfte ihm das Herz. Er war auf einmal sehr aufgeregt, und er wusste selbst nicht, warum. Schon nickte Tina ihm zu. Nun musste er den ersten Teil seines Liedes, so wie es die Noten vorschrieben, wiederholen. Den ersten Takt und den zweiten, dritten, vierten, fünften ... Im sechsten Takt dachte er plötzlich daran, dass gleich die vier schnellen Achtelnoten kommen würden! Er bekam große Angst. Deshalb übersah er den feinen Bleistiftstrich, den ihm Herr Heinze eingezeichnet hatte. Ja, er vergaß, Luft zu holen. Mitten in den Achteln blieb er ... Blieb er stecken? Nein, viel schlimmer! Er wollte mit Gewalt weiterspielen. Und da fiepste es ganz erbärmlich aus seiner Oboe heraus. Herr Klingelohr klopfte ab. Er ließ Andi die Stelle wiederholen. Doch wie das so ist: Wenn einer erst einmal durcheinander ist, dann geht meist alles schief. Besonders dann, wenn man sich keine Pause gönnt, um still für sich einmal von eins bis dreißig zu zählen, um seine Ruhe damit vielleicht wieder einzufangen.

Einige Kinder hatten leise gelacht, als sich Andi verspielte. Natürlich meinten sie es nicht böse. Es klang eben so ulkig, als die Oboe plötzlich fiepte. So, als wäre sie ein junger Dackelhund, dem jemand aus Versehen den Schwanz in die Kellertür geklemmt hat. Leider dachte Andi, die Kinder lachten ihn aus. Er sah rasch zu Tina. Auch sie hielt den Kopf nach unten und verkniff sich ein Lachen.

Na wartet! dachte Andi. Euch werde ich zeigen, dass ich mein Stück spielen kann! Und er nahm sich gar nicht erst die Zeit, richtig durchzuatmen, spielte los und ... wieder brachte er nur ein paar Fiepser heraus. Da hatte er genug. Schnell klemmte er seine Instrumententasche unter den linken, seine Oboe unter den rechten Arm. Und ehe Herr Klingelohr etwas sagen konnte, war Andi schon an der Tür. Dort blieb er noch einmal stehen. Er sah im Gesicht richtig weiß aus, weil er sich so ärgerte, und er rief: „Lacht euch nur tot!“ Niemand lachte mehr. Alle waren ziemlich erschrocken und still. Nur Andi schimpfte: „Ihr müsst ja nicht für den Fußballpokal trainieren! Aber ich muss noch zu den Fußballproben, wo ihr nicht hingeht, weil ihr gar nicht Fußballspielen könnt!“ Er merkte gar nicht, dass er sich versprochen hatte und „Fußballproben“ sagte statt Fußballtraining. Aber hätte er es gemerkt, es wäre ihm auch gleich gewesen. Die Tür schlug er zu, den Korridor rannte er hinab, die Treppe hinunter und - hast du nicht gesehen! - hinaus aus der Schule. Oh, wie wütend war er!

Andi, gib den Ton uns an! von Steffen Mohr: TextAuszug