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Moskau. Der große Krieg im Osten, 1. Buch von Theodor Plievier
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Preis E-Book:
10.99 €
Veröffentl.:
05.01.2026
ISBN:
978-3-68912-629-2 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 1364 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Geschichte, Belletristik/Krieg & Militär, Belletristik/Politik
Belletristik: Themen, Stoffe, Motive: Politik, Historischer Roman, Kriegsromane: Zweiter Weltkrieg, Belletristik: Erzählungen, Kurzgeschichten, Short Stories
Zweiter Weltkrieg, Ostfront, Überfall, Moskau, Wehrmacht, Kriegsverbrechen, Entmenschlichung, Gewalt, Ideologie, Totaler Krieg, Militäralltag, Befehl und Gehorsam, Frontsoldaten, Offiziere, Propaganda, Machtmissbrauch, Schuld, Verantwortung, Zivilbevölkerung, Besatzung, Vernichtungskrieg, Moralverlust, Angriffskrieg, Gewissen, Angst, Tod, Zerstörung, Dokumentarroman, Antikriegsliteratur, Historischer Roman, Zeitgeschichte, Kriegserfahrung, Militärmaschinerie, Diktatur, NS-Regime, Ostfront, Realismus, Grausamkeit, Kollektive Schuld, Stalin, Hitler
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Die Abteilung fuhr nach dem Anmarschweg in Feuerbreite durch hoch in den Halmen stehende Roggenfelder. Vilshofen stand in der geöffneten Luke, das Fernglas an den Augen. Auch die Kommandanten der einzelnen Wagen richteten ihre Augen zum Waldrand. Die russischen Panzer waren dort in Sicht gekommen. Aus dem Schatten des Waldrandes kamen sie heraus auf die sommerhelle Fläche. Die Menge der Wagen war nicht zu übersehen. Es waren viele, und anscheinend konnten sie schnell fahren. Die Form der Wagen und das amerikanische Christi-Fahrgestell waren bemerkenswert. Es handelte sich um einen Panzertyp, der in den Instruktionen der deutschen Panzerwaffe nicht vermerkt war. Schnell heranfahren, dem Gegner das Gesetz des Handelns vorschreiben – dachte Vilshofen.

Tausend Meter, achthundert Meter.

Deutlich zeichneten sich die Konturen dieser neuartigen Panzer im hohen Roggen ab. Der Russe schoss noch nicht – offenbar hatte der Gegner, der drüben in seinem Befehlspanzer saß, noch nicht festgestellt, dass er es hier mit einer beachtlichen Panzermenge zu tun bekam. Vilshofen war zuversichtlich. Er dachte schnell durchzustoßen, an die Brücke heran- und hinüberzufahren, um den befohlenen Brückenkopf am anderen Ufer zu bilden.

Die beiden leichten Kompanien – „Bussard“ und „Falke“ – waren auf sechshundert Meter herangekommen. Die schwere Kompanie, sie führte den Decknamen „Adler“, in deren Mitte Vilshofen fuhr, war etwa dreihundert Meter zurück.

„Adler! Adler! Feuer frei, auf Panzerziele geradeaus!“

Die mittlere Kompanie eröffnete das Feuer.

Sechshundert Meter, fünfhundert Meter …

„Adler nachziehen. Konzentriertes Feuer! Feuer frei für alle!“

Vilshofen fuhr mit den schweren Panzern IV zwischen den beiden leichten Kompanien, links fuhr „Bussard“, rechts „Falke“. Zusammengefasstes Feuer – fünfzehn Rohre, zwanzig Rohre richteten sich gegen einzelne gegnerische Panzer. Einwandfrei erkennbare Treffer, zehn Treffer, zwanzig Treffer trommelten gegen die Panzerung. Aber, was war das, die Granaten spritzten ab, die Leuchtspurbahnen glitten nach oben. Die 5-cm-Geschosse der Pz III, auch die 7,5 cm der kurzen Kanonen der Pz IV kamen nicht durch. Die schwersten Kaliber, die deutsche Panzer überhaupt führten, waren hier nichts als Erbsen gegen eine überlegene Panzerung.

Ein heißer Sommernachmittag, greller Sonnenschein, noch greller das Mündungsfeuer der russischen Kanonen. Und der Abschussknall bedeutete eine weitere Überraschung. Mordsrohre müssen sie haben, lange Rohre mit entsprechender Durchschlagskraft! Andererseits war ihr Feuer nicht zusammengefasst, war verstreut, wahllos, ging hier nieder, schlug dort ein. Demgegenüber war die ausgezeichnete Feuerzusammenfassung seiner Kompanieführer ein Plus, eine kleine Hoffnung. Vilshofen sah eine Stichflamme aus dem Wagen seines Nachbarn auffahren. Ein totaler Durchschlag, nur einMann kletterte heraus. Weiter links wieder eine Stichflamme. Rechts ging ein Pz IV in die Luft. Ein russischer Panzer mit einem Kettentreffer drehte sich auf der Stelle, blieb liegen, aber schoss immer weiter.

Halten, nicht weiterfahren, das hat keinen Sinn!

„Alle halten, weiterfeuern!“, gab Vilshofen durch.

Die Panzer standen einander auf vierhundert Meter, auf dreihundert Meter Entfernung gegenüber. An vierzig Kanonen hatte Vilshofen in Stellung. Achtzig Granaten gingen in jeder Minute heraus – fünfzig, vielleicht sechzig trafen. Aber die Panzer hielten das aus; wenn sie stehenblieben und ihr Feuer eine Weile aussetzte, war das nur der demoralisierenden, lähmenden Wirkung des Trommelns zuzuschreiben.

Aus dem Wald erhielten die Russen Verstärkung. In Scharen rollten weitere Gruppen heran. Vilshofen ließ sie von „Adler“ schon auf weite Entfernung unter Feuer nehmen.

Was tun ... Wir kommen nicht durch! Unsere Granaten schlagen nicht durch!

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